Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

Page: 161
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Kunst und Auitlir der Diücese Gorreuüurek und der rtugrruzendeu Gebiete.

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Br. l->.
-1SSS.

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Aüekesaüene Vrüder deh Wrigirren-
Ulo stets iu MUHmgen.
Von vr. Georg Grupp.
lieber die drei bayerischen Brigittiner-
innenklöster Gnadenberg, Maihingen und
Altomünster hat jüngst Pfarrer G. Binder
in Eitting bei München im hist. Verein
der Oberpfalz, Band 48, eine znsammen-
fasscnde Arbeit geliefert, die der weiteren
Beachtung dringend empfohlen wird. Jede
der drei Monographien ist einzeln zu
Habens und bietet je ein abgeschlossenes
Bild eines frommen klösterlichen Lebens.
Die älteste Niederlassung Gnadenberg ist
leider am frühesten der Reformation zum
Opfer gefallen. Maihinge» ging an ihr
auch zu Grunde, lebte aber im Anfang
des 17. Jahrhunderts als Minoritenklvsier
unter thatkräftiger Unterstützung der Grafen
von Oettingen-Wallerstein wieder auf bis
zur Säkularisierung 1803, während Alto-
münster noch heute als Brigütinerinnen-
kloster sortbesteht. Wegen Mangel au
Raum und anderer Rücksichten, die der
hist. Verein dem Verfasser anflegte, konnte
ans der interessanten Geschichte deS Bri-
gittinerinnenklosters Maihingen, wie sie
die ausgezeichnete Priorin Watbnrg Scheff-
lerin nicderschrieb, nicht alles verwertet
werden, über manche Punkte konnte er
sich kurz fassen, weil darüber schon Vor-
arbeiten von Or. Müller und mir vor-
igen. Ich möchte hier nur einige Er-
gänzungen aus den Aufzeichnungen der
Priorii, Walburga bringen und zwar zu-
nächst über die abgefallenen Brüder.

-) Maihinge» um den Preis von 1 M. 20 Pf.
bei Reischle iu Rördtiugeu.

In einem Anhang behandelt die Schefs-
lerin diese abtrünnigen Brüder — das
Kloster war eine Art Doppelkloster, doch
überwog die weibliche Abteilung. — Wenn
man von abgesallenen Brüdern zur Ne-
sormationszeit hört, denkt inan natürlich
zunächst an häretischen Abfall, indessen
wäre dieser Schluß voreilig. In dem Be-
richt ist weder eine genaue Zeit des Ab-
falls angegeben und daher mag mancher
Austritt vor der Verbreitung der luther-
ischen Lebre in Süddeutschland vorgefallen
sein, auch wird nicht einmal ausdrücklich an-
gegeben, dieser oder jener sei zum Luther-
tum abgefallen oder die Lesung lutherischer
Schriften habe ihm den Kopf verwirrt,
aber man bemerkt deutlich die damalige
Zeitströmnng, ans welcher der Protestan-
tismus erwuchs. Und als Zeitgemälde, als
anschauliche Charakteristik damaliger Stim-
mungen ist der hübsch und lebhaft ge-
schriebene Bericht äußerst wertvoll. Die
Motive des Abfalls sind Stolz, Unver-
träglichkeit und Leichtfertigkeit. Als beson-
ders leichtsinnig werben geschildert der sechste
der Abgesallenen, Hans, eines Inden Sohn,
und der Gmünder Rud. Stadtschreiber.
Charakteristisch ist daS Auftreten des
morlaus Aa1licu8 bei dem dritten (Jörg
Ferber) und sechsten (vgl. ancb Note zu dein
! siebenten S. 165). Eü,e gewisse Unsteligkeit
! und Unruhe ist beim' zweiten (Konr.
Linder) und fünften (Jörg Nenwer) zu
! bemerken. Letzterer ging von einem Kloster
I zum andern, 'wurde' mehrmals eingcsperrt
vom Bischof von Freisiug und in Maihingen,
i und da der nachfolgende Bericht geschrieben
^ wurde, war er noch in Fesseln. Auffallend
! nach unseren Begriffe» sind nebst diesen
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