Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 36
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durfte; schwungvoll, hinreißend,seurig, flam-
mend, züi,dend, wo es hingehörle; rührend,
ergreifend, wo es angemeffen; erschütternd,
ja donnernd, wo es sein mußte, mit glück-
licher Steigerung, wohl angebrachten Pansen
und schlagenden Scklnßeffekten. Heute noch,
nach über 44 Jahren, sehen und hören wir
im Geiste den unvergeßlichen Mann vor
uns, wie er in der Kapelle von Nentrauch-
burg an Peter und Paul 1850 iu einer
gewaltigen Abschiedsrede seinen Zöglingen
Lebewohl sagte und denselben am Grabe
derApostelsürsteu zu Nom deren Fürsprache
zu ei bitten versprach. Wir sagen nicht zu
viel, wenn wir ihn für den besten katho-
lischen Kauzelredner seiner Zeit iu Würt-
temberg erklären. Dies war es übrigens
nicht allein, was ihn zur Zierde seines
Standes machte. Dazu kamen noch gründ-
liche theologische Gelehrsamkeit, lebendige
Glaubensstärke, ein heiliger Eifer, Heller
Blick, praktischer Verstand und streng sitt-
licher Charakter, voll Verachtung gegen alles
Gemeine und die Lüge, dagegen voll Be-
geisterung für alles Edle. — Sein bewegtes
Leben hat ihm von einigen in früherer Zeit
in der „Tübinger Qnartalschrift" veröffent-
lichten (iu NeheröPersonalkatalog w., S.517
verzeichnten) Abhandlungen sc. keine Zeit
zu littcrarischeu Arbeiten gelassein — Selbst
ans dem Volke hervorgegangen — schlug
sein Herz warm für des Volkes Wohl,
nicht minder auch für das deutsche Vater-
land; und ist gerade er ein Beleg dafür,
wie sich streng kirchliche Gesinnung und
deutsches Vaterlandsgefühl recht wohl mit
einander vereinigen lassen. — Mit seinem
frühen Hingänge sind viele Hoffnungen zu
Grabe getragen worden; die kirchliche
Partei in Württemberg verlor in ihm
einen ihrer begabtesten Führer; viele glaubten
ihn für die Zukunft zu Höherem berufen;
sein Lebenslauf, ist ein bedeutendes, aber
unvollendetes Bruchstück. U. I. ?.
„Zeitgenössische Mitteilungen," Briefe n. s. w.;
„D. Volksbl." vom 17. Januar 1866, Nr. 13 im
Feuilleton (zu vgl. Nr. l4 und 21 dess. BlO;
„Kath. Sonntagsbl." von 1866, S. 16 ff.; Grab-
rede des Dekans Pfarrer vr. Klotz von Baindt,
Weingarten bei Buchbinder PH. Thuiiib; „Dber-
schwäb. Anzeiger" in Ravensburg, vom Januar
1866, Nachruf von einem „Studiengenossen und
Freund"; auch der „Beobachter" Nr. 6 vom
13. Januar 1866 widmete ihm einen warmen
Nachrus (aus der Feder Karl Mayers?).
Ein gutes Bildnis von dem Dahingegangenen

wurde 1856 durch Joseph Resch gezeichnet und
lithographiert, bei I. B. Kuhn in München gr.
Folio gedruckt.
F. Michael.
Von Pfarrer Reiter.
In Deutschland, Frankreich und wohl
auch anderwärts kann man die Wahr-
nehmung machen, daß M i eh a e l s k irche n
lind Michaelskapellen meistens ans
Anhöhen stehen. iVliclmel umnt montes.
Diese Liebe zu den Höhen ging im Mittel-
alter so weit, daß die Michaelskapellen
vielfach in die Türme und erhabenen
Räume der betreffenden Heiligtümer ver-
legt wurden. So befand und befindet sich
eine Michaelskapelle im,Münsterturm zu
Freiburg i. B., zu welcher mau auf 65
Stufen emporsteigt. (Unserer lieben Frauen
Münster zu Freiburg i. B. von Dom-
kapitular Marniou S. 45.) Zu chanten
unweit des Rheins ist nach IN. Samson
jetzt noch die Michaelökirche, wenn sie
auch nicht mehr zum Gottesdienst gebraucht
wird, über dem Thore vor dem Eingang
zum Dom. Von Bischof Burghard von
Münster (1098—1118) wird erzählt, daß
er eine Michaelskapelle auf einem Thore
der Stadt erbaut habe.
Unsere zu Ehren des heiligen Erzengels
erbauten Gotteshäuser — es sind deren
nach meinem Verzeichnis rund 110 —
scheinen in ihren Höhen besondere Michaels-
kapellen nicht zu bergen; dagegen fehlt es
uns nicht an Nachrichten, welche als Zeugen
für die frühere Praxis angeführt werven
mögen. Nach einer Notiz in den „Württ.
Vierteljahrshesten", Jahrg. 1898, S. 34,
zerfiel die sitzt abgegaugeue Michaels-
kapelle iu der Stadt Biberach iu eine
obere und untere Kapelle. Ohne Zweifel
stand iu der ersUren der Altar des hei-
ligen Michael. Laut Urkunde vom 15. Mai
1352 (Nottweiler Urknndenbuch von Or.
Günter S. 109) machen Pfaff Heinrich,
der Gneppher und sein Bruder Berthold,
Bürger zu Nottweil, eine Schenkung an
den von ihnen gestifteten S. Michaelö-
altar auf dem Beiuhaus zu Balingen.
Dieses „auf" legt die Anahme nahe, daß
der Altar des Hüters der Entschlafenen
auf der Höhe gestanden habe. Zu der-
gleichen Annahme dürften wir uns be-
rechtigt glauben, wenn der in einer anderen
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