Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

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kannt. Ein Gärtner wurde von einem
vorübergehenden Ratsherrn nach seiner Be-
schäftigung gefragt. „Ich stupfe Komö-
dianten", war die lakonische Antwort, die
mit einer 14lägigen Arreststrafe im Polizei-
hanse erwidert wurde. Auch die Ulmer
Kirchenbücher enthalten Material zur Ge-
schichte des Komödienhauses und der Komö-
dianten. Am 28. April 1796 heiratete
Franz Täuber von Wien, Schauspieler
und Musikdirektor bei der Noftnerscheu
Schauspielergesellschaft, Barbara Teusch
von Augsburg, am 15. September 1798
Franz Jäkel aus Mosbach, Schauspieler
bei der Noftnerscheu Gesellschaft, Sophie
S t e i n g ru b erin aus Ansbach. Am
18. Februar 1800 wurde geboren Josepha
Elisabeth Margareta, Tochter des Schau-
spielers Johann Karl Wilhelm Christel
und der Elisa Sophia de Stiglitz aus
Reval. Nach einer Aufzeichnung von Holz-
heu zum Jahre 1777 soll auch Emanuel
Schikaneder (geb. 1751 in Regensburg,
ch 21. September 1812 in Wien) am
Komödienhaus in Ulm als Komiker ge-
spielt haben. Von ihm rührt bekanntlich
der Text von Mozarts Zauberflöte her.
5. Geschichte des Stadttheaters in
der bayerisch- w ü rt t e m b e r g i s ch e u
Zeit (1 803 — 1 847).
a. Die bayerische Zeit (1803—1810).
Am 23. Januar 1803 fand abends im
prächtig erleuchteten Theater in Ulm ein
Bet- und Danksest statt, und wurde ein
Prolog gesprochen, der auf die „glückliche"
Negieruugsveräuderuug (die Einverleibung
der Reichsstadt Ulm in Bayern) Bezug
hatte, und wurden während desselben
12 Salven aus den Kanonen gegeben. H
Anfangs März 1803 wollte Büchner,
der bei Konditor Roth logierte, mit seiner
aus 11 Herren und 6 Damen sowie einem
Kinde bestehenden Gesellschaft 16 Vorstel-
lungen geben. Er spielte noch am 30. März
und war anfangs April wieder da, spielte
aber schlecht. Die Preise der Plätze waren:
Loge 4 sl., erstes Parterre 36 krl, zweites
18 kr., Galerie 9 kr. Am 23. Mai fand
eine Vorstellung Salora von Venedig,
heroisches Nitterschauspiel in 5 Akten von
Professor Berger statt, zum Vorteil
U „Schwab. Chronik" 1803, 46.

der Schauspieler I. M. und Nanelte
Schmidt. Ein seidener Theaterzettel
zu dieser Vorstellung findet sich noch in
der Stadtbibliothek. Die Büchuersche
Gesellschaft blieb bis zum Oktober in Ulm.
Am 12. Oktober (am St. Maximiliaustag)
sprach ein Mitglied derselben, Madame
Colve, den Prolog zur Namensfestfeier
des Kurfürsten Maximilian von Bayern.
Mau gab. an diesem Tage Der Fremde,
Lustspiel in 5 Akten von Jsfland. Am
23. Oktober l 803 fing Direktor Iehusen
^ mit seiner Gesellschaft zu spielen an und
verließ erst im Februar 1804 Ulm. Er
machte schlechte Geschäfte. Nach einer Be-
i kanntmachungdes kurpfalzbayerischeu Stadt-
gerichts in Ulm vom 17. September 1804
hatten er und Theatermeister H a i d e l den
Ulmer Bürgern Johann Martin Miller
und Balthasar Baur Kleidungsstücke in
Versatz gegeben.') Schon 1803, nicht
erst im Januar 1804, kam nach Ulm Ma-
dame Maria Vauuiui, die bei Sailer
Eckardt in der Weugeugasse logierte, mit
ihrer Gesellschaft, 16 Herren, 9 Damen
und 1 Musikdirektor. Sie spielte noch am
3. Juni hier. Am 27. Mai wurde zum
Geburlsfest des Kurfürsten ein Prolog von
Deickert gesprochen. Das Journal des
Ulmer Stadttheaters, Saison 1848/49,
S. 3, rühmt dieser Gesellschaft nach:
herrliche Darstellung. Vom 5. Oktober
1804 bis 11. Februar 1805 spielte in
Ulm mit seiner Gesellschaft Franz Ascheu-
brenne r. Dieselbe bestand aus 13 Herren,
9 Damen, 2 Kindern, 1 Souffleur, 1 Gar-
derobier, 1 Tbeatermeister und 2 Zettel-
trägeru und NcguisiteurS.JmSchauspielgiug
Schillers Bearbeitung von Macbeth über
die Bretter, in der Oper die Entführung
aus dem Serail von Mozart. Am
28. Januar 1805 wurde zur Feier des
NamenSfesteS der Laudesmutter, der Kur-
sürstin von Bayern Johanna v. Mont-
fancou, in 5 Akten von Kotz ebne ge-
geben. ch Das Journal des Ulmer Stadt-
theatero, Saison 1848/49, S. 3, bezeichnet
diese Truppe als „ärmliche Gesellschaft".
Vom 15. September 1805 bis 1. Januar
1806 spielte dann wieder Madame Maria
Vanniui mit ihrer Gesellschaft. Im

') „Schwab. Chronik" 1804, S. 406.
Ebenda 1806, S. 47.
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