Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 81
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Organ für Geschichte, AltertumMuiidc,
Kunst und Kultur der Wiücese Kotteudurg und der angrenzenden Gebiete.
ksorausgcgebcii und redigiert von Nintsrichtcr a. D. Becki in Kaven^lnirg.

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stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellnngen und Neklmnntivnen an
die Expedition des „Deutschen Vvlksblatts" in Stuttgart, Nrbansstraßc 94, gerichtet locrden.

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-1SSS.

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AlwnnementF-Eüiladllng auf i. Muli 189»!

Verträge zur Orchnamendeutung de;>
Oderaints Lentkirch.
Von N. Schwänzer, fürstlicher Sekretär zu
Schloß Zeit.
Der sogenannte Cocksx mnjor trncki-
tionum Weingnrteilsium ans der zweiten
Hälfte deS l3. Jahrhunderts („Wnrtt.
Ürk.-Bnch.", Bd. IV.) enthält bekanntlich
eine Menge Ortsnamen von Württemberg,
deren Deutung bis jetzt noch nicht gelungen
oder wenigstens zweifelhaft ist.
Für das Oberamt Lentkirch kommen
hauptsächlich in Betracht Lncinriet, Obon-
cloi'f und Xncelins. IX. begegnen
wir einem Luno ZigebrnirüesberZ,
welcher ein Gut zn Lnrenrietll an
das Kloster Weingarten schenkte; xmg. XII,
XXXIX nnd XLIII finden wir weiter
die Ortsnamen Ln^ecinisruti, Ln-
riirsruti und Ln c i n ri et. Diese
Namen sind nach dem Register des „Württ.
Urk.-Buchs" ans das heutige Enzisrente
(an der Straße von Waldsee nach Wein-
garten) gedeutet. Was LnZeeinis, Ln-
rinsruti anbelangt, so ist diese Deutung
ja siäwr richtig; in Bezug ans Lnren-
Lncinriet jedoch muß schon der Unter-
schied, den der Codex durch die Schreibung
ruti und riet macht, die Deutung auf
Enzisrente in Zweifel stellen. Reute (ruti,
rutin) bedeutet einen gerodeten Waldboden,
Nied (riet) hat mehr den Begriff der
Rodung eines moorigen, sumpfigen Bodens,
wo es weniger einen Wald als vielmehr
Staudengebüsch ansznrodcn galt. Auch
der weitere Umstand, daß Ln?enrietll so-
wohl IX als XLIII »eben

5i§edrau6esder§ und Librnulroueu er-
scheint, weist darauf hin, daß es auch bei
Seibranz zu suchen ist (vrgl. Banmann,
Allgäu I. 469). Und wirklich finden wir
in den Zeiler Urbarien (von 1568, 1663
n. s. w.) unter Wengenreute (zwei Kilo-
meter von Seibranz) einen Oesch „im
Zinzen-, Sünzen-, Sinzenriedt". Hier
also ist unser LnrenrietU zn suchen.
Dieser Oesch lag zwischen Wengenrente
und Seibranz, südlich der Straße von da
nach Wnrzach, in der Thalmnlde, welche
sich von Seibranz nach Gospoldshofen
hinzieht und welche von einem Bächlein
durchflossen wird, das im Urbar von 1663
der Sinzenrieder Bach genannt ist. Der
Boden dort ist in der That sumpfig, vom
Abwasser des Ulrichsbrnnnens zn Seib-
ranz durchsetzt, so daß also die Bezeichnung
riet hier zutrifft. Der Name Sinzenried
hat sich bis in dieses Jahrhundert herein
erhalten, indem noch bei der Vereinvdung
von Wengenrente im Jahr 1806 ein
„Sinsenrieder Oesch" vorkommt. Luno
6e 3i§edrnn6esber§ dürfte indessen an
Weingarten kaum einen Hof, sondern viel-
mehr nur eine Wiese oder einen Acker ge-
schenkt haben, wofür auch das geringe
Neichnis (I solidum) spricht.
Es mögen hier auch gleich einige Worte
über ZiZedinnckesderZ und LibrancleK-,
Librnnlroueir Platz finden. Man hat sich da-
runter jedenfalls zwei, ursprünglich ge-
trennte, wenn auch nahe bei einander ge-
legene Siedlungen vorzustellen. Das heu-
tige Seibranz ist an den die oben erwähnte
Thalmnldc abschließenden Berghang ter-
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