Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 192
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Zu S. 499/500: Ausrichten, Zw.,
auch ----- bezahlen, etwas besorgen (seiteitt
eines Kommissionärs).
Zn S. 509: Ansschlenze (n), schlenzei
wird namentlich von einem Finger- odei
Zehennagel gebraucht.
Zu S. 510: Aus schmieren, Zw.
— hat in der bmschikosen Sprache auch
die Bedeutung von „ab fuhren".
Zu S. 522: Ausspannen — heißt
man in der Assekuranz - Kunstsprache das
Hernberziehen Versicherter von einer Ge-
sellschaft zur andern. Dieses verpönte
„Ansspannen" mittels maßloser Prä-
miennntcrbietung, das manchmal von ver-
schiedenen Gesellschaften getrieben wird,
konnte gewiß nicht stattfinden, wenn nicht
die älteren Versicherten dieser Gesellschaften
dadurch die Mittel dazu böten, daß sie
mit Lämmergeduld ihre zu hohen Prämie»
jahraus jahrein weiterbezahlen (ans einem
Anöschreiben der Stuttgarter GlaSversiche-
rnngsaktiengesellschaft vom 10. Juli 1886
im „Schwäbischen Merkur" Nr. 16l). —
Weitere Bedeutung anSsetzen.
Zu S. 525: Nus stechen wird haupt-
sächlich gebraucht, wenn man einem ander»
Nebenbuhler den Rang abläuft bei einem
Frauenzimmer, denselben aus dem
Felde schlägt; dann auch — auStrinken
(z. B. eine Flasche feinen Wein).
Aus stehen; vielfach wird die NA.
gehört: Einen im Blut nicht ausstehei:
können.
Zu S. 527: Aus st reichen — war
namentlich bei den Briefmalern in Ulm
im 15. und 16. Jahrhundert ein technischer
Ausdruck.
Zu S. 531: Austreiben — aus-
dünsteu (in Schwaben allgemein; nament-
lich vom Schulknaben).
Zu S. 536: Ausweiden — sagt
man auch, wenn man ein altes Haus innen
fast ganz ausreißt, um es neu anfzu-
bauen.
Zn S. 538: Aus werfen — cucare
bei Pferden.
Zu S. 545: ^.vec, das, — die liebe
Weiblichkeit; NA.: „mit 7^.." — mit weib-
licher Begleitung (hauptsächlich sind.).
Zn S. 646: Aversion, Hw., die,
Abneigung (z. B. eine wahre A. gegen
(vor) jemand haben; ans dem Lat.).

Briefkaste tt.
Nach Bo . . . Aus der im Mai d. I. bei
Georges Petit zu Paris versteigerte» auserlesene»
Sammluug alter Gemälde des Spaniers Pa-
cullp, über welche schon früher vor der Ver-
steigerung Artikel von den Konservatoren des
wouvrs L18S. I-skeuestrs und 1-eprieur erschienen,
wurden im ganzen nur 319 210 Frcs. (weit unter
dem Schätzungs- bezw. verlangten Preise) erlöst.
Darunter figurierte allerdings ein angebliches
Bild von Michael Pacher von Bruneck: Die
Dreieinigkeit. Meister Mich. P., dessen Wirksam-
keit in die Zeit zwischen 1405—98 fällt, das
Haupt der Künstlerfamilie dieses Namens, galt
bislang mehr als Bildschnitzer, wenn er
auch urkundlich als Maler lief; höchst unwahr-
scheinlich aber war er, wenn es auch neuerdings
wieder, sogar mit einer gewissen Selbstverständ-
lichkeit behauptet wird, beides. Sein Zeitgenosse
Friedrich P., wahrscheinlich ein Bruder, kommt
stets nur als Maler vor; von einem dritten,
Hans P., weiß man nicht, ob er Maler oder
Bildhauer war. Es liegt nahe, sich Michael
P. als Bildschnitzer, Friedrich P. als
Maler, Hans P. als Gehilfen und alle
drei zusammen als eine Werkstätte zu denken.
Von der Frage der Urheberschaft also abgesehen,
sei das angebliche Pachersche Bild, dessen Eindruck
als naturwahr und ergreifend geschildert wird,
gut und wird die Darstellung folgendermaßen
beschrieben: Im Mittelstück wird der vom Kreuze
abgenommene Heiland von Gott dem Vater mit
dem Arm aufrecht gehalten, im Hintergründe
rechts sieht man den hl. Geist in Gestalt einer
Taube, die Flügelbilder stellen den Ev. Johannes
und den hl. Antonius vor — eine ganz unge-
wohnte, aber eigenartige Darstellung der Drei-
faltigkeit. Keiner von allen alten Tiroler Meistern
hat so sehr die Aufmerksamkeit der Franzosen auf
sich gezogen wie Mich. Pacher, allerdings auch der
größte der alttirolischen Künstler; schon Marguillier
beschäftigte sich in der des deuux urts"
von 1891 eingehend mit ihm. Von sog. alt-
deutschen, bezw. altniederländer Bildern wäre aus
der Kollektion Pacullh weiter noch zu erwähnen
eine im Katalog als „Memling" bezeichnete,
aber nur unter der Bezeichnung „Brügger Schule"
versteigerte „Erscheinung der Jungfrau", wofür
80000 Frcs. verlangt, aber nur 34000 erlöst
wurden! Wer der Käufer war und ob die Bil-
der etwa bloß zurückgekauft wurden, kann ich nicht
sagen. Dis Anfrage geht überhaupt weit über
den Rahmen dieser Zeitschrift hinaus; wenden
Sie sich doch an ein Vermittlungsbursau oder
Auskunftstelle in Wien, München rc.! Im allge-
meinen kann man bei Erwerb oder Begutachtung
sog. altd. Bilder von berühmten, großen Meistern,
die eben auch zuweilen imitiert oder gefälscht
werden, auch in Paris, wo selbst reichlich über
1000 Antiquitätenhändler gezählt werden, nicht
vorsichtig genug sein, denn Paris ist nicht bloß
die Hauptstadt der Welt, sondern auch die Haupt-
stadt der — Fälscherkünste! Red.

Mit einer Beilage:
Titel und Inhaltsverzeichnis.
Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ge^. „Deutsches Volksblatt".
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