Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 128
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späterer Zeit zerstört. Unter der Statue
des hl. Johannes Baptista war ein leerer
Wappenschild, welcher für die armn Lbristi
oder urrnn salvatoris muirUi (Wappen
Jesu) bestimmt war. An diesen Schild
schloß sich unten die Statue der Kirche
an, welche jetzt nicht mehr dort zu scheu
ist. Dem genannten Portale des Ueber-
lingcr Münsters lege ich deshalb einen so
hohen Wert bei, weil man annehmeu darf,
daß dasselbe nach den Angaben des seligen
Heinrich v. Berg, genannt Suso, geboren
in Ueberlingen, gemacht worden ist.
(Fortsetzung folgt.)
Minnere Mitteilungen.
Schwäbische Kunstwerke in Notten-
üurg n. N. aus derZeit d e r E r z h e r zo g i n
Mechthild.
Eine wichtige, u. W. bis jetzt in der
Kunstgeschichte weniger beachtete Notiz über die
Thatigkeit des Miner Malers Hans Schuh-
te in (Schüchlin, Schuchlin, Schuochlin, Schich-
ten, Schielen, Schülein, Schielin u. s. w.; 1469
bis 1505) enthält das in der Pfarrregistratur
von Rottcnburg-Ehingen nufbewahrtc, in den Jahren
1671—1678 zusaminengestellte 1-iber tracki-
tionunr 8. Nauritii des Propstes Dr. Weit e-
nnuer, wonach Schühlin auch für die kunstlie-
bende Erzherzogin Mechthild an ihren Witwensitz
nach Rottenburg a. N. gearbeitet hat. „Jur
Jahre 1474" — so lautet der Eintrag — „wurde
dem Albrccht Rebmann, Maler von Nürnberg,
und M. Hans Schielin, Bürger zu Ulm, sei-
nem Schwager, die Altartafel im Chor der Markt-
kirche (welches die St. Martinskirche, jetzige Dom-
kirche daselbst sein wird) zu fassen verdingt um
425 fl. Den halben Teil zahlte Frau Mechthild,
den andern die H. Pfleger. — Den Bestandbrief
siegelte Junker Heinrich v. Ringingen und Hans
Muntz, Stndtschreiber. So das Stadt Rotten-
bnrger Wapnbuch". Dieser Altar ist leider nicht
mehr zu finden; höchst wahrscheinlich ist derselbe
bei dem gewaltigen Brande im Jahre 1644, wo
die gotische, im Jahre 1424 im Chor-augebnute
Kirche größtenteils abbrannte, zu Grunde ge-
gangen; die schon früher, so von Waagen in
seiner Geschichte der Malerei, I S. 184 ausge-
sprochene Vermutung, ob der Altar, bezw. dessen
Tafel nicht in dem in der fürstlich hohenzollern-
schen Gemäldesammlung zu Sigmaringen befind-
lichen, vorher in den Verhandlungen des Ver-
eins für Kunst und Altertum für Ulm—Ober-
schwaben von 1846, S. 24 dem Tagprett von
Ravensburg zugewiesenen Reste eines großen Al-
tarwerkes mit einer aus sieben Scenen bestehen-
den Marialegende vorliege (Nr. 158—164 des
Lehnerschen Katal., 2. Ausl., 1888), wurde von
Eiscnmann und Scheibler nach Vergleichung mit
dom Schüleinschcn Tiefenbronner Altar zurückge-
wiesen und wurde vielmehr für den Maler dieser
Bilder bis auf weiteres die vorgcschlagcne Be-
zeichnung des „Meisters von Sigmaringen" nc-

ceptiert. — lieber den in Verbindung mit Schü-
lein und als dessen Schwager vorgenannten Maler
Rebmann ist weder in der Nürnberger Kunst-
geschichte noch sonst bis jetzt etwas bekannt; bis-
her wußte man nichts von dieser Schwügerschaft
und kannte Schühlein bloß als Schwiegervater
von Berth. Zeitblom; man hat indes schon
an Rebmann bei einem der mit U. I. ( — Ksb-
mann iecit?) bezeichneten Bilder des Perings-
dorfer Altars gedacht. — Das zweite durch Erz-
herzogin Mechthild in die ihr so teure Stadt
Rottenburg a. N. gestiftete Kunstdenkmal, der
schöne, 1470 vor der Martinskirche errichtete, in
den Jahren 1847/48 mit einem Kostenaufwand
von 2500 fl. erneuerte gotische Röhrenbrunnen,
in welchem man die Hand Jörg Syrlins d. ä.
zu erblicken versucht ist, ist bekanntlich noch vor-
handen, eines der schönsten steinernen Kunstwerke
Schwabens. „In gotischem Stile erheben sich
drei Reihen von Figuren unter Baldachinen, durch
Säulen getrennt über einander: unten ein Kur-
fürst von der Pfalz mit Wappenschild und gelber
Fahne, ein anderer Fürst im reichen blau-goldenen
Mantel, ein dritter in einfacher Ritterrüstung;
nach Heideloff,die „Ornamentik des M. A." re.,
wo (in Heft 16) einige Details (so die Kreuz-
blume) abgebildet, sind Kaiser Friedrich III., der
Erzherzog Albrecht und Pfalzgraf (nicht Erzher-
zog) Ludwig, der Vater Mechthilds gemeint. Dann
folgen drei Heilige, Georg, Martin und eine
Muttergottes; oben der heilige Johannes, Christus
als Kces domo und Maria als rnater dolorosa."
— Vielleicht ist auch das bekannte Tiefenbronner
Altarwerk Schüleins mit auf Veranlassung Ai e ch-
thilds 1469 dorthin gestiftet worden? U. N e c K.

Aunouccu.

HerderscheVerlngshnndlung, Lreiburg i. B.
Soeben sind erschienen und durch alle Buch-
handlungen zu beziehen:
Diöcesan-Archiv, Freiburger. Organ des
kirchlich-historischen Vereins für Geschichte,
Altertumskunde und christliche Kunst der
Erzdiöcese Freiburg mit Berücksichtigung der
angrenzenden Diöccseu.
S ech sun d z w an z i g ste r B a n d. gr.8".
(XXIV u. 354 S.) M. 4,
8trÄS8dui'Z'6r l-IieoloZisLkö 8t.il-
ät6I1. 1Ieraus§exeben von Or. (j. fchp-
ftarci unck Or. p. DlüIIsr.
III. Land, I. Heit: Kaspar Lckat?-
§ez-er, ein Vorkämpfer der katbolisckcn
Kircbe Ae^en Initiier in Luddeutsektand,
Von Or. fs. Paulus, dlit Approbation des
bocbrv. Kapitslsvikariats Kreibur§. c^r.
(X n. 152 3.) N. 2.80.

Im Verlage von H. O. Sperling in Stutt-
gart ist erschienen:
Sperlings empfehlenswertes
Adreßbuch der deutschen Zeitschriften
und Zeitungen rc.
38. Jahrgang 1898.190 ch. 119 ch 153 S. Laden-
preis 4 Mk.

Stuttgart, Buchdruckern der Akt -Ges. „Deutsches Volksblatt".
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