Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 177
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Kunst und Aultur der Diurese Gottenburrl und der Angrenzenden Gebiete.
Hercuisgegebeii und redigiert von Amtsrichter a. D. Berti in Ltaven^Iiurg.
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stets direkt an Amtsrichter a. D. Be ck in Ravensburg, Bestellnngen nnd Neklamativnen an
die Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbanstrasze 94, gerichtet werden.

Nr. -12.
-160-1.

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dung des Betrages direkt von der Expedition um M, 2,10 (außerhalb des
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-16.


-H-. Die Ältesten Kirchenbücher der
liAcholischeu HtAdtpfarrei Viberuch.
Eine Abhandlung in der „Tübinger
Theologischen Quartalschrift", zweiles
Quartalheft 1899: „Die Entstehung und
Entwicklung der Kirchenbücher im katho-
lischen Deutschland bis zur Mitte des
18. Jahrhunderts" von ProfessorOr.S äg-
m üller, gab dein Schreiber ,dieser Zeilen
die Anregung, die ältesten Kirchenbücher
der katholis chen Stadtpfarrei Biberach
einer eingehenden Durchsicht zu unterziehen,
und legt er nun das Ergebnis seiner Arbeit
in dieser Zeitschrift nieder.
Die ältesten hier vorhandenen Kirchen-
bücher : das Tauf -, Toten - und Ehe -
buch in einem Folioband, datieren vom
Jahre 1623 nnd gehen bis zum Jahre
1657, Firmuugs- und Familienregister und
Kommnnikantenverzeichnis aus dieser Zeit
fehlen.
DaßDnn aber vorgenannte Bücher seit
dem Eoncilirim TTiäentirmm, das
3e88. 24 6e retorm. mntrim. c. 1
nnd 2 das Taus- und Eheregister anord-
nete, die ersten Kirchenbücher hier über-
haupt gewesen seien, kann mit Grund be-
zweifelt werden.
Die betreffende Trienter Sitzung fand
1^563 statt, und 1567 schrieb eine Konstanzer
Synode den Pfarrern die Einführung von
Tauf- und Ehebüchern vor?) Nun läßt
sich aber nicht wohl annehmen, daß die
Biberacher Pfarrherren, die dem Sitze
ihres Bischofs verhältnismäßig so nahe
waren und von Zeit zu Zeit Visitationen
zu bestehen hatten, der Synodalverordnung

von 1567 erst nach Verlauf von 56 Jahren
nachgekommen sein sollten. Wenn es nach
Sägmüller Ende des 16. Jahrhunderts
fast in ganz Süddentschland Tauf-, Toten-
und Eheregister gab, ^) so wird auch die
Biberacher Geistlichkeit mit solchen nicht
zurückgeblieben sein, nnd in der Thal ver-
raten die Einträge in die hiesigen Kirchen-
bücher gleich ans der ersten Seite einen
Mann, der in dieser Art von Arbeit Er-
fahrung hatte, ein Umstand, der ans Kirchen-
bücher vor 1623 schließen läßt. Sonach
werden wir wohl nicht irregehen, wenn
wir die Ausführung der oberhirtlichen An-
ordnung in die 70er Jahre des 16. Jahr-
hunderts verlegen.
Wollte man noch die Frage erheben, ob
nicht vielleicht schon vor der Kirchenvei-
sammlung in Trient, näherhin in der vor-
reformatorischen Zeit, Kirchenbücher hier
bestanden haben, so läßt sich eine sichere
Antwort hierauf nicht geben. Kann der
Beweis für die Epistenz isolcher Bücher
wohl nicht erbracht werden, so möchte ana)
das Gegenteil nicht zu erweisen sein.
Wollte man aus dem Fehlen einer dies-
bezüglichen oberhirtlichen Vorschrift oder
aus dem möglichen Mangel an Interesse
und Verständnis für den Wert derartiger
Bücher auf seiten der Geistlichkeit auf die
Nichtepistenz folgern, so könnte mau um-
gekehrt mit gleichem Rechte aus der Un-
gunst der Zeiten ans den Untergang vor-
handen gewesener Kirchenbücher schließen.
In Biberach hat die Reformation mit
kirchlichen Sachen radikal aufgeräumt,
vieles siel dem Raub und der Zerstörungö-

9 Sägmüller a. ci. O. S. 233.

9 Sägmüller a. a. O. S. 235.
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