Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

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Weichselberger vom Münchener Thea-
ter. Das Journal des Ulmer Stadt-
jheaters, Saison 1848/49, S. 4, sagt:
1822. Madame Katharine Hain. Während
der Sommermonate immer volles Haus.
Die ersten Rossinischen Opern. Vom
3. November 1822 bis zum 5. Mai 1823
spielte in Ulm Schauspielnnternehmer und
Direktor Wilhelm Kniep mit seiner Ge-
sellschaft: 16 Herren, 8 Damen, 1 Kind.
Schon am 1. November hatte er angezeigt,
daß er die Erlaubnis zu theatralischen
Vorstellungen für den Winter erhalten
habe. Er gab im Schauspiel Werke von
A. Mnllner (Die Schuld), Calderon
(Das öffentliche Geheimnis), Die Räuber
von Fr. Schiller, Toni und der Vetter
ans Bremen von Th. Körner, Der Prinz
von Hessen-Homburg von Heinrich von
Kleist, Die Ahnsrau von Grillp arzer.
In der Oper gab er Werke von Cheru-
bini (Gras Armand oder Der Wasser-
träger), Mozart (Zauberflöte, Die
Entführung ans dem Serail). Am 19.
Februar 1823 zeigte er an, daß er „die
Oper des Freischütz geben werde. In
Memmingen habe er die obrigkeitliche Er-
laubnis erhalten". Er gab den Freischütz
von Karl Maria v. Weber am 4., 6.,
9., 13., 14., 20., 21., 27., 28., 30. April. H
So oft und rasch nach einander war noch
nie in Ulm eine Oper wiederholt worden.
Sie muß einen durchschlagenden Erfolg
erzielt haben. Das Journal des Ulmer
Stadttheaters, Saison 1849/49, S. 4,
sagt: Der Freischütz kommt zehnmal hinter-
einander auf die Bretter. Kniep gab
auch Ballette. (Fortsetzung folgt.)
Wappen und Airchenpatroue.
Von Pfarrer Reiter.
Wenn man die Wappen der württem-
bergischen Städte ans ihren Ursprung prüft,
so kann man dieselben in vier Klassen ein-
teilen : 1.Wappen mit Reichsadler. 2.Wappen
der früheren oder jetzigen Herrschaft.
3. Redende Wappen. 4. Wappen ver-
schiedenen, teilweise nicht mehr erklärbaren
Ursprungs. Unter der letzten Nummer wer-
den in den „Württ. Jahrbüchern" von
1854 — mit einer einzigen Ausnahme —
U „Schwab. Chronik" 1833, S. 175, 185,
197, 199, 209.

auch jene Wappen anfgesührt, auf welchen
die betreffenden Kirchenpatrone erscheinen.
So hat nun Forchtenberg das Brustbild
des Erzengels Michael, der den auf einer
Konsole liegenden Satan mit einem Schwerte
durchbohrt, Oehringen den hl. Petrus
zwischen zwei Ohren, Niedernhall den
hl.Laurentins mitNost,Künzelsau das Haupt
des hl. Johannes des Täufers. Johannes
den Täufer zeigt auch das frühere Wappen
von Schwaigern, welches 1512 verloren
ging. Auf Petrus weist hin der Schlüssel
Weilheims an der Teck und das über's
Kreuz gestellte Schlüsselpaar in dem reichen
Wappen von Weilderstadt. Die über's
Kreuz gelegten Schlüssel der Freiherrn
v. Gültingen (neben drei Adlern) beziehen
sich auf das Erbkämmereramt, das sie 1553
erhalten hatten. Jsny, welches jetzt in
seinem Wappen einen Reichsadler führt,
hatte in frühester Zeit den hl. Georg
(von dem schon 1090 dort errichteten
Georgenkloster) mit dem Drachen unter
dem Pferde und einem Hufeisen hinter ihm
(Redendes Wappen von dem früheren
Namen der Stadt: Imnun). Seit 1500
kam dann noch die Patronin des Spitals
dazu, die hl. Katharina mit Krone und
Rad. — Das Wappen der Oberamtsstadt
Geislingen schmückt eine rote Rose.
„Was zur Wahl der Rose Veranlassung
gegeben, läßt sich nicht ermitteln", heißt
es in den „Jahrbüchern" von 1854. Es
dürfte aber doch wahrscheinlich sein, daß
die Rose auf Maria, die Kirchenpatronin
von Geislingen, bezogen werden muß, um
so mehr, als sie schon 1382 in das Wappen
ausgenommen gewesen sein soll.
Im Anschluß an vorstehendes noch ein
Wort über die Wappen mit Krnmmstäben.
Man fand oder findet den Krnmmstab bei
Hirsau (Hirsch mit AbtSstab zwischen den
Vorderfüßen), Knittlingen (Maulbronn),
Jngelfingen (kombnrgischcr Bischofsstab
des hl. Nikolaus), Dornhan (Abtsstab
von Alpirsbach, sttzt anderes Wappen),
Mnrrhardt (jetzt zwei Wölfe, welche einen
Tannenbaum halten), gelber Abtsstab mit
weißer „Fahne". Diese „Fahne" ist das
sog. suäarium, von welchem bei Nolanus
c. 41 bemerkt wird: „7V66e c^uock daculo
Opi3cop»a1i non sil ackclencium Zuclarinm
3ive orarium, 8ec1 /rdbatiali". (Zu
vergleichen auch die Stäbe von L). Bruno
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