Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

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1 cm
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liche milde Stiftungen" nach. Hienach
hatte damals Karl Kehlborn (sic!) Ka-
nonikus bei St. Stephan in Mainz, die
Schloßkaplaneipfründe inne.H Ans der
ausführlichen Spezifikation des Einkom-
mens mag hier nur kurz erwähnt sein,
daß der Nutznießer aus einer Stiftung des
Erzhanses Oesterreich neben dem Genuß
eines kleinen „Gärtl" und von Wiese»
54 fl. 55 kr. an Hauszins und Bestandö-
geld ans Schupflehen in Birkenhart und
Aßmannshart sowie Naturalien (Roggen,
Beesen, Haber) ?), Hühner und Eier,
ferner ans einer Stiftung der Baronin
Maria Franziska Scheid 12 fl. und aus
einer solchen von Blasius Kapfer 16 fl.
erhielt. Alles in allem berechnet: 209 fl.
2'/» kr.!
Kanonikus Kolborn übt dermalen keine
Seelsorge aus, weil er als Hofmeister bei
der hiesigen jungen Herrschaft mit dieser
auf der Landreise begriffen ist
(Schloßarchiv).
Die Rückkehr von einer solchen größeren
(„Land"-) Reise stellt eine Aquarelle des
berühmten Malers Johann Heinrich Tisch-
bein °) dar. Dieser, welcher schon früher
das vortreffliche Porträt des Grafen Frie-
derich von Stadion gemalt hatte, war mit
dessen Familie befreundet und hatte 1781
die Pastellbilder zweier Töchter von jenem
und eine Ansicht von Schloß Warthansen
angesertigt. Diese Aquarelle mit Miniatnr-
porträts befand sich vor einer Reihe von
Jahren zu Wien im Besitz der jetzt er-
loschenen Warthanser Linie der Stadion;
Gräfin Lndwiga von der andern Linie zu
Stadion, geb. Prinzessin von Lobkowitz,
hatte einst die große Güte, eine vortreff-
liche photographische Kopie (25 : 18 cm)
für Schloß Warthansen Herstellen zu lassen:
Ein bepackter sechsspänniger Neisewagen
st Im Konstanzer Diözesankatalog von 1779
(S. 37) ist er, wie folgt, aufgeführt) rVaribnu-
sen ack St. Lsllmrinam. O. Eurolus Kolborn,
IVIoxuntinus. 8s. Mb. v. et 8s. cun. cunck. Lun.
blogunt. uck 8. Stepban. Ebenso lauft er noch
in den, Kat. von 1794 (S. 3) als Kaplan von
Warthausen mit der weiteren Bezeichnung: Irlect.
et ^rcbispisc. Lonsil. ktccl. Oecun. uck 8. Ste-
pban. Itloguntlae et in Nocbstaclt etc.
2) EZ galten damals diese Früchte pro Viertel
40, 26 und 12 kr., 1 Huhn und jo 10 Eier 4 kr.
st Geb. 1722, P 1789 als Direktor der Kunst-
akademie zu Kassel.

mit blasendem Postillen und Spitzenreiter,
begleitet von einem fnßgehenden Lakai,
fährt nach der Einfahrt der Oekonomie-
gebände. Oben am Schloßberg, wo jetzt
noch der alle Lindengang steht, findet die
Begrüßung der Heimkehrenden statt. Graf
Franz Konrad (Friederichs Sohn) st
gibt seinem Sohn Johann Philipp
(„Lips") 2) die Hand, während der andere,
Fried erich Lothar („Fritz")") seine
Mutter Louise, geb. Baronin Zobel von
Giebelstatt, umarmt.
Zwischen den beiden Gruppen steht eine
Schwester des Grafen Franz Konrad,
Therese, Gräfin Spaur. Alle diese Per-
sönlichkeiten stimmen in sprechendster Aehn-
lichkeit mit vorliegenden Oelgcmälden,
Kupferstichen und einem Pastellbild überein.
Ans diese Neise ist im weiteren Ver-
lauf nochmals zurückznkommen und war
das Voranstehende festznstellen, um auf
die Identität einer etwas rückwärts stehen-
den Gruppe zu kommen:
Einem wohlgenährten Lebemann in Heller
Kleidung mit geblümter „Bauchwcste", der
den Beamten kaum verleugnen kann und
sicherlich der Verfasser obenerwähnter Fas-
sion, Oberamtmann S ch öpp l,st ist, legt
ein schlanker, dunkelgekleideter Herr mit
angenehmen Gesichtszügen zum Gruß die
Hand auf die Schulter.
Es ist dieser ganz zweifellos der mit-
angekommcne Hofmeister Kanonikus Karl
Kolborn!
Um nun den Zusammenhang zwischen
Martin und Karl Kolborn herzustellen,
waren die Kirchbückec von Warthansen
zu befragen. In dankenswerter Weise hat
der derzeitige Herr Ortspfarrer das Wissens-
werte beigebracht. Ignaz Valentin Heg-

st) Geb. 1736, -st 1787, k. k. Kämmerer, Kur-
maiuzischer Geh. Rat und Oberamtmaim zu Bi-
schofsheim a. Tauber, „der buckelige Graf". ,Cor-
pore parvus srum, weil ihn eine Amme einst
fallen liest, sagt sehr diskret Pfarrer Heggelin.
st Geb. 1763, -st 1824, Gesandter in Stock-
holm, London, Berlin, St. Petersburg, 1806
Minister des Neuster», 1814 der Finanzen zu
Wien.
st Geb. 1761, Domkapitular zu Mainz und
Würzburg, Kurmainzischer Präsident, 1797—99
fürstbischofl. Würzburgischer Bevollmächtigter beim
Friedenskongrest zu Rastatt.
st Matthias Schöppl, hochgräfl. Rat und Ober-
amtmann, ,,orl^!ne Lobemus" starb 1791 am
Schlag l->poplexm tucius) auf seiner Kanzlei.
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