Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 144
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jede das Haupt soavnis llaptistcce zu verehren,
und keine begeht einen Fehler wider den Glauben.
Jede glaubt bona licke von einigen Jahrhunderten
her, daß dieses das wahre Haupt sei. Keine
würde aber solches verehren, wenn es gewiß
wäre, daß selbes eine unterschobene, eine falsche
Reliquie sei. Sud kicks I,),poll,Stic-,, et bona kicks
verehren alle das Haupt sorinvis, welchen sie als
einelr Heiligen verehren. Ein Kanonikus der Dom-
kirche Annens in Frankreich, allwo auch das
Haupt 8. foanois Laptistae gezeigt wird, schrieb
an den Kardinal Baronius, was von diesem
Haupts zu halten sei? Baronius gab die Ant-
wort.' 11,l possicketis, itr, possicketis, nämlich die
Kirche in Amiens sei in dem Besitz dieser Re-
liquien bona kicke, mithin könne dieselbe solche
Reliquien verehren, ohne gewiß zu bestimmen,
daß dieses das Haupt soavnis Ilapustae sei. Es
können nicht gleich ohne besondere und augen-
scheinliche Proben die alten Reliquien verworfen
werden; indessen verehrt man dieselben bova kicks,
wie bisher geschehen, und vermutet, daß solche ex-
xositio ohne Approbation nicht geschehe» sei u. s. m.
Der hl. Bischof Karl Borromäus, dem nur
gar zu wohl die Meinung der Tridentinischci
Väter bekannt war, wußte, daß die Kirche zu
Besa»«ou behauptete, das wahre Schweihtuch
Christi zu haben, ohne davon andern Kirchen
etwas zu melden. Nichtsdestoweniger stellte er
eine Wallfahrt nach Turin an, um das dortige
Schweißtuch anzusehen. Er wollte einfach seine
Andacht und Verehrung all' demjenigen erweise»,
was den leidenden Heiland vorstellte und bisher
bona kicks für eine Reliquie gehalten worden.
Das Objeclum, der Gegenstand seines Eifers
und Andacht war Christus. Wenn auch dieses
Schweißtuch das wahre nicht sein sollte, so könnte
doch diese Verehrung kein Aberglauben oder super
slilio genannt werden, denn cultus superstitiosus
est cuitus inckeditus vel rei inäebitae. Karl
glaubte eben bona kicks, daß diese Reliquie wahr
sei, unthin daß derselben eine Ehre gebühre,
cullus clebilus rei, quam bona kille pulaba >
verain, et ickeo ckebitum eiclern esse cultum
(In neuerer Zeit sind bekanntlich wieder Unter-
suchungen des Turiner Schweihtuches angestell:
worden, welche indes nicht zu Gunsten von dessoi
Echtheit ausficlen.)
Ebenso verehrte man andere Dinge als Re-
liquien, welche einem Heiligen zugehörig gewesen,
z. B. dessen Kleidung, Marterinstruments u. dergl.
Wenn auch solche Dinge nicht immer die wahren
Stücke wären, so hält man doch solche boua kicks
für wahre Sachen, so diesem oder jenem Heiligen
zugehörig gewesen, und ist diese Verehrung kein
cultus incksditos, aut rei inclebitas, kein Aber-
glaube, sondern man hält selbe boua kille für-
wahre Dinge, welche den Heiligen zuständig und
dieselben wenigstens vorstellen per repraessn-
tatiouem. Auf diese Art werden verehrt die
Kruzifixe, obschon sie nicht aus dem wahren
Kreuzesstamm gemacht sind. Daher hat man
allzeit solche Dinge in den Kirchen, Kleider und
anderes, welches den Heiligen zugehörig war,
oder zu dessen Reliquien gehört, verehrt. — Es
muß aber überall immer boua kick es
dabei sein, denn die Betrüge und interessierte

falsche Listen sind sträflich. Diese Verehrung aber
ist nur cultus respsctivas; man richtet das Ge-
müt zu den Heiligen als Fürbitter.
Buchau contra Wallenstein. Der schwä-
bische Kreis, darunter nicht zum wenigsten auch
Oberschwnben, wurde bekanntlich in den Jahren
1627/28 von Wallenstein durch Einquartierungen
einer Menge von Truppen sehr hart mitgenom-
men, wogegen durch eine Abordnung beim Kaiser
Beschwerde führen zu lassen auf einen, im Früh-
sommer 1628 zu Riedlingen a. D. von Fürsten,
Herren, Städten und Adeligen Oberschwabens
abgehaltenen Tage beschlossen wurde; sollte darauf
wider Erwarten keine Abhilfe erfolgen, so wolle
man Lilly mit seiner ganzen Armee nach
Schwaben rücken und die kaiserlichen Truppen
vertreiben lassen. Damit mar aber die energische
Buch au er Fürstäbtissin Katharina,
Freiin von Spaur (1610—1650) noch nicht zu-
frieden. In einem eigenhändigen, an den Erz-
herzog Leopold zu Innsbruck gerichteten ausführ-
lichen (in den „Mitteilungen des Instituts f. oft. Ge-
schichtsforschung" VErg.-Bd. Heft 1 (1896) S.164 ff.
abgedruckte») Schreiben, <l. cl. 20. Juni 1628, ent-
wickelte sie in allein Ernste den Plan, den Land- und
Neichverderber Wnllenstein mit Hilfe eines
letzterem feindlich gesinnten Obersten — mit wel-
chen, ihr eigener Bruder, der Ligaoberst Dominik
Vigil, Freiherr v. Spaur, Erbschenk, auch Lan-
deshauptmann von Tirol, welcher beim Erzherzog
in hoher Gunst stand und infolge dessen auch
zu», General erhoben wurde, sich deswegen ins
Benehmen gesetzt — unter Versprechen seiner
Beförderung zum General und verschiedener
früherer Wallensteinscher Herrschaften überfallen
und demselben den Garaus machen zu lassen,
worauf mai, indes höchsten Orts nicht eingegangen
zu sein scheint. -cb.
Malerfamilie v. Ow (zu „D.-A." XX.
1902, S. 71—73 und 112).
Nach der im „genealogischen Taschenbuch der
adeligen Häuser" XVI, 1891 (Brünn, Druck und
Verlag von Friedr. Jrrgang, S. 465—99)
veröffentlichten eingehenden Stammbaume der
v. Ow(Au)schen Familie war Maler Andreas
Meinrad v. Om der Sohn des zu Sigmaringen
20. Juli 1674 geb. Malers Franz Anton von
Aw das. und der Franziska geb. Bnnnwarth
das. (Verehelichungsdatum 24. Nov. 1697) und
hat auch vermutlich bei diesem seine», Vater die
Malerei erlernt. Maler A. Meinrad v. Ow selbst
war zweimal verheiratet, I. seit 21. Januar 1742
mit Rosine, geb. Wolterin, 2. mit Elisabeth, geb.
Keßler (P 1809). Er halte zwei Söhne: Joseph
Fidel, geb. zu Sigmaringen 1769, -s 1831, und
Thomas Joh. Bapt., geb. zu Sigmnringen
21. Dez. 177 i, Maler und Stndtbaumeister
das., verehelicht mit Anna Maria, geb. Miller
(geb. 1787, -j- zu Harthausen 1859), P das.
23. Febr. 1843. Maler Thomas v. Ow hatte
wieder einen zu Sigmaringen 26. Okt. 1800 geb.
Sohn Meinrad Stephan v. Ow, der Maler
das. war und das. 3. Mai 1875 starb und (nach
Preuße» übersiedelte) Nachkommenschaft hinter-
lisß. Es war also dieser v. Owsche (der Oesch-
inger Linie augehörige) Zweig eine Zeitinng
eine ganze Malersamilie. -cü.

Stuttgart, BuchdruÜerei der Akt.-Ge^- „Deutsches Volksblatt".
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