Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 183
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die Flurprozessivn gemacht mit Predigt und
vier Stationen. Die Bizenkapelle (mons
biccps), am Felsenabhang vor der Michacls-
kirche, 140 Schritte südöstlich, wird schon
1634 erwähnt. Sie ist im Frühjahr 1873
abgebrochen worden beim Ban der oberen
Waffenfabrik. Hiemit beschließen wir unsere
Studien über die Geschichte der Stadt-
pfarrei Oberndorf, bei welchen es uns zu
unserer Freude gelang, eine Reihe von
längst verschollenen geschichtlichen Nach-
richten wieder aufzufinden.

Driiliwiirdigrst aus der Geschichte
des Musters Wiblingen.
(Von Pfarrer Saupp in Wiblingen.)
(Fortsetzung.)
Die ersten Jahrzehnte der Abtei waren
infolge der damaligen Wirren und Streitig-
keiten, die zuerst zwischen Kaiser und
Papst, nachher zwischen Heinrich IV. und
seinem Sohn Heinrich V. und zuletzt
zwischen den Sachsen und Hohenstaufen
herrschten, voll Gefahren für den Fortbe-
stand des Stifts, und nur durch den
Schutz der Päpste und durch die Tüchtig-
keit der ersten Aebte wie durch die eifrige
Sorgfalt der ersten Schutzherrn blieb es
vor schnellem Untergang bewahrt. Nicht
bloß von Papst Urban II., sondern auch
von Honorius II., Eugen III. und Cöle-
stin III. wurden eigene Bullen erlassen,
worin die Güter, Gerechtsame und Frei-
heiten des Klosters feierlich bestätigt und
gegen jeden Angriff und Beunruhigung
gesichert wurden. Der Wortlaut dieser
Bullen findet sich in Braigs „Geschichte der
Abtei Wiblingen", weshalb er hier nicht
angeführt wird. —- Die nächsten Aebte
nach dem sel. Werner hießen Berthold
und Arnold, beide gleichfalls aus dem
Kloster St. Blasien. Indessen ist außer
den Namen von ihnen bloß berichtet, daß
sie ganz in die Fnßstapfen ihres berühmten
Vorgängers getreten seien, daß sie selbst
ein heiligmäßiges Leben geführt und das
Kloster in strenger Zucht und Ordnung
geleitet hätten. Wie lange Berlhold regierte,
ist nicht bekannt, Arnold lebte noch im
Jahr 1146, während im folgenden Jahr
bereits Abt Stephan I. erwähnt wird, der
namentlich durch Erwirkung päpstlicher
Bullen dem Kloster Schutz und Sicherheit

zu verschaffen suchte. In die Zeit Ber-
tholds und Arnolds fällt der verheerende
und blutige Krieg, welcher von dem zum
Kaiser erwählten Sachsenherzog Lothar
gegen den Herzog von Schwaben, Konrad
von Hohenstaufen, geführt ward. Lothar
habe mit einem großen Heere die Stadt
Ulm belagert und nach der Einnahme mit
Feuer und Schwert völlig zerstört i. I.
1134. Ebenso seien die umliegenden Orte
und darunter auch das Kloster Wiblingen
nach sicheren Anzeichen eingeäschert worden.
Nach anderen Quellen jedoch blieb Wib-
lingen erhalten, obwohl es sonst in diesem
Krieg viel zu leiden hatte.
Als Ulm später durch Lothars Befehl
— wahrscheinlicher durch die Bemühungen
und Unterstützung der Hohenstaufen —
wieder i. I. 1140 anferbaut wurde, sei
der Umfang der Stadt bedeutend erweitert
und dieselbe durch Mauern und Gräben
stark befestigt worden. Hiebei seien drei
Hauptthore angebracht worden. „Urima
versus Oanudium construsdntur, iirsi§-
nita Herbrnckerthor, cum per illam
Are§es pecuclum emikterentur et intro-
mitterentur. Lecrmüa aczuilouem versus
ex rmL parte olim 3. OeoulrarUi, nunc
Dominae nostrae (Franenthor), per
puam inArediuntur et eZreüirmtur populi
nationum et auriAae variarum mercium.
Tertia OöZlinAen versus appellatur lrodis
vuIZo Glöcklerihvr."
Um diese Zeit (1144) wurde nach dem
Annalisten auch das benachbarte Kloster
Elchingen gegründet. Der Ursprung
desselben wird in Zusammenhang mit dem
damaligen Krieg gebracht und im Anschluß
an Felix Faber folgendermaßen erzählt:
Da die beiden Nebenbuhler Lothar und Kon-
rad durch Schwägerschaft verwandt waren,
indem Lothars Bruder Konrad die Schwester
des SchwabenherzvgS, Lucia, zur Ehe hatte,
so sei die damalige Burg Elchingen samt
dem sogen, „babylonischen Turm", wie
ein Teil der Burg genannt wurde, in den
Besitz der Sachsen gekommen, und Lothar-
Habe, um Ulm zu schrecken und die Schwaben
zurückzuhalten, eine Besatzung in dieselbe
gelegt, welche durch tägliche Raub- und
Streiszüge den auf seiten Konrads stehen-
den Ulmern großen Schaden an Hab und
Gut wie an Menschenleben verursachte,
indem die Vorüberziehenden massenhaft
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