Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

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zu einigen silbernen Statuen vermacht,
1000 fl. aber vvn Herrn Oberamtmann
Sontag, die übrigen Gelder vvn eingenom-
menen herrschaftlichen Herbst- und Martini-
gefällen gewesen seien. Der Einbruch ge-
schah durch den Ofen.
Ans dem Jahr 1747 wird bloß die
Enthauptung eines Weibes zu Buchau
gemeldet, so ihrem Manne Gift beigebracht.
1 7 4 8 den 30. Mai stellten zwei Kerls
zu Neichenbach nächst Schnfsenricd und
diesem gehörig in dem Wirtshaus ein ver-
dächtiges Pferd ein, welches sie auch feil-
geboten. Der GerichtSammann, der diese
Sache erfahren, ließ beide arretieren und
durch 2 Bauern bewachen, allein diese
Wache muß nicht so fürchterlich gewesen
sein, weil der Erzschelm davon sub prne-
textu irecessitmtis echappiert; der andere
wurde unter Bedeckung hieher in die Satt-
lerstuben gebracht und von unfern „Mi-
litari" bewacht; er verlangte gleichfalls
irecessitatis ^rntia hinaus und begleiteten
ihn dann fünf Soldaten mit aufgepflaiiztem
Bajonett und geladenem Gewehr hinaus.
Er ging über die Stiege hinunter und
sprang gleichfalls davon und obschon zwei
ans ihn Feuer gegeben, ist er doch unver-
letzt in die Kirche entwischt. Dieser Kerl
war ein Pfälzer, Konvertit, Deserteur,
Weber von Profession und 25 Jahre alt,
stark und wohlgebildet. Sein Weib hat
er zu ? Stunden von Markdorf;
sein Name war Jakob Bär. Sein Kamerad
soll grausame Thalen auSgeübt haben,
durch welche er vor einem halben Jahre
bekannt geworden. Sobald er in die
Freyung sich gefluchtet, ward das Kloster
sogleich mit 80 Manu umstellt, aber um-
sonst, weil ihn die damaligen Herrn glück-
lich in die Freiheit gestellt. Das Pferd
haben diese beiden Bursche zu Sommerau
bei Utwil in der Schweiz gestohlen, wie
dann alsbald zwei Männer von dort her-
gekommen, denen selbes nach Erlegung
von 2 fl. Futtergeld ausgefolgt worden.
1749: Zn Stafflangen, einem
nach Sch. gehörigen Pfarrdorfe, über-
nachtete im August im Hanse des dor-
tigen Gcrichtsammanns Sigmund Staig-
inüllcr eine Weibsperson, welche ver-
mutlich um Wasser zu schöpfen, zum
Brunnen hinansgelaufcn ist; weil sic aber
Weg und Steg nicht kannte, ist sic hin-

unter gefallen und den andern Tag tot
gefunden worden. Sie hatte zwei Rosen-
kränze, ein Skapulier und etliche Gulden
Geld bei sich, weil sie, wie sie Tags vorher
gesagt, nach Einsiedeln wallfahrten gewollt.
Weil also kein Zeichen eines Selbstmordes
bei ihr bemerkt wurde, ist sie wie andere
Pfarrkinder begraben worden; ihr Aufzug
war halb württembergisch.
Zu Bi der ach lag schon über ein
ganzes Jahr ein verrufener Bösewicht, der
„Paßletan" genannt (wohl von passe 1e
temps?), in der Haft. Er war-in der
Schlosserarbeit ein trefflicher Meister und
soll vor einigen Jahren mit seinen Ge-
spannen im Spital zu Biberach viele
1000 fl. entwendet haben. Dieser, ob-
schon er mit seinen coirrplicibus öfters
konfrontiert und auf eine fast unerhörte
Art mit den sog. „spanischen Nadeln",
welche ganz .... unter seine Fingernägel
unterschoben worden waren, tvrquiert ward,
gestand nicht das mindeste ein, sondern
lachte die „Biber" noch recht aus. Er lag
noch über ganze drei Jahre zu Biberach
puncto kuri, namentlich wegen eines im
das. Spital vor Jahren von ihm und seinen
complicibus begangenen namhaften Dieb-
stahls von vielen 1000 st. um Leib und
Leben in; une>achtet er mit seinen com-
plicibus (worunter ein Maler, ein Bauer
aus Jngerkingen, sowie ein Weibsbild)
konfrontiert, auch secrurckum n11e§3tn und
probater nperte überführt worden ist, hat
er nichtsdestoweniger nicht das mindeste
Allbekannt, auch alle Tortur per omires
juris Arncius und n. a. die nnersonnene
Qual der „spanischen Nadeln", welche
ihm unter alle zehn Fingernägel tief
hineingesteckt und alsdann glühend ge-
macht wurden, ritterlich anSgestanden,
ohne daß er nur em Wort bestanden. Er
erklärte jederzeit vor Gericht, er sei ein
ehrlicher Mann, die Zengschaft seiner
Mitschuldigen sei falsch und null, weil sie
ja selbst gestehen, daß sie Schelmen seien
und gestohlen haben, diese soll man nur
hinricbten, er selbst sei unschuldig rc. Er-
spielte den Herren Biberachern einen kuri-
osen Streich über den andern, hat sic
gleichsam nur geföppelt und auf Deutsch
für Narren gehabt, und weil er dann
zwar eonvictus, doch nit coirlessus war,
so ließen die Bibcracher auf drei oder
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