Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 146
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t^in68, ex ciuH)us omniI)U8 cum praelerili 8tutu8
iu eccle8ia repudHeu et communi vita con8l-
6errrtio; tum im^enäeutium eveutuum, ric iu clie8
ma§i8<^ue in§lave8ceutium mulorum ^rae8u§itio
8eciet inuitorum ai)8tru8orum ^uctenu8 cle8i-
derutorum revelutio ob ocuIo8 per8picue po-
uitur."
Auf der Rückseite des Titelblattes ist
das Bildnis (Holzschnitt) des Verfassers,
welches einen etwas wartial drein-
schauenden, eher einem Knegsmann als
einem Gelehrten oder Beamten gleich -
sehenden, in der Rechten einen Folianten,
in der Linken ein Schwert haltenden Mann
mit folgender Adresse von Paul. Melissns
'Francns zeigt:
Haec 68t MI§ni6c! 8pecie8 I^eroicu VV o 1 5! ,
Hoc crrput, ^oc pectu3, l^emin iu 3idi propria
rotum
I'uIIuciucsue iute§ram re§na acceptare ^uratum,
Dtrocumciue kakitare Deae serveuter umarent.
utri re8ta.t tuntummoclo. I^.e8pice Rektor
?ailucii8 et Hlemiti8 8tuciiL mouümeutu reciucta
I'er tot ceuturiu8 uuuorum: vivere 6ice8,
^t lic^uido 8pirure etium nunc 0 or ^ u 8 opacum^
(^uocl trrnto8 peperit tanto 8u6ore 1a^ore8,
1'erpetuam auctori Nantes ^ro munere vitain.
Dazu macht noch unten „in ip>8um
opris" ein Or. j. u. Seb. Hornmoldt in
Heilbronn, poetn nob. GneZnneus etc.
folgenden VerS:
DexterituZ, ^ieta8, ^ruclentia, nobile Verum
Ilunc 5ecere Iii)rum; (^ui8 repreIren8or erit?
Das Werk enihäkt aber auch, wie das
Titelblatt weiter noch ankündigt, „tHpc>8
inZupen, picturns ntc^ue imnZine8",
vielfachen bildnerischen Schmuck in zahl-
reichen Abbildungen in Holzschnitt, ca. 200
in jedem Band; schon das Titelblatt ist
reich illustriert. Ans diesem reichen Bilder-
schmnck weiden wir zunächst vier Stück
unten besonders hervorheben, schicken aber
den, voraus, daß daö von heißem, wildem
Hasse auf das Papsttum durchzogene Werk,
von welchem wir nicht wissen, ob es aus
dem „irnüex librorum pmolribitorum"
steht, eine wahre Fundgrube von allem ist,
was das Verderben, die zahllosen Aus-
wüchse, Mißbräuche und Mißstände ver-
alten Kirche, die Notwendigkeit der Refor-
mation, die Verkommenheit des Papsttums,
dagegen die Unübertrefflichkeit des Luther-
tums dartnn soll; und cs ist in der Tat
erstaunlich, was für ein und wieviel (zum
Teil noch ungedrucktes) Material der Ver-
fasser, der zudem lange ans dem Lande,
ferne von jeder größeren Bibliothek gelebt,

überallher, aus allen möglichen Gebieten
und den entlegensten Quellen znsammen-
gebracht und in seiner Weise für seine
Tendenzen zu verwerten gesucht hat. Der-
selbe erweist sich als ein vielbelesener und
unterrichteter Literat und in Verbindung
damit als ein gewandter, wenn auch nicht
gerade klassischer Latinist, wenn nur nicht
überall die Tendenz, alles und jedes gegen
das Papsttum zuznspitzen, so offen und
unverhohlen und in so überaus gehässigcr
Art hervorträte; in dieser Richtung ist er,
einer der größten Antipapisten seiner Zeit,
gewissermaßen typisch für all' die zahl-
reichen Nachtreter, welche keine Gelegen-
heit vorübergchen lassen, wo sie dem Papst-
tum eines anhängen zu können glauben.
Sichtlich hat er alle 8cunciula, welchen
Begriff er füglich seiner Inhaltsangabe
auf dem Titelblatt hätte noch anfügen
dürfen, mit Vorliebe znsammengesncht;
ans dem vielen dieser Art erinnern wir
nur an die Nachricht von dem Domini-
kanerinnenkloster zu Nottweil ans
dem Jahre 1276 in lom. I p>. 597.
Wenn Wolf sich ferner immer über
den in der katholischen Kirche herr-
schenden Aberglauben anfhalten zu sollen
glaubt, so scheint er — nach manchen
Nachrichten, Notizen w. zu schließen
— selbst nicht frei von demselben ge-
wesen zu sein; bekanntlich hat der Aber-
glaube auch nach der Glaubenöneuernng
nicht aufgehört und ist namentlich in der
Neformation angehörigen Kreisen manch-
mal recht drastisch zu Tage getreten. So
ist denn auch dieses Werk in seiner Art
ein Beitrag zu der ganzen Welt voll Gift
und Geifer, voll Zorn und Haß, voll
unbändiger Wut und Gehässigkeit, welche
sich nach der Glanbensspaltnng zwischen
beiden Religionsparteien znsammengeballt
und dann sich so fürchterlich in einem
30jährigen Kriegsunwetter ohnegleichen in
Barbareien und Grausamkeiten über Deutsch-
land entladen haben!
Ohne hohe materielle Unterstützung wäre
ihm indes die Drucklegung und Illustrie-
rung des großen und jedenfalls kost-
spieligen Werkes, die, wie er im Titelblatt
(„3umptibu3 nritoris") angibt, auf seine
Kosten erfolgte, nicht möglich gewesen,
wie solche denn nicht bloß wohl durch
seine Herren, den Pfalzgrafen Phil. Lud.
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