Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

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leur, geb. am 1. September 1685 zu
Biberack, dem künstlerreichen Städtcheu in
Oberschwaben, ch ebendaselbst am 20. No-
vember 1757. Ursprünglich seines Zeichens
ein Kammmacher, gab ihm dieses Gewerbe
Veranlassung, sich der Gravierkunst znzn-
wendeu und Edelsteine zu schleifen, worin
er immer mehr.Fortschritte machte. Ge-
fertigte viele sehr gelungene Graveur-
arbeiten und schnitt u. a. auch die Präge-
stempel zu vier seltenen Biberacher Ncsor-
mationsmedailleu auf das Jahr 1717 von
guter Zeichnung und sehr reinem Gepräge.
Sein Hauptwerk ist aber eine Folge von
erhaben in Karneol geschnittenen Bildnissen
römischer Kaiser von Julins Cäsar bis
znm Untergang des occidentalischen Kaiser-
tums unter Nomulus Augnstulns, ebenso
der Regenten des Orients nnd der byzan-
tinischen Imperatoren von Arcadiuö bis
ans Karl d. Gr. nnd von da an weiter-
aller neurömischer Könige und Kaiser bis
auf Franz I. Diese-Porträts sind so aus-
gezeichnet geschnitten, daß man sie eine
Zeit lang für gegossen hielt nnd deshalb
den Karneol anfeilte. Jede dieser 200
Kameen ist auf einem reinen hohen
und 1,»" breiten Karneol erhöht äußerst
sein geschnitten nnd viele der mit gnt er-
haltenen römischen Gold- und Silber-
münzen verglichenen Köpfe enthalten das
wohlgetroffene Bild des betn ffenden Kaisers;
rückwärts auf der Einfassung dieser Karneole
ist der Name des Kaisers und darunter
„Schaupp lecil" oder „L. l." graviert.
Die kostbare Sammlung kam von ihrem
Besteller, einem reichen vormaligen Kassier
des schwäbischen Kreises, Namens Hart-
mann, durch Erbschaft in mehrere Hände,
n. a. in die der Familie v. Neubronn, von
1831 an in das Eigentum der israeliti-
schen Handelsleute Samuel nnd Aaron
Schwab in Jchenhausen nnd befindet sich
dermalen im Besitz des Königl. württem-
bergischen Hofmarschalls v. Baldiuger in
Stuttgart. — Hätte S. sich entschließen
können, wie seine Landsleute, die Ge-
brüder Dingliuger und Lor. Natter, die
engere Heimat zu verlassen und in die
weite Welt zu gehen, so wäre wohl sein
Ruf wenig hinter dem der genannten
Künstler znrückgestanden. So wirkte er
weniger gekannt, bei seinem guten Gesichte
noch bis in sein höheres Alter, bloß in

seiner Vaterstadt, in welcher er schon im
Jahre 1717 in einem Alter von 32 Jahren
die Würde eines Senators einnahm und
zu hohem Ausehen gelangte; Werke von
seiner kunstfertigen Hand sind indes sehr
selten daselbst anzutreffen. Sein Geschlecht
ist jetzt in Biberach ausgestorben.
v. Naiser, Beiträge für Kunst und Altertum
im Oberdonaukreise des Königreiches Bayern,
Augsburg 1832 (abgedruckt in den „Württemb.
Jahrbüchern", Jahrg. t832, 2. Heft). — „Schwab.
Merkur", Jahrg. 1862 (?) w. — Ein Bildnis von S.
hat sich bis jetzt nicht aufstnden lassen.

-cst FchwüllischeF aus Dviitgrnllvrgvr
brrchnunyDüchern.
I» den „Schriften des Vereins f. Geschwc.
der Baar re.", X, 1900, S. 9 ff. erschienen
aus der bestens bekannten Feder des fürstl.
Geistl. Rats Msgr. Martin nicht uninte-
ressante Auszüge aus Heiligenberger Nech-
nnngsbüchern, welchen wir mit gefälliger
Genehmigung des geehrten Herrn Verfassers
sowie des gen. Vereines oberschwäbische,
namentlich auf die Künstlergeschichte bezüg-
liche Einträge entnehmen, wie folgt:
Ans d. I. 1562/63: den Schwestern
in der Elanß zu Ehingen um ein Paar
braun und weiß gefleckte Decken zu machen
3 fl. 8 batzen 1 D.
Schwestern in Wurz ach Weberlohn.
Bildhauer Jakob Graugler in Bu ch-
au um ein (Oueifip rc. — 12 . . . köpfleiu
4 sl.; 2 Paar Gemshorne zu faßen 1 fl.
10 batzen; um ctlich nsgeschnizte „Viol-
wurz" 1 fl.
Glasmaler Bastian Storin (Störer?)
zu Eon stanz um Wappen: ein halb und
ein ganz bogiges letzten Nor. 3 Thlr.
1567/68. Jakob Kran ge r (wohl
derselbe wie oben) von Buchau, Bild-
schnitzer von 2 Bildern zu saßen 3 sl.
1571/72. Othmar Strang er,Maler
zu Ravensburg Abbildung des Fangcs
eines Hirsch bei Staad, den die von Ueber-
lingen im See fiengen 10 fl. . . .
1575/76. Der Bildschnitzer von
Buchau empfängt für ein Crucifip in die
Linden, 4 Engeln nnd ein hl. Geist i. I.
Gn Kapelle 4 sl. am 19. Dez. 1575.
Einem Gold schmid von Lindau,
der eine Mnscatnuß verehrt 3 sl.
Einem Male r von Pfnllendorf um
allerlei Arbeit 5 fl.
Dem Mai st er Jerg Zimberisch Ban-
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