Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 58
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qeb. Schlatier (gvb. 23. August 1757, gestorben
26. März 1889 iu Konstanz). — Anton Jos.
Clavel, fürstlich Thurn- und Taxisscher Hof- und
Domänenrat in Regensburg (gestorben daselbst
1831'(), verheiratet in erster Ehe mit Euphrosyne
Grimm, Tochter des fürstlichen Oberhofmeisters
Grimm in Dischingen, in zweiter Ehe mit einer geb.
Schindt; dessen Sohn: Leop. Anton Werner Clavel,
geb. 18. Mai 1803, gestorben 28. Oktober 1882
zu Cannstatt, fürstl. Kollegial- und Domänensekretär
in Regensburg, verehelicht mit Elise, Tochter des
fürstl. Hof- und Generalpostdirektionsrates Anton
Marx das.; dessen Sohn: der noch lebende Ober-
postdirektor und Geh. Postrat a. D. Clavel in
Wiesbaden, vordem in Darmstadt. — Zwei
weitere Träger dieses Namens, beide mit Vor-
namen Leopold, waren im vorigen Jahrhundert
gleichfalls in fürstlichen Diensten, der eine als
Kommissär, der andere als Regierungssekretär.
— Das Wappen der Clavel zeigt drei Nägel (!)
und findet sich in Siebmachers neuem Wappen-
buch unter Baden abgebildet.

DUe irinchsabtei Veiiig.iiton O. 5. U.
im französischen Neuer fall ;e.
Nach dem Tagebuch des IT Joachim Kramer
zu Weingarten.
(Fortsetzung.)
Heute am 15. Oktober nach Mittag droht
uns eine neue Qual: nämlich drei Spital-
offiziers von Langenargen bringen die Ordre
vom KriegSkommisfär Picot-Belloc, daß das
Langenargensche Spital eingehen und nach
Weingarten verlegt werden soll. Mit Re-
quisitionen für das Spital werden wir
vermutlich stark hergenommen werden wollen.
Ein geheimer Streich liegt schon darin, daß
neulich Picot-Belloc bei der Konferenz in
Lindau uns zur Hauptrequisition unter dem
Vorwand gezogen, um uns von der künf-
tigen Konkurrenz zu den täglichen Bedürf-
nissen frei zu lassen. Ich fürchte sehr, man
werde uns die gänzliche Verpflegung auf-
bürden wollen. — Diese Spitäler wollen
uns alle übrigen Gäste samt den Pferden
ans dem Hanse vertreiben. Jeder will allein
Hahn im Korbe sein; jeder will der bravste
heißen; jeder will gut leben; jeder will
ZouceurL — und doch ist der Oberst, den
wir wirklich haben, nicht im stände, die
Roßknechte aus dem Thorstall zu ver-
treiben, damit er seine eigenen Pferde dort
bequem uuterbriugen köuue. Keiner fragt
dem andern im geringsten etwas nach,
wenn er nicht unmittelbar unter seinem
Kommando steht. Der Oberst will den
Spitälern ebenfalls nicht weichen, und so

nimmt jede Partie Besitz, ohne daß die
andere geht.
Der Adjutant des Brigadechefs diktiert
einem unserer Bedienten noch vorm Schla-
fengehen, morgen soll man ihm zum Früh-
stück eine Bouteille Wein und Ls Dutzend
Vögel bringen; der Bediente erwidert, er
wisse nicht, ob Vögel vorrätig seien. Sie
müssen da sein, war die Antwort — er
bekommt keine, weil ?. Küchenmeister keine
hat. Dies wird aber dem spritzigen Herrn
in die Nase riechen — daraus vielleicht
ollension — und wer kann dafür?
16. Oktober schickt uns Herr Frings
das von Girou unterschriebene Certifikat
— wie es verlangt worden war — zurück,
wodurch den Neckereien des Picot-Belloc
hoffentlich ein Ende gemacht wird.
18. Oktober. Seit zehn Tagen drängt
sich ein Verdruß zum auderu, Seel und
Hand und Feder sind mir vor Gram ge-
lähmt, von allen Seiten her Zudringlich-
keiten, Neckereien, Forderungen, Drohungen,
Klagen, Jammer unserer Bedienten und
Unterthanen. Da zu viele Soldaten in
unserer Gegend sind, so sucht mancher selbe
seinem Nachbar zuzuschieben, ohne daß er
feinen Zweck erreicht; denn kaum wird ein
Loch leer, so wollen zehn andere hinein-
schlüpfen, wovon jeder guten Unterhalt
fordert. Daraus entstehen entsetzlich viele
Jnkonvenienzien, Verdrießlichkeiten, Ab-
neigungen, Widerrechtlichkeiten zwischen den
Landeseinwohnern selbst, welche um so ge-
fährlicher sind, weil sie nicht nur zu Zwistig-
keiten und vielleicht fogar Schlägereien und
Aufstand führen, fondern eine Bitterkeit
und Abneigung auf lange Zeit znrücklassen.
Dies ist auch dermals der Fall zwischen
dem Kloster und dem Flecken. Der Bürger-
meister schiebt ins Kloster, was immer
möglich ist; er belegt alle unsere Beamteten
und Bedienten, welche in nustriuco ihre
Wohnungen haben, mit übermäßigen Quar-
tieren, er nimmt keine Rücksicht auf Ver-
träge, auf Verhältnisse. Unsere Leute klagen
dawieder, sie können die Quartiere nicht
anshalten, ihr Sold reiche kaum für ihren
eigenen Unterhalt rc.
Auf einmal fällt es heute einem Stiefer
ein, man sollte auch die Sennerei im Ried
belegen, es werden also dort drei Mann
einquartiert. Der Senn jammert, er habe
selbst zehn kleine Kinder, er könne unmög-
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