Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 81
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Organ für Geschichte, AltertumDunde,
Aunst und Aultur der Viüzese Goltendnrg und der angrenzenden Gebiete.
kjerausgegeben »nd redigiert von Anitseichter a. D. Beck: in Ilkapen^bnrg.
Beiträge, Korrespondenzen rc.. Rezensions-Exemplare, Tanschzeitschriften rc. wollen
stets direkt cm Amtsrichter a. D. Be ck in Ravensburg, B e stel l nng en und Neklaniationen an
die Expedition des „Dcntschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbanstraße 94, gerichtet werden.

Nr. S.
-IS08.

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M. 1.90 ohne Bestellgebühr; durch alle Buchhandlungen sowie gegen Einsen-
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noncen rc., welche der Richtung dieser Zeitschrift nicht znwiderlansen, werden von
der Expedition entgegengenommen nnd pro Petitzeile oder deren Raum mit 15 Ps.,
bnchhändlerische Beilagen, Prospekte rc. nach Nebereinknnst berechnet.


Neuer die ursprüngliche Anlage den
Nlasterü St. Gallen.
Von Max Bach in Stuttgart.
Die Baugeschichte des Abendlandes be-
ginnt, abgesehen von den Karolingischen
Bauten zu Aachen, stets mit dem Kloster
St. Gallen und seinem berühmten
Grundriß. Keines der verschiedenen knnst-
geschichtlicheu Handbücher belehrt uns aber
darüber, ob wirklich auch dieser Plan zur
Ausführung kam.
Man spricht vielfach von einer St. Galler
Bauschule und von den Mönchen, die ans-
gesandt wurden, Tochterklöster zu gründen
». dergl. Die spärlichen Nachrichten, die
man davon hat, wurden mit dem Nus der
St. Galler Klosterschule zusammengeworfe»,
und nicht wenig hat dazu auch der sagen-
hafte Tntilo beigetragen.
Durch die Abhandlung von Hardegger
im 17. Heft der Bodenseeschristeu (1888)
wurde ich veranlaßt, auch die Quellen der
St. Galler Baugeschichte etwas näher an-
znsehen, soweit sie mir eben zugänglich
waren.
Ich glaube in nachfolgendem die wich-
tigsten Stellen aus den alten Urkunden
über die Kunsttätigkeit des Abts Gozbert
und über die baulichen Veränderungen
seiner Nachfolger zusammengestellt zu haben.
Schon im 7. Jahrhundert gegründet,
kam das Kloster ein Jahrhundert später
i» großen Flor, und es begann der Neu-
bau einer Kirche nebst Abtswohunug und
allen erforderlichen Nebengebäuden. Doch
erst im 9. Jahrhundert unter Ludwig dem
Frommen konnte sich St. Gallen aus den
bis dahin immer »och kleinlichen Verhält-

nissen zu einem großen Gemeinwesen ge-
stalten, daö in seinen Mauern alles für
seine Existenz Erforderliche vereinigte und
somit in jeder geistigen und leiblichen Hin-
sicht gänzlich von der Außenwelt unab-
hängig war.
Der 816 erwählte Abt Gozbert begann
einen großartigen Neubau, zu welchem er
sich bei einem auswärtigen Freunde Rats
erholte und welcher ihm dann den be-
rühmten Plan zuschickte, der, ei» Unikum
aus dieser Zeit, uns einen interessanten
Einblick gewährt, wie man sich die Anlage
eines große» Benediktinerklosters zu denken
hat. Es ist viel darüber gestritten worden,
wer der Zeichner dieses Planes war;
man hat au Gerwarduö und Gerungus,
die beiden Hofbeamten, welchen die Bauten
in Aachen übertragen waren, oder auch au
Rhabanus Maurus gedacht. Doch ist
darüber wohl niemals Gewißheit zu er-
halten ; das aber scheint ziemlich klar, daß
der Zeichner kein Techniker, sondern ein
Liebhaber der Künste, ein Kleriker war.
Wir dürfen uns aber keinenfalls verstellen,
daß dieser Plan in Wirklichkeit ausgeführt
worden ist, schon das verfügbare Terrain
verbietet das. Zur Gewißheit wird aber daö,
wenn wir die auf dem Pergament selbst ge-
schriebene Zueignung an den Abt lesen, welche
lautet: „Diese schlichte Darstellung (xmucw
exemplata clirexi) der Lage der Werk-
stätten habe ich dir, lieber Sohn Gozbert,
geschickt, damit du daran deinen Scharf-
sinn üben kannst und meine Ergebenheit
und allzeit bereite Dienstfertigkeit gegen
dich erkennst." Der Uebersender legt also
besonderen Wert auf die Disposition der
Nebengebäude des Klosters, der Wirt-
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