Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 120
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Dominikanerinnen bei der St. Michaels-
kirche eintrat. Sie übergab mit Bewil-
ligung des Grafen Johann Wernher von
Zimmern, als Eigentumsherrn der Klause,
und der Dominikanerinnen zu St. Michael,
zur Erhaltung der Armen, und weil die
Einkünfte der Klause zur Erhaltung eines
Konvents zu gering seyen, an Schultheiß,
Bürgermeister, Rat und Gemeinde zu
Oberndorf, die Güter, Gilten und Zinsen
der Klause, samt Briefen, Registern und
jährlichen Gefällen, um davon ein Almosen
anznrichten und zwei Pfleger darüber zu
setzen, die jährlich dem Magistrat Rech-
nung oblegen sollen. Der Ueberschnß solle
durch die eigenen Gefälle der Stadt ver-
stärkt ans Fürwachs angelegt werden, um
davon einen Spital anzulegcn. Martha,
diese letzte Klausnerin bei St. RemiginS,
starb 1550. Die Klause verfiel und ihre
Ruinen wurden weggeräumt.
Außer dieser Nemigiusklanse scheint noch
eine zweite Klause bestanden zu haben,
welche noch im 17. Jahrhundert in Ur-
kunden öfter erwähnt wird wegen Streitig-
keiten mit der Stadt, und 1624 in deren
Besitz überging. (Köhler l. c. S. 50.)
DaS nächstemal noch einiges von den zwei
Kirchen und den abgegangenen Kaplaneien
und Kapellen von Oberndorf.
(Fortsetzung folgt.)
Dir Vrilnstlorsaiiiilic Viiiglimier riu;i
Vistorach .1, lir.
Bon Amtsrichter a. D. Beck.
(Schluß.)
In die Reihe der großen Dinglingerschcn
Leistungen gehört auch noch der berühmte,
fast zwei Meter hohe, übrigens in Ge-
meinschaft mit dem Edelsteinschneider Hübner
und dem Hofjnwelier Döring in Dresden
von Dinglinger anögesührte Obelisk,
sogen. ,,Obeli3cus TW^uskniis", welcher
eigentlich eine Kollektion von nicht weniger
als 240, wohl durchgängig von Hübner
tief und erhaben geschnittenen Steinen, zum
Teil von bedeutender Größe und Schönheit,
darunter namentlich ein schöner, sieben
Centimeter hoher, in rotem Jaspis verlieft
geschnittener Perikles ist. ES zeigen sich
darunter aber auch manche Nachbildungen
und viele Wiederholungen des gleichen
Gegenstandes. Der Anordnung, bei welcher
alle Steine mit eiuemmale zur Anschauung

kommen sollten, konnte der Vorwurf er-
hoben werden, daß vieles dem Blicke zu
entfernt angebracht und die Hauptsache
durch störendes Beiwerk versteckt ist. Der
Obelisk steht ans einer stufenweise sich er-
hebenden Platte, bei welcher florentinische
Mosaik nachgeahmt und Ruinen- oder
Landschaftömarmor benützt ist; auf diesem
in drei Stufen anfsteigendem Podium er-
hebt sich zwischen zwei kleinen, mit Ka-
meen bedeckten Monumenten, von denen
das eine dem Herkules, das andere dem
Kaiser Pertinax gewidmet ist, ein reich
verzierter Sockel, woran daö emaillierte
Bildnis Augusts des Starken, von könig-
lichen und kurfürstlichen Insignien, Or-
denszeichen und allerhand Kriegs- und
Waffenwerk umgeben, lieber diesem erhebt
sich wieder, von drei Sphynxen getragen,
der eigentliche Obelisk, dessen Seiten mit
großen, vertieft in Jaspis geschnittenen
antiken (zumeist Kaiser-) Köpfen bedeckt
sind. Um den Sockel herum stehen fünf
schöne Gefässe, vorne eine in Chälcedon
geschnittene Schale, worauf eine kleine
emaillierte goldene Uhr (Abbildung bei
Grüner ans Tafel 18), dann zwei kleine
Vasen von altem braunem Meißener Por-
zellan, vornehmlich aber zwei solche aus
Schildkrot mit Arabesken von eingelegten
Goldfäden nach der Art der Aggemina-
vder Azzimioarbeit der älteren Zeit, wovon
sich einige Denkmale in Italien vorfinden.
(Abbildung bei Grüner auf Tafel 19; bei
Grosse ans Tafel 62.) Die im Vorder-
grund stehenden 13 kleinen goldenen und
emaillierten Figuren repräsentieren ver-
schiedene Völkerschaften aus allen Himmels-
gegenden (Römer, Griechen, Perser, Araber,
Meder, Syrer) als Beschauer und Be-
wunderer des Werkes; ausgezeichneten
Kunstwert haben vier schlafende Kriegs-
lente, welche an die Wächter am Grabe
Christi erinnern; es sind wahre Kunstwerke
für sich. Von hervorragender Schönheit
ist auch die vorne in der Mitte stehende
emaillierte Prnnkvase. Nicht vergessen
darf werden daö bekannte goldene Thee-
servicc als prachtvoller Tafelaufsatz.
„Auf dem silbernen und vergoldeten Pla-
teau erhebt sich eine mit vielen Verzie-
rringen, Diamanten, Rubinen und Sma-
ragden besetzte Stellage, die mit den in
Elfenbein geschnittenen Figuren der Mi-
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