Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 69
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nmpliücuvit et locuin istuin rnultis
bonis ornumentis jucunclurn rcclckiclit«.
Schon unter dem ersten Abt sei die Um-
gebung des Stifts ans einem wilden
Snmpf- und Waldland in fruchtbare Auen
umgestaltet worden. — In der Ne-
stätignngsbnlle Papst Urbans II. und einer
späteren Bulle Honorius II. sind keine ein-
zelnen Güter und Schenkungen aufgc-
führt, dagegen werden in der Bulle Eu-
gens III. als zum Kloster gehörig genannt:
die Orte (Zöglingen, Tisch in gen,
Vehringen, sodann ist anfgeführt der
Zehnten in Kirchberg und in Harthausen.
Von Bischof Otho in Konstanz wurde
auch die Kirche in Gögglingen dem Kloster
überlassen. In einer weiteren Bulle Cö-
lestins III. sind bereits folgende Orte als
zum Kloster gehörig namhaft gemacht:
Uocus ipise, in iguo lutrim iVIonnstsrium-
situm cst cunr omnibris nppeucliciis
suis, ?rue6iurn in Ulrockc (in der Diöcese
Speyer gelegen) cum ministerialidus et
colonis in euclem villa, et capelium il-
lius loci, Lruittenbrunnen et investiturn
pnincipnlis praebsnclne ecclesine ipsius
loci: Achstetten, Ersingen, Thonastetten,
et LtuiAe cum investituru et uliis per-
tinentns, Vischingen, Feringen, Praedia
Thonastetten, Göglingen, Altheimb, Hit-
tisheimb, Harthausen, Astetten (?) Lop-
heim, Buchau, NnmiShart, Gerlenhofen,
Hutenhausen, Ltucks cum eurum uppen-
<iici)-s, dazu die obengenannten Zehnten.
Wann aber und von wem die meisten
dieser Besitzungen dem Kloster geschenkt
oder von ihm erworben wurden, ist nicht
gesagt. Die Nachkommen der Gründe
und ersten Schutzherreu bewahrten dem
Stift ebenfalls ihre Gunst und bereicherten
es durch weitere Schenkungen.
Interessant sind die Charakteristiken, die
über die Machthaber der damaligen Zeit
wie über das Volk gegeben werden. Nach-
dem die Verdienste Urbans II. hervorge-
hoben sind, ist über Bischof Gebhard III.
gesagt, daß er sich durch Demut ausge-
zeichnet und viele Unbilden zu erdulden
gehabt habe; so habe er nach 10 Jahren
dem Eindringling Arnolf von der Partei
Heinrichs IV. weicben und 13 Jahre in
der Verbannung leben müssen, bis Hein-
rich V. die Macht gegen seinen Vater
erlangte, den Arnolf vertrieb und Geb-

hard seiner Kirche wieder zurückgab, die
er danu in Ruhe verwaltet und bedeutend
gefördert habe. So habe er die Kon-
stanzer Kathedrale vollendet und das zer-
störte Kloster Hirsau wiederhergestetlt und
im Auftrag Urbans II. konsekriert. Selbst-
verständlich ist das Urteil über Kaiser
Heinrich IV. äußerst ungünstig und der
Verfasser führt als dessen Thaten an
„concromntiones ecclesiurum, cleprne-
ckationes, Iromicickin, iuceucliu et Iris
similiu". Aber auch sein Sohn Hein-
rich V. wird als „scelersto pmrenti Irauck
multum ubsimilis" und „Uomnuue ec-
clesiue dostis" hingestellt. Dagegen wird
der damalige Zeitgeist in Deutschland und
besonders in Schwaben gerühmt, und ein
Zeugnis Bertholds angeführt, daß das
gemeinsame religiöse Leben damals sehr
in Blüte gestanden sei, und daß selbst die
Laien dasselbe nachgeahmt haben und sich
freiwillig unter die Obedicnz der Mönche
und Kleriker gestellt hätte», um ein gott-
seliges Leben zu führen Vorzüglich sei
dies in Schwaben der Fall gewesen, und
als Beispiel werden die Bürger UlmS
angeführt, die, obgleich frei und epemt
von jeglicher fremden Herrschaft, sich frei-
willig den Mönchen von Reichenau nnter-
thänig gemacht hatten „nullo jurc c;uo-
clummocko sibi retsuto". Auch ihr Ver-
halten gegen das Wiblinger Kloster wird
gerühmt. Der Annalist schließt diese
Charakteristik des Volkes mit den Worten:
„Vere uursum sueculum aureos pro-
tulit Irommcs, moclermim uutem lapi-
ckeum lapickcos prockucit non llomines
seck uckumuntes ack cluritinm corckis."
(Fortsetzung folgt.)
Vir Wosterhüfr in der istincWstudr
Kemlingen.
Von Theodor Schön.
(Fortsetzung.)
Als Abt Balthasar am 9. Okto-
ber 1634 durch Johann Michael Schatz,
sturis utrius^ue Ooctor wieder vom Hof
Besitz ergreifen ließ, fanden sich 222
Scheffel Dinkel, 226 Scheffel Haber,
6 Scheffel Gerste und 84 Fuder Weins
vor. In den ersten Monaten des Jahrs
1635 am 13. Januar wurden auf Grund
eines Befehls Königs Ferdinand III. vom
31. Oktober 1634 der Bürgermeister und
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