Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 24
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Dies die schriftlichen Nachrichten über
bas Thannenburger Bauwesen im Jahr
1398.
-e- Var Ivo Jahren. — AnF einem
altenOereMeimerVjioftertagebnch^e.
(Fortsetzung von „D.-A." 1901, S. 118—121.)
Der General Grandjean war gestern
mit seiner Frau schon ans dem Wege hie-
rher, nm uns einen Besuch zu machen;
allein das regnerische Weiler und der
schlimme Weg bestimmten sie, ans dem
Hochsiadter Hofe wieder umznkehren. Mein
heutiger Besuch bei ihnen war ganz kurz,
da mich der Fürst zu lange bei sich auf-
hielt, um mich länger bei ihnen veiweilen
zu lassen. Am 16. April 1801 sahen wir
hier gottlob die letzten Franzosen. Es waren
der Chef der 46. Halbbrigade, Lanckantin,
»nd der Chef der Eskadron, Soviot, Ad-
jutant des Generals Grandjean, mit noch
einigen Ojfizieren, welche bei uns zu Mittag
speisten und ans den Abend ihre Reise
über Heidenheim nach Frankreich fortsetzten.
Sie hatten sich schon in der Flühe durch
eine Oidonnanz ansagen lassen. Der Herr
v. Kiderlen mit seiner Frau und zwei
Töchtern waren in ihrer Gesellschaft. Der
tührende Abschied, welchen diese letzteren
von den Franzosen nahmen, die häufigen
Thränen, welche dabei flössen, die Um-
armungen und Küsse, welche gewechselt
wurden rc., bestätigten meine Erfahrung,
wie innig deutsche Frauenzimmer sich in
die Franzosen attachieren konnten »nd wie
glücklich diese ihre Siege über deutsche
Männer mit der Eroberung deutscher weib-
licher Herzen zu verbinden wußten! So
lief der Rückzug der Franken für uns und
unsere Herrschaft endlich glücklich ab! —
Wir hatten nur sehr wenige und leichte
Einquartierungen, jene des Generals d'Hant-
Ponl ausgenommen. Dieses Glück kam
daher, daß die Franzosen ihren Rückzug
von Nördlingen über Dillingen, Ellwangen
und Dinkelsbühl nahmen. Die Studien
unserer jungen Religiösen gingen auch wäh-
rend der Anwesenheit der Franzosen ihren
ungestörten Gang fort. Am 22. April
verteidigten sie fürs Frühlingölpamen ihre
dogmatischen Thesen unter dem Vorsitze
ihres Professors und Direktors, deö 1?.
Benedikt. Man hatte Ursache, mit U. Ed-
mund und U. Anselm zufrieden zu sein.

U. Willibald und H. Schröcker zeigten in
dieser wie in den hervorgehende» Prü-
fungen ihre große Schwäche in der latei-
nischen Sprache und in ihren Kenntnissen.
Die Schnlprüfungen auf dem Lande mit
de» Normalschnlkindern, die sonst in den
Osterseiertagen oder bald nach denselben
gehalten wurden, mußten dieses Jahr wegen
französischer Einquartierungen und Durch-
märsche unterlassen werden. Den 23. April:
Nach dem Heimzug der Franzosen kamen
auch allmählich unsere deutschen Vater-
landsverteidiger von ihrem eben nicht
ruhmvolle» Feldzuge in ihre Heimat zurück.
Die ersten, die wir hier sahen, war der
Ueberrest des Kontingentes der Reichsstadt
Schwäb. Gmünd. Ihr Chef, oer Haupt-
mann v. Storr, nahm mit seiner Frau,
seinem Sohne, seiner Tochter und seinem
Bedienten sein Hauptquartier in unserem
Kloster. Seine Mannschaft war in den
benachbarten Ortschaften einquartiert.
Zwei Tage nach diesem, nämlich den
25. April, rückte auch der Ueberrest unseres
Kontingents, 9 oder 10 Mann stark, hier ein.
Die übrigen waren schon früher gestorben
oder davongelanfen oder hatten sich selbst,
wie z. B. Higler von Niesitz sch, aus der
französischen Gefangenschaft ranziouiert.
Vor dem Feinde war keiner geblieben, ob-
wohl sie in der Schlacht bei Nürnberg
den 19. Dez., wo das Regiment Königsegg,
bei dem sie standen, sich sehr auszeichnele,
sehr ins Feuer gekommen waren. Zwei
davon, Tntti und Knöbel, wurden auch
wirklich in dieser Schlacht schwer ver-
wundet und darauf als Invaliden erklärt.
Den Tag nach ihrer Heimkunft mußten
diese Kneger im Klvsterhofe manövrieren.
Sie waren noch 7 Mann stark, die übrigen
2 oder 3 waren schon zu ihren Müttern
nach Hause gegangen. Ihr Manöver be-
stand darin, daß sie in geschlossenen Reihen
und Gliedern den Hof einigemal auf und
ab spazierten und das Gewehr präsen-
tierten. Die Studenten, auch in Militär-
uniform gekleidet, pfiffen und trommelten
dazu. Alles, was Ohre» halte, zu hören,
und Augen zu scheu, und Füße zu gehen,
drängte sich herbei, über dieses komische
Schauspiel, welches der U. Grvßkeller ver-
anstaltet hatte, zu lachen. Vermöge eines
Konferenzschlnsses wurde daö ganze Kon-
tingent bis aus den Korporal Merz, den
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