Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

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Medaille tragen zu dürfen, welche ihm
Kaiser Franz durch den österreichischen
Gesandten, Grafen von Lntzow, übergeben
ließ. 17. Dezember 1817 wurde sodann
Häßler bei Verlegung des Gcneralvikariats
von C'llwangen znm Generalvikariatsrat
in Nottenbnrg ernannt, wo er 1819 starb
und in Sülchen begraben wurde. Er war
als Schriftsteller sehr produktiv. Seine
Schriften sind anfgesührt bei Neher, Pcr-
sonalkatalog des Bistums Nottenbnrg,
Gmünd 1878, Seite 9. Sie tragen den
Charakter jener Zeit. Häßler war ein
sehr gelehrter Mann, von gewandten welt-
männischen Formen, bei König Friedrich
persoirn ZrnlissimL, in der hebräischen
und französischen Sprache wohl bewandert,
auch sehr musikalisch veranlagt. Im Um-
gang mit seinen Pfarrangehörigen war er
mild, leutselig und freundlich.
Eine ehemalige Schülerin Häßlers lebt
noch in Oberndorf, die Mutter des Herrn
Rechtsanwalt Augustin Gntheinz, Frau
Kaufmann Joscpha Gntheinz, geb. Neher,
geboren 1. Januar 1806, die älteste Frau
von Oberndorf, jetzt 90 Jahre alt.
A nmerknngen.
st Häßler, Aufzeichnungen über die Stadt
Oberndorf, Stadtpfarrei-Registratnr, Spezialia 6,
I. Band, Seite 143 und Häßler, Chronik von
Nottenbnrg, 1819, Seite 300.
st Siehe Bruck, Geschichte der katholischen
Kirche in Deutschland im 19. Jahrhundert.
I. Band, Seite 263. Mainz-Kirchhcim 1887.
st Regierungsblatt für Württemberg 1811,
Seite 299. (Fortsetzung folgt.)
kleinere .Mitteilungen.
D as Ten rn n gs j ahr 1 7 7 0/7 1 i n O b e r-
sch Wabe n. Dieses Jahr war für Schwaben und
die Bodenseegegend ein Notjahr. „Der Jahrgang
1770", heißt es in einem aintlichen Schriftstück,
„ist leider merkwürdig, da er wegen allzu nassen
schlechten Sommers nur die Hälfte der Früchte
gegen andere Jahre ertragen, mithin über 100
Jahre die Thenrnng niemals erhört worden, daß
in ganz Schwaben und sonderheitlich am Bvden-
see das Malter Korn über 40, 50—64 fl., das
Malter Roggen 20 fl., Gerste 24 fl., Haber 10
bis 12 fl. gekostet habe" und ein Protokoll v. I.
1771 drückt sich aus, „es seien harte Zeiten, da
der Land mann kaum den Hunger zu stillen ver-
möge". Für 1 Pfund Rindfleisch zahlte man
8 kr.. Kalbfleisch 10 kr., Schaffleisch 7 kr.; das
Pfund Schmalz galt 27 kr. Diese Biktnalien-
wie die vorerwähnten Frnchtpreisc werden vom
kaiserlich landvogteischen Oberamt Altdvrf als
solche bezeichnet, „welche bei Menschengedenkcn
niemalen erhört worden". Behufs der Ergreifung
Stuttgart, Buchdruckerei der

voll geeigneten Maßregeln gegen die „unerträg-
liche Thenrnng" ladet der Kardinnlbischof Franz
Konr. Frhr. v. Roth von Konstanz im Sep-
tember 1770 die schiväb. Kreisstände und das
Oberamt Altdorf zu einer Konferenz nach Meers-
bnrg ein. Ans den Einladungsschreiben sowohl
als ans den Kvnferenzprotokvllen geht hervor,
daß „einiger Enden" bereits Volksanflänfe statt-
gefnnden und daß „die Obrigkeit kaum mehr
Rath zu schaffen und sich selbst vor dem in-
sultierenden Pöpel zu sichern wüßten". Unterm
II. September 1770 berichtet das Oberamt
Altdvrf an die vorderösterr. Regierung, daß
es ihm kaum gelingen werde, den Ausbruch
„gefährlicher Thätlichkeiten" zu verhindern, denn
erst heute seien „über 30 theils Flecken Alt-
dorfsche, theils Baienf nr t sch e Bürger beim
Oberamt hervorgetreten, haben die wehmüthigsten
Klagen geführt, die vor Angen schwebende Roth
ans die erbärmlichste Weise vvrgestcllt und an-
gelegentlichst um Hülfe gebeten, mit eindringlicher
Drohung, wenn ihnen diese nicht verschafft werde,
wären sie, um nicht Hungers zu sterben, crmüßigt,
die vorbeifahrenden Wagen abladen zu lassen,
auch waßerlei Mittel, welche ihnen die Nvth an
Händen gebe, zu ergreifen".
Eine eingehende Schilderung dieser Teuerung
findet sich in Ebens Gesch. von Rav., 5. Heft,
S. 317/318, welche in dieser Rubrik überhaupt sehr
ergiebig ist und wo namentlich drastisch erzählt
wird, wie in Rav., Altdorf n. a. Orlen man
schließlich im Frühjahr 1771 die zahlreich nach
der Schweiz abfahren wollenden Kornwagen
einfach — im Wege kurzer Selbsthilfe — nicht
abfahrcn ließ und meist znm Abladen in den
dortigen Kornhänsern nötigte! -elc.

MiFzeüvn.
Nach Sailers handschriftlicher Chronik der
Stadt Waldsee fand i. I. 1643 bei Ravensburg
zwischen den verbündeten kais. und bayerischen
Truppen und den Franzosen ein Treffen statt,
in welchem der daher. Generalwachtmeister von
Merey eine schwere Kopfwunde erhielt und der
Oberst v. Kvnigsegg gefangen wurde. Viel-
leicht ist dies Oberst Ernst v. K., von welchem
im gräfl. Schlosse zu Antendorf ein Neliefwappen
mit der Inschrift vorhanden ist: „1654. Mai 4
ist der Wolgeborne Herr Erncst Herr von
Kvenigseck, Nöin. Kaiser!. Mähst, desen Obrister
ober ein Regiment Kürisirer in den Löbl. Ritter-
lichen Tenschen Orden eingekleidt worden."
Weder in Ebens noch Hafners Geschichte von
Ravensburg und ebensowenig in einemSchriftstücke
des gräfl. Königseggschen Archives zu Aulen-
dorf ist aber dieses Treffen und überhaupt ein
solches i. I. 1643 bei Ravensburg erwähnt.
Vielleicht ist damit der im Frühjahr 1634 durch
den schwed. Obersten Plato ansgesührte Ueber-
sall der Stadt Ravensburg und die Gefangen-
nahme des kais. Obersten Keßler mit seiner
Brigade und einer Reihe von Offizieren re., da-
runter auch eines Grafen v. Zeil gemeint und
1 6 4 3 mit 1 6 3 4, sowie K ö n i g s e gg mit Z e i l
verwechselt? -cü.
Akt.-Gcs. „Deutsches VoNSblatt".
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