Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 74
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weise gebracht worden war, und schenkte
sic dem Kloster anS großer Verehrung.
Der Abt ließ die Statne mit neuen Farben
und Gold schmücken und eine neue Statne
des grüßenden Erzengels hinznfügen. Unter
dem Namen „VirZinis reckemptae" wurde
das Marienbild fortan in Marchthal
verehrt.
In: Jahre 1689 suchte die Stadt Reut-
lingen bei Zwiefalten um wenigstens 50
Scheffel Haber für bare Bezahlung an
und hoffte »m so eher erhört zu werden,
als sie durch Erstattung der französischen
Exekntionsgelder die militärische Exekution
und den gedrohten Brand von der Stadt
und folglich auch vom Zwiefalter Hof ab-
gewendet hätte.
Im Jahre 1693 tauschten Andreas
Rneff, Bürger und Handelsmann zu
Reutlingen und Marx May(e)r, Zwie-
faltischer Hofmeister daselbst ein Pfund
Heller Gült aus Michael HütterS Be-
hausung gegen ein halbes Pfund ans
Jakob Grien in gers Behausung und
7 Gulden 30 Kreuzer bare „Anfgab".
(Fortsetzung folgt.)

Vemcrtwiigen
zu Herrn Detzels „Ehrt st l. Ikono-
graphie, H andb u eh z n m Verständ -
nis der christl. Kunst" (Freiburg,
1894—96, bei Herder, 2 Bve.).
Von F. I. Mo ne in Karlsruhe.
II.
Drittens hat die eingehende Besprechung
der archäologischen Entdeckungen in den
Katakomben und der Altertümer von Rom
vielleicht für eine christliche Ikonographie
gegenwärtig keinen gro ß en praktis ch e n
Wert mehr. Denn was nützen alle steno-
graphischen Entdeckungen in den Katakomben,
wenn inan den Namen eines Heiligen sucht,
dessen Attribut oder, symbolische Bedeutung
nicht verständlich ist, oder eines Marien-
bildes, dessen Maler, nach den uns un-
bekannten Vorstellungen der Mystiker des
13. oder 14. Jahrhunderts gemalt hat.
Zum vierten sind die ältesten Reliefs und
Rondobilder in Stein an den romanischen
Kirchen Deutschlands nicht erklärt.
Wenn das Handbuch von Detzel einem
Theologen oder einem Freunde der mittel-
alterlichen Archäologie nicht genügt und

seinen Anforderungen nicht entspricht, so
fragt man, giebt es vielleicht einen anderen
Weg, welchen der genannte Verfasser hätte
einschlagen oder empfehlen sollen? —
Konnte wohl mehr erreicht werden durch
wohlseile Vervielfältigungen der einschlä-
gigen Kunstwerke, oder durch Herabsetzung
des Preises der sehr teuren Bücher, oder
durch die Predigt oder populäre Vorträge,
oder dnreb den Unterricht an Hochschulen,
oder durch Exkursionen der Schüler und
Zuhörer mit dem Lehrer au die Orte,
wo interessante Kirchen oder Sammlungen
sich befinden? Gewiß könnte hierin mehr
geschehen, als gegenwärtig für die jungen
Leute geschieht. Aber vor allem mußten
die Schüler und Hörer der bildenden Künste
im Dienste der Andacht in folgenden Fächern
gründlich vorbereitet sei».
Die Kenntnis der Dogmatik und der
Kirchengeschichte, der Hymnologie und
religiösen Dichtung, der Geschichte der
einzelnen Mönchsorden und der theolo-
gischen Litteratur muß man beim Studium
der christlichen Ikonographie voraussetzen.
Insbesondere muß man in der sogenannten
m^sticu tlmolo^m von Thomas von Agnin
bewandert sein und sich in den Schriften
der mittelalterlichen Mystiker anskennen.
Denn ganz dasselbe, was jene Wissen-
schaften lehren, ist in der Sprache der
bildenden Künste in den Knnsidenkmälern
ausgedrückt. EZ hg„pelt sich darum die
Kuttstform zu erkennen, in welcher
die Sprache der bildenden Künste sich in
dem einzelnen Falle bewegt. Dazu giebt
u. a. die Schrift von Führich über die
Knnstformeu manche Fingerzeige. Wenn
inan sich klar gemacht hat, was didaktische,
was typologische, waS symbolische, was
emblematische, was allegorische und was
kritische Knnstform ist, so wird das Ver-
ständnis der Bildwerke wesentlich erleichtert.
A» einigen Beispielen wird das leicht
ersichtlich werden. Band 1, S. 110 wird
gesagt: „Das Christuskind halte in der
Linken die Weltkugel oder den Reichs-
apfel". DaS ist aber ganz unrichtig! Es
ist der Apfel, durch welchen Eva das Gebot
des Gehorsams gegen Gott übertreten hat.
Diesen Apfel hatte der Teufel als Faust-
pfand in Händen bis Maria geboren wurde.
Diese giebt daher auf den Bildwerken mit
Widerstreben dem Jesuskinde den Apfel,
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