Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 173
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von Noggenbnrg, 22 Druckseiten irr Folio
umfassend, ist noch vorhanden.
Vor seiner Aufhebung hatte das Kloster
infolge des Krieges und der französischen
Invasion noch vieles zu leiden. Schon
i. I. 1792 fanden große Aushebungen
und Soldatensammlungen gegen die Franzo-
sen statt, und wurden öffentliche Fürbitten
angeordnet. Im I. 1795/96 kamen öfters
Oifiziere der Wnrmserschen Truppen als
Gäste, i. I. 1797 erhielt man starke Ein-
quartierung und wurde ein Kaiserlich-König-
liches Mitüärspital im Kloster errichtet.
Besonders drückend wurde die Einquar-
tierung i. I. 1799, in welchem auch viele
Verwnncete kamen. — Auch einige Emi-
granten wurden schon i 1.1793 im Kloster
ausgenommen; einer derselben, Priester
Deodatus oder Dieudonne, starb und ist
hier begraben. — Es wird noch nach-
getragen, daß am 1. Januar 1782 im
Kloster Wiblingen 36 Konventnalen, da-
runter 26 Priester, und 28 Studenten ge-
wesen seien.
Von den französischen Kriegen, infolge
deren das Kloster sehr vieles leiden und
schließlich sterben mußte, sei nock, Folgen-
des berichtet. Im November 1793 wurde
in das Wiblinger Armenhaus ein Lazaret
gefangener Franzosen gelegt, die aber znm
großen Nachteil derer, die mit ihnen zu
thun hatten, am Faulfieber litten, das in
wenigen Monaten über 60 Personen von
Wiblingen wegraffle; darunter waren der
damalige Pfarrer von hier, ?. Felician
Diel und ?. Jldephons Schlichting, sein
Gehilfe, sowie ?. Modest Willi, Psarrver--
weser in Unterkirchberg. Den ersten Besuch
in Ulm und Umgegend machten die Franzo-
sen i. I. 1796, brandschatzten die Stadt
um 100 000 fl. und das Kloster um etwa
12 000 sl. und steckten u. a. auch die
Illerbrücke in Brand. Ein großer Schaden
war auch, daß durch die Franzosen, wie
sie vor drei Jahren die Menschen angesteckt
hatten, so jetzt eine Viehseuche verbreitet
wurde.
Am 9. Mai 1797 wurde, wie schon
erwähnt, in Wiblingen ein Kaiserl. Feld-
spital eingerichtet, wozu etwa die Hälfte
der Oekonomiegebäude benützt wurde. Der
Versuch, auch die Gastzimmer hiezu zu
verwenden, wurde abgewieseu. Anfangs
waren es 145 Insassen, die später auf die

doppelte Zahl anwuchsen. Es gab während
der Zeit 111 Tote, von denen 22 auf
dem Gottesacker, 7 bei der Eiusudelkapelle
und 82 am Fußweg nach Gögglingen, in
der Nähe des Waldes, begraben wurden.
Namen und Heimat der Verstorbenen sind
aufgeführt. Weitaus die meisten derselben
stammen ans Stavonien und Ungarn. Als
Feldspitalkaplan fungierte anfangs ein U.
Adjnlus Knelsera, später ein ?. Cäsariuö
Slanczcck. Das Spital war 170 Tage
hier bis znm 12. Nov. In der Küche
hatte das Spitalpersonal eine Rechnung
von 1060 fl. 40 Kr. gemacht, ohne daß
jedoch das Kloster etwas davon erhielt.
Die Akten über dieses K. K. Militär-
spital mit Beilagen füllen einen ganzen
Band ans. Es läßt sich denken, daß es
an Widerwärtigkeiten und Belästigungen
für das Kloster in dieser Zeit nicht fehlte.
Der letzte Abt Ulrich IV. suchte trotz
der unruhigen Zeit und trotz der großen
Opfer, die der Krieg forderte, das Kloster
im Geiste seines Vorgängers weiter zu
führen. An der neuen Kirche ließ er znm
Schutz' gegen die Witterungsnnbilden statt
des ursprünglich geplanten majestätischen
Giebels an der Westfassade das obere
Urontmpicium bauen und hatte den Vor-
satz, im Jahre 1800 die beiden Türme
vollenden zu lassen. Aber die Einfälle der
frqnzösischen Truppen, die fast ein volles
Jahr hier hausten, und die wiederholten
Brandschatzungen brachten das Kloster so
herunter, daß mau die Baugerüste ent-
fernen mußte. Wegen der Not ließen sich
die Konventnalen mehrere Jahre hindurch
einen namhaften Abbruch au Speisen und
Trank gefallen (oergl. Braig 357 ff.)
Mehrere Patres, wie-Storr, wurden per-
sönlich mißhandelt, der Amtsdiener Kopp
wurde wegen angeblicher Verräterei ge-
fangen fortgeführt und sollte erschossen
werden, wurde aber in Straßbnrg über-
ein Jahr eingekerkert.
Auch auf den Jngendunterricht verwen-
dete Abt Ulrich gleich seinem Vorgänger
viel Eifer und Interesse und übernahm
auf den Wunsch des Kaisers das Kolle-
gium zu Ehingen, welches vorher von
Zwiefalten aus versehen worden war. Auch
wurden die sogen, litterarischen Konferenzen
eiugeführt, wobei alle Geistlichen zu er-
scheinen hatten. Durch kluge Oekononüe
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