Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

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eiubezogeu, so winde fick unsere Reihenfolge
mehr alsvereoppelt haben ! Diese starke aktive
Beteiligung schon an einem dem größeren
Publikum, wenn auch nicht gerade frem-
de», so doch weniger populären Kunst-
zweige, wie cS der Kupferstich und die
mit demselben »aber verwandten Verviel-
fältiguugdartcu sind, ist immerhin ein
rühmliches erfreuliches Zeichen für den
im oberschwäbiscbeu Voltsstamm liegenden
Kunstsinn und läßt den Schluß auf eine
noch regere Anteilnahme au den mehr all-
gemeineren Gebieten der Kunst, wie der
Malerei und Bildhauerei, nicbt unberech-
tigt erscheinen. Es war freilich keine ge-
ringe Muhe, alle diese zum Teil wenig
oder gar nicht mehr bekannten, „so gut
wie verschollenen" landsmänniscben Künst-
ler, deren Namen der größten Mehr-
zahl nach in den Handbüchern von Janit-
schek, Weltmann, Lützow ec., zum Teil
auch in den einzelnen würtlembcrgischcu
Obcramtöbeschreibuugeu und der Landcö-
beschreibung fehlen, überallher ausfindig
zu macken, znsammeuznsncheu und zu-
sammenznfinden! Es gehört das aber,
zumal wenn man einen „Ueberblick"H
geben will, zu de» Aufgaben der Provin-
zial- und Lokalkunstgeschichte, und von
deren Organen, in welchen man auch Auf-
schluß über Einzelheiten sucht und nicht
irrcgeführt zu werden erwartet. Jeder
weitere Kommentar über einen solchen —
„Ueberblick" — um mit den eigenen Worten
Herrn Probsts zu reden — überflüssig!

Was inan sonst bei diesem „Ueberblick" zn
sehen bekommt, davon noch eine weitere —
Probe! Im zweiten Absatz (S. 62/63) nach
denn Passus über die Kupferstecher komm! es
nämlich noch besser: stier steht bezüglich der
Stnccatnrk n n st in Oberschwaben im vorigen
Jahrhundert — man traut den Angen kaum —
wörtlich zn lesen: . . . „Der rein handwerks-
mäßige Betrieb (der Stnccaturarbeil) muß im
18. Jahrhundert lebhaft gewesen sein: eine höhere
Leistung dieser Art findet sich aber doch nur in
der Klosterkirche zn SalmanSweiler". Dem
„Rundschaner vom Scharben" sind also die ge-
rade in Oberschwabcn, so in den Klosterkirchen
zn Marchthal, JSny, Weisscnan, Weingarten,
Sicsscn, Hofen am Bvdensec, Stcinhanscn am
Federbach, in den Nibliotheksälen von Ochsen-
hansen (Thom. Schcilhnuf aus Reislingen! und
Schnssenried, in de» Schlvßbanten von Tetlnang,
Altshansen u. s. w. ansgesührtcn zahlreichen nnd
seinen Stückarbeiten, in welchen diese neu in Auf-
nahme gelangte Kunstübnng nahezu ihr bestes

iOvikrutie zur Lärschichrr ruizrnirr
Osurreirn.
2. Biographie der Oberndorfer
Stadtpfarrer uu s e r eö Jahr-
h uudert S.
(Fortsetzung v. Nr. 1.)
Von Stadlpfarrer Brinzi n g er in Oberndorf a.R.
I. Der Nachfolger von Stadtpfarrer
Or. Ludwig Anton Häßler war (nach ein-
jähriger Berweserei durch Karl Gordian
Allmach von Mohr, ehemaligem Prämon-
strateuscr in Roth) Michael Beui g n n S
Mauser 1819—32. Er ist geboren
19. April 1771 in Ellwangen, ordiniert
19. März 1797, K a p n zi u er, 25. April
1802 Kaplan und Schullehrer in
Hohenteugen, 4. April 1810 Pfarrer in
Schechiugen, seit 1812 Schulinspektor,
26. März 1819 ernannt als Dekan und
Stadtpfarrer in Oberndorf, 1. Mai 1819
aufgezogen. Gegen ihn erklärte sich das
Bischöfliche Ordinariat (Motion, akten-
mäßige Darstellung der würtlcmbergischen
Abgeordncteuverhandlungcn 1842, S. 109).
Er klagt bitter in seinen Notizen der
Pfarrchronik über Unordnung in der Re-
gistratur, Schule und Kirche, vernachlässig-
ten Religionsunterricht nnd das zurück-
haltende Benehmen der Stadträle. Unter
ihm wurde am 12. November 1820 ein
Können und Leisten abgelegt und geradezu einen
Triumph gefeiert hat, entweder entgangen, oder der-
selbe hat sie für — Handwerksarbeit angesehen, was
beides sich iür die Kritik ziemlich gleich bleibt! Der
nenestens in Broschürensvrm erschienene „lleber-
blick" :c. gleitet nun (S. ä7> über diese höchst
bedenkliche Stelle vorsichtig unter Beziehung
ans Hägers inzwischen (i. I. 1894) herans-
! gekommenes Werk über „die Banthttiigkeit im
, Kloster Wessobrunns nnd die Wessobrnnner Slnc-
i catoren" hinweg. Wer aber je mit nur einigem
Verständnis für diese charakteristische Knnstsormen
des Barock- nnd Rokoko-Jahrhunderts einen
! Gang durch die obengenannten Kirchen- bezw.
Klosterbanten gethan hat, dem mußten diese oft
ganz überwältigenden, der oberschwäbischen Kir-
chen- und Klosterbanknnst dcS 18. Jahrhunderts
gciadezn ein typisches Gepräge verleihenden
Slnecatnrwerke förmlich ins Auge fallen, wie
i dieselben auch schon vor Hägers Publikation in
! der Litteratnr keineswegs unbeachtet geblieben,
wenn auch nicht zn einer so vollendeten Dar-
' stellnng gebracht worden sind, lind — so waS
heißt man einen — „sachkundigen Ilcberblict
mit neuen Ausschlüssen über daS Knnstlebcn der
vorher (!) in tiefes Dunkel gehüllten oberschwä-
I bischen Landschaft" !!
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