Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 170
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ans 13 Herren, 7 Damen, 1 Kind (Hein-
rich dn Noyer).
Im Schauspiel wurden anfgeführt von
Grillparzer (Die Ahnfrau), Fr. Schil-
ler (Die Räuber), Bauern selb (Der
Musikus von Augsburg), K. Toepfer
(Die Einfall vom Lande), Shakespeare
(Der Kaufmann von Venedig), Th.
Koerner (Der Nachtwächter), in der
Oper Weite von Rossini (Barbier von
Srvilla, Othello), Mozart (Don
Inan, Zauber flöte), Herold (Zampa),
Bviel dien (Weiße Fran), Auber
(Die Stumme von Portici). Auch
wurde Raimunds Alpentönig und der
Menschenfeind gegeben. Am 11. Dezember
1837 gab man Napoleons Glück und Ende,
großes dramatisch-historisches Gemälde in
5 Akten, bearbeitet nach dem Französischen
von Spindler und Bandius.
Zwei Stücke trugen Ulnicr Lokal-
färbnng, näinlich Die Reise ans gemein-
schaftliche Kosten von Ulm nach Baden-
Baden, komisches Gemälde in 1 Akt, be-
arbeitet von W. v. d. Nh. (27. Januar
1837) und des Ulnur Goldschmieds Töch-
terlcin, altdeutsches Lustspiel in 1 Akt von
Karl Blum (7. April 1837).
(Fortsetzung folgt.)

Die Keich§abtei Weingarten O. 8. U.
im französischen Uellerfall rc.
Nach dem Tagebuch des U. Joachim Kramer
zu Weingarten.
(Fortsetzung.)
Am 22. Novl inber er haltert wir die
ziemlich zuverlässige Nachricht, daß in
unfern Hof zu Hagnau das zu Kreuz-
ungen oder zu Konstanz liegende Spital
transferiert werden soll; wenn dies ge-
schieht, so wird die dortige Oekouomie
ganz zer>littet und zu Grunde gerichtet.
Der Keller und alles laust Gefahr, be-
sonders könnte bei einer Netirade aller
Wein leicht und geschwind in die Schweiz
geschafft werden.
Wir schicken also geschwind durch
H. Frings ein Promemoria an das Konnte
um Abwendung, Weingarten fühle ohnehin
schon die unsäglich große Last eines Spitals,
ob denn alles ans uns abgeladen weiden
solle w. Soviel wir wissen, hat Mathieu
Faviers es dem Konnte überlassen, die
Plätze für die Spitäler zu bestimmen.

DaS jetzige Spital macht uns weit mehr
Airstände als das vorige im Mai und
Juni; bald wolle» sie mehrere, bald bessere
Speisen, selten ist es nach ihrem Gaumen
gekocht; immer verlangen sie mehr Zimmer,
jeder will sein eigenes haben, besonders
fürwitzig und lüstern lauern sie ans den
Abteigang — was denn im oberen Stock
sei, man sehe von der Gasse hinauf, daß
man dort wohnen könne re. Um ihnen
so viel als möglich den Weg zu verlegen,
zieht ?. Georg heute noch ins Archiv und
Ü. Athanasius schläft im Zimmer des
Lakai. In der Abtei nehme ich alle
Schriften und alles das weg, was etwa
Gefahr laufen möchte, entwendet zu werden.
Alles darf ich nicht weg nehmen, nun fragt
es fick, ob nicht just das gefalle, was ich
sicher zu sein glaube? wer kann es ver-
raten? hintennach ist freilich leicht zu pro-
phezeien. Ich bin entschlossen, keinen in
die Abtei zu lassen, indem diesen Herren
hoffentlich doch noch so viel Bescheiden-
heit sollte beigebracht werden können, daß
sie die Wohnung des Prinzipals schonen
— allein wir haben Beispiele, daß man-
cher Franzose gerade das Gegenteil hievon
lhut, um die Leute zu torgnieren. Wenn
etwa ein General oder angesehener Stabs-
offizier kommt, wird es schwer sein, die
Abtei zu retten, weil wir gar kein Zimmer
für einen solchen haben. Aus unfern
Zimmern lassen wir uns nur mit Bajo-
netten treiben.
Am 23. Novbr. erhalten wir von Herrn
Obrißleutnant Fritschner ein Schreiben ans
Ulm, er sei dort Spitalkommandant, werde
bis 27. oder 28. mit allem dort abziehen,
es seien nur noch wenige von den zurück-
gelassenen Kranken am Leben, von unsrigen
starben in diesem Monat fünf oder sechs,
der Zustand der Mannschaft sei erbärmlich,
die Compagnie sei höchstens noch 50 Köpfe,
er bitte um einige Unterstützung für die
Soldaten. Bisher habe er keine Ge-
legenheit znm Schreiben gehabt, denn
alle Briese werden aufgefangen, jetzt lief
ihm Herr Gegenbuchhalter Johler iu die
Hände, diesem steckle er das Schreiben
zu. Herr Welz halte noch drei Bankzettel
ü 50 sl., diese werden unter Couvert an
Herrn Jänke geschickt, welcher sie Herrn
Fritsebner geben soll.
Am 24. Novbr. kommt die Sage, daß
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