Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 128
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1903/0136
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
128

Volk za Wangen unversehens gleichsam einge-
fallen, drei oder vier Kompagnien Kroaten
dannen nngetroffen, aber doch Quartier geben
worden. Die Schwedischen sind allda auch allent-
halben (ausgenommen Bregenz, Lindau, Ueber-
lingen und Konstanz mit keinem Gewalt abge-
nonunen und allzeit gleichsam mit Schand ab-
ziehen müssen) hierum verblieben bis zu der
Haberzeit; an Korn »nd andern Sachen in dein
ganzen Landsort großen Schaden gethan mit
Rauben und Brennen der Kirchen, Dörfer und
Häuser, Stege und Brucken an den Wässern,
also daß inan ihnen schier aller Orten entweichen
müssen, oder große Kontribution geben, wer nicht
entwich. Und doch nichts geholfen. Ist endlich
Kühe und Kälber, Roß und Vieh, Hühner und
Eier, Korn und Haber, Geld und Geldswert
alles hingewesen, etliche auch gar um Leib und
Leben (der Seel ich geschweige) kommen. Das
hat gewährt bis in dis 30. Woche, da sind wir
Geflohene wieder allgemach wiederum herbei-
kommen, aber wenig gefunden, als leere Häuser
lind wellig in der Scheuer. WaS ist erfolgt?
Das Jahr noch voll hinaus sind die kaiserlichen
Räuber kommen und Habei! noch geraubt, was
die schwedischen übergelassen und den Leuten den
Garaus gemacht. Darnach ist worden große
Teure, Maiigel an Brot und allen Viktualien,
also daß die Leut unmenschliche Speisen müssen
essen, als da ist: Eicheln, Hirsestaub, Staub aus
der Mühle gebachen und Gras, darob sie ge-
schwollen und viel sterben müssen. Anno 1635
unl Johanni hat ein Viertel Korn gölten 6'/s fl-,
ein Viertel Roggen 5 fl., ein Viertel Haber 2'/? fl.
Ilm die Saat hat einer ein Viertel Sommer-
roggen, so man säen hat wollen, müssen kaufen
um 4 fl., ein Viertel Haber 2 sl., ein Viertel
Gersten 4 fl., ein Viertel Hirsesamen 18 Kr., in
Summa alles theuer, was man kaufen wollen.
Ohnedem Dieb waren genug, die den Leuten
das Ihrig genommen in den Häusern, Gärten
und Feldern. Das haben sie gelernt von dem
Feind, weil sie weder geistlich noch weltlich Re-
giment gehabt, dem sie weichen müssen. Aus
dieser Unordnung, Untreue und unmenschliche
Speis folgt jetzund leider Unwillen, Unfried,
große Seuchen, Pestilenz. Gott wolle cs gnädig
nbwenden. Amen! Albert Schilling.
-ck. Ein Ablaßbrief ans Avignon für
die Pfarrei Herlazhofen i. A. im ger-
manischen Museum. Im 14. Jahrhundert
war die Freude an der Verzierung der Hand-
schriften mit Miniaturen noch eine so große, daß
auch die Urkunden häufig mit solchem Schmuck
ansgestattet wurden. Alan begnügte sich nicht
mehr mit der früher üblichen Anwendung der
verlängerten Schrift und großer Initialen, son-
dern verzierte sie mit Farben und Bildern; schöne
Proben davon gibt n. a. das iVIusöe clss Lr-
ckivcs (Paris 1867). Natürlich eignete sich
sülche Ausstattung insbesondere für Dokumente,
die zu öffentlicher Vorweisung bestimmt waren,
wozu vorzugsweise die Ab laßv er leih ungen
gehörten, welche in großer Zahl von Avignon
ausgegangen sind, und, wie es scheint, regel-

mäßig oder doch sehr häufig mit farbigem Bild-
werk verziert waren. Meist sind diese Urkunden
von einer ganzen Anzahl von Bischöfen, zum
Teil in piartidus Inkclelium, deren Sätze oft
fehlerhaft geschrieben und schwer zu bestimmen,
deren Persönlichkeiten unbekannt und unbedeutend
sind. Begreiflich ist es, daß keine besonders
große Kunst auf diese Malereien verwendet
wurde; es galt, aus einiger Entfernung Eindruck
auf die Menge zu machen, und dem entsprechend
ist die Zeichnung flüchtig, die Färbung ziemlich
roh; starke rote Punkte z. B. verzieren häufig
die Wangen. Im übrigen wird sich Ausstattung
und Farbenschmuck nach dem gezahlten Preise
gerichtet haben. Eine solche Ablaßurkunde, welche
sich mit andern dergleichen jetzt in den Samm-
lungen des germanischen Museums befindet,
datiert Avignon vom 6. Mai 1343; sie ist im
ganzen einfacher, wie andere ausgestattet, und
sind nur die Anfnngsworte durch größere, ver-
deckte Schrift ausgezeichnet; in einem Quadrat
vor dem Anfang derselben stehen, nicht eigent-
lich farbig, sondern nur schattiert, drei hübsch
ausgeführte Gestalten unter Spitzbögen, ein
Bischof zwischen dein hl. Stephan mit Palme
in der Nechlen und einem Buche in der Linken
und der hl. Katharina mit dem Rad und der
Palme. Der Ablaß ist für dis Pfarrkirche
in Herlazhofen i. A., im damaligen Lnnd-
kapitel Jsny, jetzt Leutkirch, verliehen: ecclesiae
purrocbialis in IlsrluiNUiouen Eons!aucien. ciioc,
in Iionors soucti Llepdani protdomorUUs lun-
ckntn seu clecUcat-c. Der Ablaß ist nach dem
wahren Inhalte des Instruments von dein da-
maligen Abte Konrnd Kuffer des Benediktiner-
klosters Irrste in Schwaben, welcher in Herlaz-
hofen geboren war, crwirkt worden; und sollten,
was diesem Instrumente eine besondere Bedeutung
verleiht, desselben außer allen Wohltälern der
Kirche auch diejenigen teilhaftig werden: gui
pro Iratre Lunrocko clicto Eullor, obllote monu-
sterii soucts IVIarie cke Ersinn (Irrste) orclini?
s-cneti Ueneckicti, gui presentes inäulAencias
in liornnnn curia pro salute online sue iinpe-
irauit, et pro aniinalnis patris sui Ilainrici
et äclelllaickis inatris sue, gui idiclenr sunt
sepulti, et OINNIUIN parentuin suoruin et anri-
corum, necnon gui pro ckicte ecelesie dsne-
lactoridus uiuis et rnortuis pis Oeuin ora-
uerint. — Herlazhofen gehörte nie dem Kloster
Irrste; das Patronat über die dem hl. Stephan
geweihte, im Jahre 1426 neugebaute Pfarrkirche
stand von alten Zeiten her dem Benediktiner-
kloster Weingarten zu. — Das Pergament der
Urkunde ist stark und gut bereitet, die Schrift
groß und kräftig und zwar Bücherschrift, der in
alten Meßbüchern ähnlich. Siegel aus roter
Siegelinasse von spitzovaler Form zierten in
langer Reihe den untern Rand der Urkunde,
sind aber an derselben (allem nach längst) ab-
geschnitten. Eine gute Abbildung von der Ver-
zierung dieses-Jndulgenzbriefes geben in halber
Größe des Originals die „Mitteilungen aus dem
germanischen Museum", t. Band, I. Heft (1884)
auf Tafel I, deren Text man hier auch größten-
teils gefolgt ist.

Stuttgart, Vuchdruckerei der Akt.-Gs*- ^Deutsches Ve-lksblatt".
loading ...