Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 48
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Czeil (Svulmeraufgang) was im Lande der
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6rau6en. Letzterer stammle aus Neudeck
bei Langen - Bentinge», OA. Oehringen.
Ritterlicher Unternehmungsgeist hatte den
Grafen Eberhard v. Württemberg dem
Dentschorden zu Hilfe nach Preußen zur
Ordensfahrt getrieben?) Mit 200 Pferden
hatte er sich dem starken Heere ange-
schlossen, das unter der Fahne des
hl. Georg durch den großen Grandenmald
zwischen Insterburg und Ragnit zur Memel
zog und nördlich vom Flusse den Samaiten
wiederholte Gefechte lieferte?) Wenige
Monate, nachdem Graf Eberhard so tapfer
für den Orden gestritten hatte, wurde in
den letzten Tagen des Novembers ein
Schwabe, Konrad v. In »gingen (im
Hohenzollernschen) zum Hochmeister er-
wählt. Mit seiner Wahl endigt die erste
Periode, die man als die heroische be-
zeichnen konnte. Die Kämpfe galten im
allgemeinen noch — mit Ausnahme der
Christen gewordenen Polen — den Heiden.
Schon 1401 wurden die Samaiten ge-
tauft, nachdem schon 1386 die Lithauer
das Christentum angenommen hatten.
Fortan hatte der Orden außer den Tar-
taren, die hin und wieder die Grenzen be-
drohten, nur christliche Gegner, die katho-
lischen Polen und die schismatischen Russen.
Solange der Kampf nur oder doch über-
wiegend Heiden galt, hatte die Bekriezung der
Preußen einen besonderen Reiz für jeden
christlichen Ritter. Mußte derselbe doch in
einer Heideufahrt ins Prenßenland einen Er-
satz für die Kreuzfahrten, die nicht mehr statt-
fanden, erblicken. Hier wie dort galt es,
dem christlichen Glauben neue Gebiete zu
gewinnen, Heiden zu bekehren und, wenn
es Gott so fügte, für den Glauben zu
leiden und zu sterben. Gar mancher der
schwäbischen und fränkischen Edelleute, die
ins Ordeusland Preußen zogen, gab da-
heim reichen Besitz und hohe Ehren, wie

-) Ebenda F. v. Stalin IV, 438.
H P. v. Stalin I, S. 574.

I GrafLudwig v. Oettingcu und Lndnng
v. Li eben zell, auf. Ihn lockte ein
höherer Preis, zu kämpfen, zu leiden und
zu streiten für die Jungfrau Maria unter des
Ordens Fahnen. Schrecklich war in der
Regel das Los der deutschen Herren, die
in die Hände der Preußen fielen. Lang-
sam wurden sie zu Tode gemartert. Wehe
, dem Priester, der wehrlos in die Hände
der Preußen geriet! Sein Los war
schlimmer noch, als das der Ordensritter.
Wer will es da den Ordensherren ver-
argen, wenn sie mit den aufständischen
Preußen nicht gar milde verfuhren!
Hatten letztere doch meistens vorher dem
Orden Treue gelobt und daun hinterher
dieselbe gebrochen. Ein Treubrnch galt
aber beim deutschen Ritter als besonders
ehrenrührig und gemein. Zieht man dieses
in Betracht, nimmt dazu die von den auf-
ständischen Preußen an Ordensmitgliederu
und Priestern verübten Grausamkeiten
und berücksichtigt mau die rauhe Art der
Kriegsführnng im.Mittelalter, so erweist
sich die Behauptung von der angeblich
grausamen Kriegsführung des Ordens als
Geschichtslüge. Auch hat der Olden
keineswegs, wie man hie und da liest, die
heidnischen Preußen ausgerottet. Man
möge nur nach Ostpreußen gehen. Ruhig
leben deren Nachkommen mit echt national-
preußischen Namen dort, so z. B. im
Samland, und sind dank dem Orden
Christen geworden. Daß an den Be-
mühungen des Ordens, Preußen christlich
zu machen, ein großer Anteil den Schwaben
und Franken znkommt, ergiebt sich ans
dem Bisherigen. (Forts, folgt.)
Meincre Mirroilungoii.
-de. Lavater u. Mas er(zu„D.-A."XX.S.42).
^ In den Mitteilungen zwischen Joh. Heinr. Mer ck
und Lavater in der „Historischen Monats-
schrift" von Aug. Heitler (Bern), I. Jahrgg.,
S. 48—70, findet sich zum 3. August 1774 in
Darmstadt auch ein Besuch Lnvaters bei Präsi-
! dent Fried. Karl v. Moser verzeichnet, welch'
letzterer Lavater im „completesten Staatshnbit"
empfing, ihm mit Thränen für die „Aussichten
in die Ewigkeit" und das „Geheime Tagebuch"
dankte, v. Moser, ein Freund Hamanns, sprach
mit Lavater über diesen, zeigte ihm dessen Por-
trät und übergab ihm zur Benutzung eins Menge
Briefe und Schrifteil Hamanns. L.s Reisebe-
gleiter war damals der Porträtmaler Gg. Fried.
Schmoll, den L. für die damals vorbereiteten
physiognomischen Fragmente beschäftigte und wel-
cher dann auch Merck für dieselben zeichnete.

StultMrt, Buchdruckern der Slkt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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