Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

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künin, nämlich: ein Haus, einen Garten,
eine Scheuer, einen Weg zur Scheuer zu
Reutliugen au die Prämonstratenser iu
Weisseuau, behielt sich aber deu Genuß
dieser Liegenschaft, falls sie in Notlage käme,
vor. (St.-A.)
9. Wittichen (iu Baden). Im
Jahre 1427 besaß das domus dom-
narunr de Wiklrena in Reutlingen ein
Haus circa cimiteririm trakrum mino-
rum, von dem dem Kloster Marchthal auf
St. Martini drei Schilling Heller Zins
gingen. (St.-A.)
Nicht weniger als 13 Mönchs- und
4 resp. 5 Nonnenklöster waren in Reut-
lingen wie man sah, begütert. Ging auch
ein Teil der erworbenen Güter ans Schen-
kung edler Geschlechter, vor allem der Un-
ruochinger in ihren beiden Zweigen Achalm
und Urach (letztere die Ahnen des fürst-
lichen Hauses Fnrstenberg), der Grafen
von Tübingen und Zollern, sowie
die Freiherren v. Greifen stein zurück,
so danken doch die Klöster die Mehrzahl
der Schenkungen dem frommen Sinn von
Bürgern und Bürgerinnen der Reichsstadt
Reutlingen, die einen Teil ihres durch
Handel und Gewerbe erworbenen Gutes
der Kirche zuwandten. Von all' dem reichen
Gut ist infolge der religiösen und politi-
schen Umwälzungen der Kirche nichts
verblieben.

Vemerttlmgeu
zu Herrn Detzels „C h r i st l. Ikono-
graphie" rc.
Von F. I. Mo ne in Karlsruhe.
VI.
Die Hetoimasia führt Detzel als
Etimasia wohl Seite 533 und 534 an,
aber das Symbol derselben, den leeren
Thron, hat er irrig als Richterstnhl auf-
Lefaßt, was schon der wörtlichen Ueber-
setznng von Hetoimasia, die Bereitschaft,
die Herstellung zum Gebrauche, widerspricht.
Wie er dazu kam, Etimasia, das gar kein
griechisches Wort ist, zu schreiben, anstatt
Hetoimasia, kann man nicht finden. Wahr-
scheinlich hat ihn hierin die französische
Schreibweise und neugriechische Aus-
sprache ekimasie irregeführt. Die sym-
bolische Darstellung der Hetoimasia durch
einen leeren, d. h. unbesetzten Thron oder

Stuhl findet sich auf den alten Mosaiken
der römischen Kirchen z. B. in Maria
maggiore, in der capella s. Xenons nicht
selten. Noch im Langhause der Schloß-
kirche in Bruchsal, gemalt von Assam 1729,
sieht man den leeren Thron beim Beginn
des Glaubensbekenntnisses, das in Bildern
der Apostel dargestellt ist. Auf dem leeren
Throne ruhen die Marterwerkzeuge Christi
(arma redemtoris oder salvatoris muirdi).
— Die Monographie über die Hetoimasia
von Laut Durand, memoire sur I'Ule-
toimasia des Orecs, Orartres 1867,
hätte Detzel benützen sollen. Jener Ge-
lehrte giebt nach der monumentalen Kunst
mehrere Formen des Thrones oder Sitzes
an, welche der versprochene Lohn für den
Christen sind.
Indessen ist der leere Thron nicht das
einzige Sinnbild für die Hetoimasia (der
ewige Frieden in Gott). Häufiger als
der Thron kommt auf den römischen
Mosaiken der Kranz, das ist die ewig
grünende Krone des Lebens, vor. Diese
Form der Hetoimasia, welche besonders
in Deutschland und Frankreich vom 13.
bis 16. Jahrhundert in der Architektur
gewöhnlich gewählt wurde, muß etwas ein-
gehender besprochen werden. Die Krone
des Lebens oder der grüne Kranz hat aus
den römischen Mosaikbildern nicht selten
die Form eines Fingerringes, Verlobnngs-
ringes, um anzudenten, daß die Seele des
Menschen sich mit Gott zu einer ewigen
Gemeinsamkeit vermähle.
In den romanischen Kirchen, wie in
denen des Uebergangsstiles und in den
gotischen Gotteshäusern in Deutschland ist
die Hetoimasia gewöhnlick in Form eines
Kranzes in den Schlußsteinen der Gewölbe
der Vorhalle (Maulbronn, Neichenbach—
Hirsau) und des Chores, bisweilen auch
des Langhauses angebracht. Die Blätter,
welche den Kranz bilden, sind sehr ver-
schieden. Es kommen Akanthns-, Reblaub-,
Ephen-, Eichenlaub-, Palmen- und Ahorn-
blätter vor. Da diese Kränze immer ans
den Gewölbeschlußsteinen sich finden, so
ist an ihrer Bedeutung als Sinnbild oder
als Stellvertreter der Hetoimasia gar nicht
zu zweifeln. Denn was im Gewölbe
eines Gotteshauses an Bildern dargestellt
ist, versteht der Besucher der Kirche oder
der Betende als dasjenige, was ihm im
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