Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 93
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Leitgeiwssische Aufzeichnungen au;'
Nntiugeu über die Viricgchahre 1799
und 1800.
lieber die Einquartierungen uird Drang-
sale in Unlingen während der Kriegszeiten
von 1796 bis 1815 haben die damaligen
Gemeindepfleger daselbst zum Teil aus-
führliche Berichte hinterlassen. Mit er-
greifenden Worten schildern sie das große
Elend, das damals über diese Gemeinde
gekommen ist. Besonders interessant sind
die Aufzeichnungen der beiden Gemeinde-
Pfleger Balthasar Kob und Joseph Krauß
aus den Jahren 1799 und 1800, die im
folgenden mitgeteilt weiden. Nach einem
kürzeren Bericht über das Jahr 1798 wird
also fortgefahren:
Zur traurigen Nachricht können wir
noch beibringen, das der schädliche Fran-
zosen Krieg noch immer fortwärth, und
wir Täglich mit Kaiserlichen Trupen Durch-
marsch von Tag zu Tag belegt werden
und wir können auch nicht Verhalten die
Tage vom 15ten März euch kund zu machen,
den da geht erst recht an das KrigStiatter.
Am 16ten März mußten wir 2 Wagen
Heu 7 Wagen Haber und 500 pfund Brod
nach Göffingen führe», am 17ten wur-
den uns noch hundert Rotmentcl nebst 3
Offizier und 68 Pferd angesagt, alles ist
bereit gewesen, aber sie sind nicht hierher
gekommen. Am 19ten März mußten wir
auf Hailtingen 3 Wagen Brod Haber
und Hey liefern, dazu sind wir diese Tage
alzeit mit 24 bis 30 Mann Biget weiter
überlegt gewesen, das aber das furchsamste
war — so waren die Franzosen schon in
Mengen und in Ost rach, wie herxach
zu sehen ist.
Den 19ten und 20ten März rnklhen die
K. K. Truppen von der Straß von
Biber ach und dortigen Gegenteil unter
Anfiernng des Erz Herzogs Karl
zu Haufen weiß an und am 20ten
wurde bei O st r a ch und Herber-
tingen schon angefangen zu Blenckhlen
— ich Kraus selbst war ein Augen-
zeig davon — den ich wurde nach Her-
bertin gen geschickt, um daselbst noch
etwas Brod abznliefern und da die Quit-
tung abzufordern, und da ich hinauf
kam, da schoßen die Kaiserlichen und
Franzosen schon bei der Herbertinger Mühle
auf einander, und ich suchte den Wacht-

meister, dem ich geliefert hatte und fand
ihn in dem Feld bei dem Platon, und wir
qnitierten einander auf einem 5. V. Dung-
Haufen, wo die Kugeln im höchsten Tonne
über miß herflogen, diß ist der erste anfTnt.
Da aber am 21ten März der Tag an-
brach, so fangt auch daß Geteß der Ka-
nonen an, fürchterlich ist Tag aber wegen
seiner Heiligkeit, ein gantz außerordent-
licher Tag, der Tag an welchem nnßer
ganzes Wohl abhangt, der Tag an wel-
chem der Netter Deutschlands Printz Karl
seine Schuldigkeit, seine Liebe, seine Trcy
gegen Gott, gegen den Monarchen und
gegen nnßerem deutschen Vatterland gantz
helscheinend an den Tag gelegt hatt, an
diesem Tag sinkt die Franzoßen erbermlich
geschlagen worden, in und bey Ostrach,
ich selbsten kam am 23ten auf Ostrach
und sähe noch ville Hundert Totte Man
und Pfert ans dem Schlachtfeld und in
Weldcr ligen, auch die Hensser waren er-
bermlich zngericht und verschossen, ich sähe
aber auch zum Erstaunen, daß dieße Leutte
wo die 2 große Armeen ihren Zug gemacht
haben, weder etwaß zu Eßen noch zu
Trunkhen hatten, dan alleß ist anfgezehrt
morden. Da hatte man ein fliegendes
Magazin angelegt, daß Ort Ohnlingen
muß mit 2 Wagen Hey, ein Wagen Haber,
ein Wagen mit Brot biß Stocka ch und
von da noch biß auf Donau Esch in gen
in das Lager sihren, alßdan gieng erst die
große Unkosten an, dan wir mußten von
4 Tag zu 4 Tag anß dem Magazin in
Liberach mit 3 Wägen Magazinsnatnra-
lien biß Stockach fahren, die Wegen
wurden oft 3 biß 4 Tag aufgehalten, weil sie
mußten K. K. Blcsirte zurück nemmen, da
hatten wir schier alzeit 10 büß 15 wegen
auf der Straßen und dazu »ließen wir
noch täglich Ufern Brot Mehl Haber und
He», nebst den täglichen Einqnartirnngen
und dießes dauerte den gantzen Summer.
Dazu kommen noch den 10. August das Erste
mahl Russische Trupen an und wir
hatten biß den 18ten August 7mal Ein-
qnartirnng nebst einem Rasttag. Dißes
rohe Volckh ist so nnbendig gemessen, dan
sie kamen alzeit in der Mitternacht und
marschierten wider bis auf den abend wie-
der fort. Bey dijsem rohen unartigen Volckh
mußte man viel leiden und anßstehen, den
sie konnten so guott stöhlen, als; der Feindt
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