Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 23
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mit beantwortet, daß Offenburg nur ein
Schreibfehler für „Rotenburg er" sei,
der als Nr. 23 mit „Herr Rudolf von
Rotenburg" im Manesse-Codep aufge-
führt wird. Die Wappen der beiden
Dichter haben in frühester Zeit fast gar
keine Aehnlichkeit mit einander, so daß
man zu einem „Schreibfehler" seine Zu-
flucht nicht nehmen kann. Denn es ist
nicht wahrscheinlich, daß durch das Wappen
eine Verwechslung der Personen entstan-
den sei. Dem „Herrn Rudolf von Roten-
burg" wird im Manesse-Codep eine rote
Burg mit zwei Türmen ohne Thor in
Gold als Wappen beigegeben, welches
auch die Schweizer Adelsfamilie „Roten-
burg" geführt hat. Dagegen zeigt der
Schild der Baseler Patrizier von Offen-
bnrg (in Basel Angst begütert) im 14.
Jahrhundert ein offenes weißes Thor
mit weißen Thürflügeln (ohne Türme)
in rot als sprechende Heroldssizur. So
sieht man ihren Schild in der St. Klara-
kirche in Klein-Basel (im 14. Jahrhundert).
Hieraus erklärt sich der Spottnamen:
„Ofenthürli", welchen die Baseler Bürger
den Patriziern, „Herren von Offenbnrg",
im Mittelalter gegeben haben. Auf einer
Wappenscheibe in Basel von 1554 ist aber
die Heroldsfignr der Herren von Osfen-
burg schon sehr verändert und gleicht et-
was dem Wappen der Rotenburg. Auf
gelbem Dreiberg steht ein weißer Portal-
giebel mit geschlossenem Thore und mit
zwei flankierenden weißen Zinnentürmen.
Da das älteste Wappen der Baseler
von Offenbnrg keine zwei Türme zeigt,
so muß man annehmen, daß im Manesse-
Codex kein Schreibfehler sei, sondern das
dortige Wappen wirklich zu dem Rudolf
von Rotenburg gehört. Es hat Pso ent-
weder gar keinen Dichter Rudolf von
Offenbnrg gegeben, oder derselbe kommt
im Manesse unter anderem Namen mit
Phantasiewappen vor. Auch das Wappen
der Baseler von Offenbnrg findet sich nicht
im Manesse-Codex. Weshalb sollen aber
in dieser Handschrift Namen und Wappen
des Baseler R. von Offenburg fehlen? —
Ist der Dichterling unter anderem Namen
aufgeführt? Jedenfalls darf man an-
nehmen, daß dem Blschof Heinrich von
Basel, der am 17. März 1288 als Erz-
bischof von Mainz starb, der Sänger

Rudolf von Offenbnrg hätte bekannt fein
müssen, wenn der letztere wirklich in Basel
seßhaft war. Der Bischof Heinrich von
Basel hat den Konstanzer Bischof bei den
Arbeiten für den Manesse-Codex mehrfach
unterstützt. Das ist keine Frage. Man
wird also zu der Annahme genötigt, der
Dichter Rudolf von Offenburg sei der
Augsburger Familie dieses Namens zuzu-
sprechen. Zu einem sicheren Resultat ist
man bezüglich dieser Frage noch nicht ge-
langt.
Auch in Villingen war eine Patrizier-
familie „von Offenburg" ansässig. Im
Jahre 1244 kommt dort ein Tleinricus
6s Otleiaburc vor. Siehe Zeitfchr. für
die Gesch. des Oberrh. 3, S. 468. —
Abgesehen von dem Patrizieradel von Offen-
burg in Basel, Augsburg und in Villingen
könnte jener Poet auch ein bürgerlicher
Geistlicher aus der Stadt Offenburg ge-
wesen sein, den man irrtümlich wegen des
Wortes: „Herr" für einen Adeligen hielt.
In diesem Falle hätte man erwarten sollen,
daß er als „Meister" N. von Offenbnrg
angeführt werde.
(Schluß folgt.)

Die üeichskllltei DeniiMteli O. 3. IT
im französischen U euer fall :c.
Nach dem Tagebuch des IT Joachim Kramer
zu Weingarten.
(Fortsetzung.)
Am 27. Sept. kommt die Ordre, daß
die gestern im Kloster und im Flecken
eingezozene Mannschaft auf das Land solle
verlegt werden, was auch sogleich geschieht.
Abends spät bekommt das Depot im
Kloster und Flecken die Ordre, sie sollten
morgen nach Waldsee, Laupheim re., was
auch heute am 28. Sept. geschieht. Wir
haben also wirklich im Hause den Oberst-
leutnant Lacoste mit seiner Frau und einem
kleinen Kind, dann 3 oder 4 Offiziere
mit ihren Bedienten und einigen Pferden.
Wie es auf dem Land werde eingeteilt
werden, kann ich noch nicht sagen, indem
die Regimenter noch auf dem Marsch sind.
Im Dorf Schlier sind bei 30 Mann.
Aber Hagnau scheint abermals stark mit-
genommen werden zu sollen; schon hat
sich der Oberst vom 7. Husarenregiment,
der dort so übel hauste und dessen Mann-
schaft sich zu Weingarten so schlecht aus-
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