Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 17
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Organ für Geschichte, AlrertumDuiide,
Liunst und Lrultur der Diücesc Grittontiurg und der angrenzenden Gebiete.
kserausgegebeu und redigiert von Buitseichtcr a. D. Vecsi in IffaveuSlniru.
Beiträge, Korrespondenzen rc., N ez en s i on s-Ereinp lare, Tanschzeitschriftcn w. ivollen
stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellungen und Reklamalivnen an
die Expedition des „Deutschen Vvlksblatts" in Stuttgart, llrbanstrnße 94, gerichtet werde».

Nr. 2.
-isos.

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Die Füeliuiig der Grafeu bau Mout-
fart zur Gefariiiarioii.
Von Idr. Th. v. Liebenan.
Als Vanotti i.J. 1845 seine Geschichte
der Grafen von Montforr nnd von Wer-
denberg veröffentlichte, konnte er nnr sehr
wenige Züge znr Charakterisierung der
religiösen Ansichten der beiden letzten Grafen
Christoph (st 1534, 29. Januar) nnd
Felix von Werdenberg-Heiligenberg (st1530,
11. Juli), Herren zu Sigmaringen, Be-
ringen, Trochtelsingen und Jnngrrau, bei-
bringen. Und auch diese dürftigen Zeug-
nisse stammen zum Teil nnr ans der
Zimmerschen Chronik, die Wahrheit und
Dichtung so wunderbar mischt. Nach
dieser Relation wäre der durch den Tot-
schlag oder Mord des Grafen von Son-
nenberg bekannte Graf Felix von Mont-
fort in seinen letzten Tagen ein fanatischer
Katholik, Graf Christoph dagegen ein
Mann des Friedens nnd Feind aller Ge-
waltlhaten gewesen.
Im Staatsarchiv Luzern hat sich aber
ein von den beiden Grafen erlassenes Ne-
formationsmandat vom 30. Juli 1527 er-
halten, aus welchem deutlich hervorgeht,
daß beide Brüder die treueste Anhänglich-
keit an die von den Vätern ererbte katho-
lische Religion beseelte, die sie auch durch
eine gemeinsame Maßnahme gegen die ab-
gefallenen Priester und Nonnen, die sich
namentlich in die der neuen Lehre zuge-
wandte Stadt Konstanz zu flüchten pflegten,
manifestierten.
Im Jahre 1529 handelte es sich be-
kanntlich auch dann», diese beiden Grafen
nnd andere süddeutsche Herren und Städte

zum Beitritt zum Bunde zwischen Erzherzog
Ferdinand von Oesterreich nnd den fünf
katholischen Orten der Schweiz zu be-
stimmen. (Amtliche Sammlung der eid-
genössischen Abschiede IV, 1, b, 57. s
Diebeiden Grafen standen den Schweizern
nahe, da sie bis zum Jahre 1526 die
Herrschaft Zwingenstein mit dem Hofe
Lustnau, Gütern und Stenern in Widnau,
Halslach, Altstätten, Marbach nnd Ber-
nang besaßen. Sie protestierten von
Tübingen ans mit anderen schwäbischen
Grafen und Herren auch 1527 gegen die
Wahl eines Bürgerlichen zum Fürstabt von
Einsiedeln.
Das Refvrmationsmandat kam in die
Schweiz, weil durch dasselbe besonders
Priorin und Konvent zu St. Peter in
Konstanz betroffen wurden, die sich darüber
beim Rate von Konstanz, dem Hofgericht
in Nothweil und 1528, 9. Dezember, auch
beim Rate von Bern beklagten (Stricklcr,
Aktensammlnng znr Schweizer. Nefvrma-
tionsgesch. I, Nr. 2200). Die Konstanzer
. befürchteten im Juli 1529, Graf Felix
von Werdenberg werde mit einem kaiser-
lichen Heere ihre Stadt angreifen (Strickler
II, 453). Die Adeligen katholischer livn-
fession trugen hinwieder ihre Beschwerden
gegen Konstanz dem Kaiser vor. Tat-
sächlich war Graf Felix mit Vollmacht zur
Werbung von Landsknechten versehen (da-
selbst Nr. 608, 1161). '
Ans einem Tage in Ueberlingen er-
klärten die Grafen Christoph und Felix
i von Werdenberg in Verbindung mit den
Grafen Joachim von Zollern, Jörg und
^ Christoph von Lupfen, Friedrich vonFürsten-
^ berg, den Herren von Landau, von Nei-
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