Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 172
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noch Lindau stellen soll, um Munition I
nach Augsburg zu fuhren. -- Das Fuhr-
wesen richtet den Bauersmann entsetzlich zu
Grunde. Seit mehreren Tagen sind wenig-
stens 60 Fuhren unserer Herrschaft ans
den Wegen nach Lindau, Ulm, Kempten
u. s. w. Weiß Gott, wo die übrigen 20
hinkommen!
(Fortsetzung folgt.)
DniliwurdüieF auF der beschichte
dest Mosteich Wiblingen.
(Von Pfarrer Saupp in Wiblingen.)
(Schluß.)
Von Interesse dürfte sein, daß am
17. Dezember 1786 die herzogliche Durch-
laucht Karl von Württemberg mit
Gemahlin und großem Gefolge das Kloster
besuchte. Man hielt dabei große Tafel,
und die Unterhaltung bezog sich ans litte-
rarische Gegenstände und ans Bibliothek-
Nachrichten von auswärtigen Klöstern. Hie-
rauf las U. Prior Storr einen Aufsatz
vor über den Einfluß des Stifts Wib-
lingen auf die erste Bnchdrnckereiepoche
in Augsburg (durch Melchior von Stein-
Heim). Der ganze herrschaftliche Zug
begab sich dann in die Bibliothek und von
da in das Antiquarium, wo nebst einem
Natnralienkabinett „die vorfindlichen alten
Manuskripte und auch die raresten In-
kunabeln der Buchdrnckerei in ziemlich
großen Quantitäten sind aufbehalten ge-
wesen". Die herzogliche Durchlaucht
habe mit großem Vergnügen die Bücher-
schätze und Inkunabeln besichtigt und be-
lobt. Die Frau Herzogin habe sich be-
sonders für das Natnralienkabinett und
nachher für das Bienenhaus- interessiert.
Zuletzt begab man sich in die Kirche und,
da die Nacht hereinbrach, habe man sie
beim Schein sthr vieler angezündeter Lichter
gezeigt und betrachtet. „Mit vielem Ver-
gnügen und gnädigen Ausdrücken nahmen
die hohen Gäste Abschied und bestiegen
beim Portal der stirche ihre Neisewagen
und fuhren nach Ulm ins Quartier." Die
Dienerschaft des Klosters hätten sie mit
elf Karolins behandelt. — Der Chronist
weist nach dieser Erzählung ans die ver-
borgenen Ratschlüsse Gottes hin, daß näm-
lich 20 Jahre später von einem Herzog
Württembergs, der durch Napoleons Gnade
König geworden, das Stift annektiert wurde,

indem am 10. Sept. 1806 der General
Camus im Namen seines Kaisers das
Kloster an Württemberg übergab, das dann
im folgenden Jahr dem Bruder des Königs,
Prinz Heinrich, als Schloß überlassen
wurde. Derselbe habe indessen die aller-
höchste Gnade gehabt, den zur auswärtigen
Seelsorge eingestellten Subprior Peter
Miller bis zu seinem Sterbtag i. I. 1814
in einer untern Stube parterre wohnen
zu lassen, „gleichsam wie Alexius zunächst
der Stiege im väterlichen Hause". So
fügt der Chronist mit schneidendem Sar-
kasmus bei.
Beim Tod Josephs II. wurden große
Leichenfeierlichkeiten angeordnet, und sechs
Wocken das Trauergelänte von 12—1 Uhr
fortgesetzt.
Am 3. Mai 1789, am Fest Krenzer-
findnng, soll die gewaltige Kirche bei der
Predigt des ?. Storr ganz mit Menschen
angefüllt gewesen sein. In demselben Jahr
brach eine Seuche unter dem Vieh aus,
weshalb Andachten und Bittgänge statt-
fanden.
Im Jahre 1790 wurde der Turm der
Gottesackerlirche erbaut, in der Kloster-
kirche der Wendelinnsaltar ausgestellt, das
Bild von Bruder Martin Dreher ge-
malt. Dieser Laienbruder starb am 21.
Okt. 1795 ,,Iromo piu8, pruUens, Irumilm,
Inboriosris". Am 28. Okt. 1795 legte
Matlhias Braig von Altbierlingen Profeß
ab und erhielt den Namen Michael. (Der
Vers, der Gesch. von Wiblingen.)
Im Jahre 1798 resignierte Abt Roman
Fehr infolge seiner Körperschwäche. Am
26. Jan. kam die kaiserliche Erlaubnis hie-
zu von Wien an, und am 17. April fand
die Wahl des neuen Abtes statt. Die
lateinische Ansprache an den Konvent bei
dem Wahlakt ist ausgezeichnet. Gewählt
wurde Ulrich Keck, geboren in Jettingen
bei Dillingen i. I. 1754. 23 wählende
Konventnalen sind anfgezählt. Am 3. Mai
hielt der neue Abt znm erstenmale feier-
lichen Gottesdienst in kontikicnlibuZ, wo-
bei viele Gemeinden vertreten waren.
Der res. Abt Roman Fehr lebte noch
bis znm 21. Nov. 1798. In einem präch-
tigen lateinischen Poem, von Abt Ulrich
Keck und Prior Storr verfaßt, wurden
seine Verdienste verherrlicht, und auch Pie
Leichenrede ans ihn, von Abt Thaddäus
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