Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 161
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Organ für Geschichte, MtertumDunde,
Nu»st und Aultnr der Wiücese Kottenburg und der angrenzenden Gediete.
tZeransaegeben und redigiert von Amtsrichter a. D. Berit in Kabcupburp.
Beiträge, Korrespondenzen re., Rezensions-Exemplare, Tanschzeitschriften w. wollen
stets direkt nn Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellungen und Reklamationen an
die Expedition des „Deutschen Vvlksblntts" in Stuttgart, Urbansstraße 94, gerichtet werden.

Nr. l l,
4S9S.

Erscheint monatlich einmal und isthalbsnhrlich durch die Post zum Preis von
M. 1.90 ohne Bestellgebühr; durch alle Buchhandlungen sowie gegen Einsen-
dung des Betrages direkt von der Expedition um M. 2.10 (außerhalb des
dentsch-österr. Postgebietes M. 2.20) zu beziehen; einzelne Nummern 40 Ps. An-
noncen rc., welche der Richtung dieser Zeitschrift nicht znwiderlaufen, werden von
der Expedition entgegengenommen und pro Petitzeile oder deren Nanm mit 15 Ps.,
biichhändlerische Beilagen, Prospekte rc. nach Uebereinknnst berechnet.


Dax, Fuistungsjahr dcK Prämon-
stratenserlilosterA Schnssenried.
Von Amtsrichter a. D. Beck.
Als SliftnngSdatnm dieses GolleShauses
wird gewöhnlich und wohl mit Recht das
Jahr 118Z angegeben und zwar in erster
Linie von dem Weissenauer Codex,
dem ältesten Belege hiefür, nach welchem
auch Stalin in seiner württembergischen
Geschichte II, S. 733, geht. Die Stif-
tungsurkunde selbst, welche schon in der
ersten vom Kloster bestandenen Krisis wäh-
rend der sogen. Wartenbergschcn Wirren
zu Grunde gegangen zu sein scheint, ebenso
daS päpstliche KonfirmationSdoknment, liegt
längst nicht mehr vor, nicht einmal mehr
irgend eine Abschrift von derselben. Die
meisten älteren Schnssenrieder Original-
urkunden sind schoit im Bauern- nnd dann
im Schwedenkriege zu Grunde gegangen;
ans den ältesten, noch vorhandenen, im
württembergischen Urknndenbnche II, S. 384
nnd 385 und III reproduzierten Doku-
menten von den Jahren 1211, 1220, 1227
ist die Gründnngszeit nicht zu entnehmen.
Eines der ältesten noch vorhandenen Do-
kumente, welches das GründungSjahr
und zwar gleichfalls 1183 angiebt, ist
der (bloß noch in einer Abschrift vom
Jahr 1703 erhalten gebliebene, in den
„HecrolOAm Ccrmuuiue etc." I, p. 205
bis 208 abgedruckte) Ueberrest eines alten
necrolvAlum Loretlrnnum, eines „morti-
1o§ium omuium Uckuuctorum üuius
ecclesine ncmtrne ZoretUensis lunUalo-
rum, aftloatum, xuaepositorurir et cou-
Irntrum uc omuiuru denelnctorum nos-
trorum etc." DaS „Orrouicon nddatis
(LurcllurUi) OrsperAensis", welcher im
Jahre 1205 zu Sch. in den Prämon-

stratenservrden eingetreten, 1207 Proseß
abgelegt und von 1209—1215 dem Kloster
als Propst vorgestandcn hatte, dann von
Sch. auS zum Propst von Ursperg gleichen
Ordens postuliert worden war, enthält —
wie wir hier gleich einschalten wollen —
keinen auf S ck. bezüglichen Eintrag, eben-
sowenig die „Historin Nricterici I impe-
rntoris mnZni etc" Burkhards (Ausgaben
von Pertz nnd Christmann). Andererseits
setzt das um daS Jahr 1450 durch den
Schnssenrieder Chorherrn ?. Ulrich Lier-
b a ch ans Gengenbach znsammengestellte, jetzt
im Staatsarchiv zu Stuttgart befindliche
sogen. ,,Kettenbüchlein", ein ans Papier
geschriebenes, nach der Sitte damaliger
Zeit an eine (noch daran befestigte) Kette
angeschlossenes Diplomatare, die Zeit der
Klostererrichtung, wie cS scheint erstmals
von den soweit bekannten Quellen fünf
Jahre später, nämlich in das Jahr 1188,
eine an sich geringe nnd weniger belang-
reiche Abweichung, ohne daß sich sagen
ließe, auf was, auf welche Dokumente und
Nachrichten das Kettenbüchlein diese spätere
Ursprungsdaticrung stützte; möglich, daß
daS eigentliche Dokument,für die Ihatsächlich
schon im Jahre 118Z vor sich gegangene
Stiftung erst im Jahre 1188 vor oder
nach dem Tode des Mitstifters Berengar
ansgefertigt worden ist?! Auffallend ist
aber, daß dann, wie es scheint, meistenteils
auf Grund dieses länge Zeit (auch im
Kloster) für ein Evangelium oder Orakel
angesehenen Kettenbüchleins weitaus die
Mehrzahl der späteren bezw- neueren Quellen
und Schriften der späteren Ursprnngs-
datierung folgt, so die bekannte „CoSmo-
graphey" des Seb.Münster(Basel, 1588,
S. 995), Crusins, schwäbische AnnalenX
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