Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

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Hauptverdienst von ihm war das Znstande-
bringen der Verteilung der Allmenden.
Einen wesentlichen, wenn nicht den größten
Anteil hatte er an der i. I. 1790 er-
schienenen landessürstlichen Ko mm Un-
ordnung und Instruktion für die Orts-
vorgesetzten, worin manche (die bessere
auszulcihen, oder aber an den Ast von der Bank,
d. i. die Obrigkeit, unter welcher sie steht, einzu-
schicken: wo folglich die ganze Bank den: Dar-
leiher, jener die Aeste, dieser die Zweige dergestalt
für das Geld haften müßten, daß unmöglich
weder der Darleiher, noch die Bank jemals dabei
in Verlust kommen könnten. Der Schuldner hätte
von seinem Hanptgnte 3 für 100 zu bezahlen,
und °/o würde von den Dreien dem Darleiher
zur Bestreitung der Unkosten und zum Vorteile
der Bank innebehalten.
Man weiß, was in allen Gerichtsstuben die
Fertigung von Schuldbriefen für mühesame
Schreibereien verursachen: diese alle könnten
unterbleiben, und ein bloßer Schuldschein, den
der Zinsmann an seine Gemeinde abgiebt und
ein Zettel aus der Bank, die der Anleger für
sein Geld empfängt, würden die Stelle derselben
vertreten. — Man weiß, wie sehr die Ehrlichkeit
bei Kauf und Verkauf die Handlung befördern, und
wie sehr diese und die Liebe des Nebenmenschen
bei dem Viehmangel außer Augen gesetzt werden.
— Man kennt die schändlichen Mißbräuche unseres
Vaterlandes; mancher dünckt sich nur nach dem
Maß geschickt, nach welchem er seinen Käufer be-
trogen hat. . . . Und obzwar sonst alle Kon-
trakte, die nicht wider die guten Sitten streiten,
in allen Ländern statthaben, so würde es doch
einem Lande von unbeschreiblichem Nutzen sein,
wenn alle Handlungen für ungültig erklärt würden,
die das Eigentum eines Hauses oder Grund-
stückes mit unablöslichen Beschwerden belegen.
Es ist nicht zu beschreiben, was die Bevölkerung
und der Ackerbau dabei verlieren, wenn die
Grundstücke zu sehr belästigt sind. . . . Ein
nach der Billigkeit und einem zwölfjährigen Er-
trag bestimmtes und für beständig festgesetztes
Quantum anstatt des Zehnten sollte nebst den
Steuern das Einzige und Höchste sein, was ein
Grundstück zu leiden hätte, und alles weitere
sollte für ablöslich erklärt werden. Tie Trennung
des Eigentums von der Nutznießung ist allezeit
schädlich. Das Land ist glücklich, wo der Bauer
zugleich das Eigentum, und wo das Eigentum
seine Rechte ohne Einschränkung in seiner Völle
zu genießen hat. . . .
Im Straswesen war Clavel ein aus-
gesprochener Gegner der Todesstrafe und huldigte
auch sonst fortschrittlichen Ideen. So schaffte er
die in seiner Herrschaft bei seinem Amisantritte
thatsächlich noch bestehenden Torlurreste ab, sorgte
für rasche Justiz und Vermeidung langer Unter-
suchungshaft. Andererseits ließ er gewisse Schuldige
aus dem Pranger, z. B. verleumderische Weiber
mit Schlössern am Mund eine Zeit lang ausstellen,
eurer Jugendverführerin eine Schandsäule nebst
entsprechender Inschrift vor's Haus setzen.

! Kultur, das Rechnungswesen bei deu
Gemeinden u. a. gemeinnützige Gegenstände
j betreffende) Vorschriften enthalten waren.
Ebenso wiikie er thätig znr Errichtung
der i. I. 1791 für die TaxiSschen Herr-
schaften in Schwaben zu stände gekommenen
Brandversichernngsgesellschaft mit. Förm-
lich erschöpft von seinen Bernfsgeschästen
starb er in einem Alter von 65 Jahren
am 4. August 1793, nachdem er noch der
französischen Revolution ins Auge gesehen;
der Neichspiälat P. Schmid von March-
lhal, wohnte seiner Beerdigung in Scheer
an und hielt die Exeqnien. Stadtpfarrer
Dr. Franz Joseph v. Brielmaier hielt die
Leichenrede, in welcher er den großen
Verdiensten und dem gemeinnützigen Wirken
des Verewigten gerecht wurde.
Folgende Grabschrist war für ihn vor-
geschlagen: Dem Andenken H. Franz chaver
Clavels re. re. gewidmet. Sein Lob ist,
daß um ihn sein Fürst, seine Vorgesetzten,
seine Familie, seine Freunde und seine Unter-
gebenen trauerten. Sein Verdienst ist,
daß er hiesiger Grafschaft 35 Jahre lang
als Vorsteher, Richter, als Tröster, Helfer
und Freund der Unterthanen nützte. Durch
ihn stieg der Ackerbau, der Wohlstand und
der Kredit des Landes. Er lebte und
starb als Menschenfreund und Christ.
Sein Lohn ist hier Unvergeßlichkeit; in
jenem Leben -— Gott!
Er ruhe im Frieden!
El. mar nicht bloß Praktiker, sondern
ist auch, soweit es ihm sein anstrengender
Berns zuließ, als Schriftsteller von mancherlei
kleinen Schriften, die er ohne Namen
drucken ließ, aufgetreten. Schon seine
amtlichen Ausarbeitungen tragen das Ge-
präge des Nachdenkens, der Pünktlichkeit
und Umsicht, dabei auch einer Art Frei-
mütigkeit. Wohl seine bedeutendste Druck-
schrift sind die vorerwähnten korsikanischen
! Briefe, welche — einzig und allein von
all' seinen Schriften — bei Meusel in
seinem gelehrten Teutschland oder Lexikon m.
verzeichnet und ihm ausdrücklich zuge-
schrieben sind. Letzteres ist auch der Fall
in Kaisers Bücherlexikon sowie in Clavels
von uns hier zum Teil benützten, von
einem (anonymen) Freunde desselben ge-
fertigten Nekrolog, erschienen im „Nekrolog
auf d. I. 1793, enthaltend Nacyrichten
von dem Leben merkwürdiger in diesem Jahre
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