Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

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als sich Fälle genug Nachweisen lassen, wo
weltliche Fürsten des Deutschen Reiches
es mit dem Ausland, besonders mit Frank-
reich hielten. Anstatt ans ältere Beispiele
znrückzngreifen, sei nur an das letzte, an
den Rheinbund, erinnert, der zu einer
Zeit entstand, wo die geistlichen Fürsten
bereits „hinweggefegt" waren. Wem rer
Reehtsstandpnnkt nicht gefällt, den z. B.
der konservative Heinr. Leo in seinem
„Handbuch der Universalgeschichte" 3. Ausl.
(1856), 4. Bd. S. 1030—1038 vertritt;
der möge den liberalen Rotteck hören,
dem niemand eine Vorliebe für den Klerus
nachsagen wird. Dieser schreibt in seiner
„Allgemeinen Weltgeschichte" 8. Anfl.
9. Bd. S. 322 zum Reichsdeputations-
Hanptschlnß: Dergestalt ging das edle
Institut der deutschen Reichsstädte (bis
ans wenige Trümmer) unter, wiewohl ge-
rade sie, sowie die geistlichenF ü r st e u,
am getreuesten der vaterländischen Sache
und dem Neichsvberhanpt geblieben waren.
Sv wenig galt überall das Interesse der
teilt scheu Nation, nichts wnrde ge-
achtet, geschont, gefördert als jenes der
Erbf ü r st e n.

Dir Mosterhüfe in der Reichsstadt
hieiittitigen.
Von Theodor Schön.
(Fortsetzung.)
Das 16. Jahrhundert brach an. Im
Jahre 1509 fügte Abt Georg dem Hof
in Reutlingen das nützliche und nicht un-
elegante Kornhaus hinzu, das zu Sulgers
Zeiten sich von der Kapelle gegen den
neuen Ban ansdehnte und von der Fluß-
seite den Hof abschloß.') Derselbe Abt
gestattete am 5. März 1509 dem Papier-
müller Jakob Hirrter (Hirt er) eine
der drei dem Kloster gehörigen Schleif-
mühlen zu Reutlingen auf seine Kosten
unter Einwilligung der Messerschmiede,
welche damals vom Kloster mit der Mühle,
einem Lehen des Klosters belehnt waren,
in eine Papiermühle nmzuwandeln und
auf seine Kosten im baulichen Stand
zu halten. Sollte sie durch Brand oder
einen andern Unfall zu Grunde gehen,
') Sulger II, 100; Gayler II, 270. Am
Kornhaus war folgende Inschrift:
1'iscatore satas felice 6eargius adbas
I^Ioa et plura alias 6ne pere^it opas.

sollte er sie, wenn er wollte, Herstellen.
Er mußte entrichten einen Theil von acht
Pfund jährlich und einen kleinen Band
Papier.')
Im Jahre 1513 war schon seit meh-
reren Jahren der Hof in Reutlingen den
dortigen Priestern so verschrieben, daß
diese aus demselben einen jährlichen Grund-
zins bezogen. Dieses löste nun Abt
Georg ab?)
Als 7. Oktober 1513 Abt Georg auf
die Abtei verzichtete, waren auch Reut-
linger Bürger unter den Garanten von
10 000 fl. Strafgeld im Uebertretungsfall.
Der Abt kam nach Reutlingen und hielt
sich zunächst im Zwiefalter Hof auf?)
Am 24. November 1513 beurkundete er
jedoch, daß Bürgermeister und Rath der
Stadt Reutlingen ihm gestattet hätte»,
häuslichen Besitz und Wohnung in der
Stadt zu haben und ein Haus daselbst
zu kaufen, wie es geschehen sei, wofür er
jährlich Steuer und Wacht geben sollte,
wie ein anderer Bürger zu thnn schuldig
sei?) Sollte er wegzieheu so sollte er,
sollte er sterben, so sollten seine Erben
sein Haus innerhalb drei Jahren wieder an
Reutliuger Bürger verkaufen. Ueberhaupt
sollte er gemeiner Stadt Nutzen fördern
und Schaden warnen. Seine Diener und
Ehehalten sollten samt und sonders, wenn
sie mit einem Reutliuger Bürger etwas
mit Recht anSzntragen hätten, von dem
Stadtgericht Recht nehmen und fordern.
Dafür würden Bürgermeister und Rat
ihn zu Recht schirmen und schützen?)
Das HanS, das er kaufte, war vormals
Peter SchenckS, des Pfarrherrn gewesen,
und lag oberhalb der Frauenkapelle vor
dem Brunnen daselbst über zwischen ge-
dachter Heiligen und Jakob BeltzlinS
Häusern. Am 13. Dezember löste Abt
Georg bei den Heiligenpflegeru, dem Kap-
lau Sebastian Erzinger und Erhärt
Wölfl in 10 Schilling Heller Zins ans,
desgleichen von den Präsenzmeistern und
gemeinen Kaplänen sowie Matthäus, Kap-
lan der Hurnbogenpfründe in St. Peter
') Staatsarchiv; Sulger II, 100.
-) Sulger II, 104.
Gayler I, 210.
? Staatsarchiv.
") Gayler I, 210, bestbegriindcte rechtliche
Repräsentativ», 1714, Beilage L.
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