Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 165
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Klosters Zwiefalten; doch wurde er bald
von der Leibeigenschaft befreit, damit er
das Bürgerrecht in Unlingen erlangen
könnte. Er mußte dafür dem genannten
Kloster für die Ans- und Abfahrt 6 Gul-
den und jährlich 12 Malter Korn geben,
wogegen ihm das Kloster versprach, die
drei ehemals dem Kloster Zwiefalten ge-
hörigen Orte Daugendorf, Zell und
Bechin gen in seine Mühle zu baunein
Als Jakob Götz starb, hinterließ er einen
Sohn Kaspar, der sich noch ganz jung
verheiraten mußte. Er hat aber nicht
mehr lange gehausct; denn cs kam der
schwedische Krieg mit seinen Schrecknissen
und dazu im Jahr 1635 „der große
Hunger"; ein Viertel Kor» kostete damals
6 Gulden, Roggen 5 Gulden, Gerste
4 Gulden. Im genannten Jahre nun
kam der junge Kernmüller, dessen Frau
und einziges Kind bereits Opfer der
Hungersnot und Pest geworden waren,
zur Mutter (Vorsteherin) des Unlinger
Frauenklosters,) Katharina Frey in,
und bat sie inniglich, sie möchte ihm nur
auch wöchentlich drei Suppen oder einen
Laib Brot geben, er wolle ihr dafür seine
Mühle und alle seine Grnndgüter für
grundeigen verschreiben lassen. Allein die
Mutter des Klosters konnte ihm zu ihrem
größten Schmerz nicht helfen und gab ihm
folgende Antwort: „Ach herzlieber Caspar
Götz, wir Essen selber das Cleyenbrvtt,
Und wan ich schon die Mitel hett, darfst
ich mich Umb Eiwer Mihle nit an nemen,
wir kemendt in die greßte Uugnad bei dem
grasten Wilmhainrich, thrugseßZ)
Er der Zeit zue Constanz in der Flucht,
der Haus stnckhlin) ist gar wvll beuelche
bey Im vnd handlet gar vyl nacher Co-
stanz, bitendt den stuckhlin Er soll sich
Im Namen Eiwer anthragen dein grast
u Seit 1414 befand sich in Unlingen eine
Schwesternklnuse; die Mitglieder derselben lebten
bald nach der dritten Regel des hl. Franziskus
und erhielten laut Briefs vom 1. Juni 1461
von Walther von Erbach, Ritter des goldenen
Vließes, ein Haus zu Unlingen neben der Pfarr-
kirche, in das er dis Schwestern schon früher
ausgenommen Hatto.
U Unlingen gehörte zur Herrschaft Bussen und
damit zur Grafschaft Friedborg-Scheer, welche
die Truchsessen von Waldburg als Pfand von
Oesterreich inno hatten.
ch Dies war der damalige Ammann in Un-
lingen.

weilen er schon lang ein aug auff Eiwer
Millen geworfen hat." Der Kernmüller
befolgte diesen Rat und Hans Stückle
wandte sich an den Truchsessen nach Kon-
stanz. Allein dieser war „auch selber
also Er armet, das man Im Kreitzerbrott
auff borg geben wollen", und er gab da-
her dem Ammann die Antwort, der Müller
solle seine Mühle verkaufen, wo er wolle,
nur nicht an den Prälaten von Zwie-
falten. Die Hungersnot wurde immer
drückender, und niemand wollte dem armen
Müller seine Mühle abkaufen. Schließ-
lich verkaufte er sie an die Bäcker von
Riedlin gen, erhielt aber nichts dafür
als Kleie und Kleienbrot. Die Käufer
aber habe» die wohlcrbaute Mühle ab-
gebrochen und Holz und Ziegel nach Nied-
lingen geführt, so geschehen anno 1635
und 1636. Nun stand in Unlingen
40 Jahre lang keine Kernmühle mehr.
Als der schreckliche Krieg ein Ende
genommen hatte, mußten sich die armen
Erbiuhaber des Kernmühleplatzes sowie
alle Hubträger in Unlingen wegen der
„aufgeschwolncn" Huben ) mit dem Truch-
sessen vergleichen, und auch die ersteren
mußten die Hubgefälle entrichten.
Truchseß Wilhelm Heinrich, ein
Wohlthäter des Unlinger Frauenklosters,
starb im Jahr 1652; u. a. hatte er dem
Kloster einen Meierhof zu Braunenweiler
(OA. Saulgau) zu einem Jahrtag gestiftet;
schon 1646 hatte er die Verwaltung der
untern Grafschaft Friedberg nebst Woh-
nung zu Dürmentingen seinem jüngeren
Sohn Otto überlasten. Später erhielten
die Grafen Christoph und Hans E r n st
von Trauchburg die Vogteien Bussen und
Dürmentingen und die Grafschaft Fried-
berg-Scheer; 1673 errichteten die Truch-
sessen in Dürmentingen ein Oberamt.
Im Jahre 1648 wurde Anna Zo-
ll anna H e r in a n n tz i n Z zur Vorsteherin

) Gemeint sind die sogenannten Reichen-
nnischen Huben in Unlingen; die Hubgefälle
mußten an den Truchsessen entrichtet werden.
) Sie war die Tochter des Jakob Hermanutz
von Unlingen, des Inhabers des Snlmansweiler
Hofes. Ihr hat nicht nur das Kloster selbst,
sondern auch ganz stnlingen sehr viel zu ver-
danken. Nachdem sie dem infolge des dreißig-
jährigen Krieges vollständig verarmten Kloster
wieder nufgeholfen hatte, schärfte sie unter nicht
geringen Schwierigkeiten die in ihrem Kloster
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