Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

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Der über den Verlust des Sohnes be-
stürzte Vater hatte indessen doch über
diesen Vorfall einige Kundschaft erhalten
und bat den katholischen Pfarrer um die
Nachricht von seinem verlorenen Kinde.
Dieser; versprach, ihm alles zu entdecken,
wofern er seinem Sohne selbst nachfolgen
wollte. Der Vater verstand durch das,
was er anderwärts schon von der Neli-
gionsänderung seines Sohnes gehört haben
möchte, sehr wohl, wohin diese Antwort
des Pfarrers zielte; er überlegte also die
Sache mit seiner Frau und seinem jüngeren
Sohne, und bald darauf folgte diese ganze
kleine Familie dem rühmlichen Beispiele des
älteren Sohnes. Sie unterwarfen sich alle
der Leitung des nämlichen Herrn Pfarrers,
uud dieser gab ihnen den Rat, ihr Hans
und Geräte in Leutkirch zu verkaufen uud
sich nach Langenargen, einem damals mont-
fortifchen, nuu österreichische» Flecken, zu
begebe», um dort vollkommener in der katho-
lischen Religion unterrichtet zu werden.

Dies geschah anch, und den 19. April
1722 legten sie bey den Vätern Kapu-
zinern zu Langenargen ihr feyerlicheS
Glanbensbekenntniß ab. An diesem näm-
lichen Tage ward ich geboren nnd erhielt
in der Tanse anf Verlangen meines Pathen,
des Pfarrers zn Leutkirch, den Namen
Mauritius."

„Der ältere meiner Brüder," erzählt
?. Thoman (S. 3) weiter, „starb als
Kapuziner in der Schweiz sehr früh-
zeitig."

Vom Jahre 1726 erfahren wir, daß
der Scholastiker Fr. Morandus aus Ober-
mettingen von Bregenz nach Langenargen
versetzt wurde (6. S. 24).

Am 8. Februar 1727 wurde die erste
Ordeuskongregation in Langenargen ge-
halten (l. S. 51).

Ein großes Freudenfest für die Provinz
brachte das Jahr 1729, uämlich die
Seligsprechung des Märtyrers Fidelis von
Sigmaringen, der ja aus der vorderöster-
reichischeu Ordensprovinz, allerdings zur
Zeit, wo sie noch mit der schweizerischen ver-
einigt war, hervorging. Auch in Langen-
argen (a. z. I. 1729) wurde nach der
Pfarrchronik ein feierliches Triduuni bei
den Kapuzinern gehalten.

Das Jahr 1730 führte wieder einen
Sprößling Langenargens als Scholastiker

in den Orden, der den Namen Fr. Venan-
tins erhielt (Z. S. 608). Wir finden
denselben im Jahre 1740 als Pater in
Engen (Mon. Eng. S. 55). Allein schon
1741 erscheint er in diesem Kloster nicht
mehr. Im Jahre 1743 jedoch wurde er
wieder dahin versetzt sMon. Eng. S. 60).
Sein Aufenthalt scheint diesmal bis 1747
gedauert zu habe», deuu erst iu diesem
Jahre wird er nicht mehr nnter den Mit-
gliedern der dortigen Ordensfamilie auf-
gezählt. Zum drittenmale kam er nach
Engen in, Jahre 1760 (Mon. Eng. S. 78),
verließ jedoch, diesmal endgültig, 1763
(Mon. Eng. S. 80) wieder dieses Kloster
und wnrde »ach Langenargen versetzt.

Gelegentlich einer Visitationsreise kam
im Jahre 1731 der OrdenSgeneral,
?. Hartmann von Brixen, anch nach
Langenargen. Er wurde vou Pfarrer und
Kaplan abgeholt und unter dem Geläute
der Pfarrglocken ins Kloster geführt.
Ebenso wnrde es gehalten, als er am
nächsten Tage schon wieder »ach Tettnang
weiterzog <>. z. I. 1731).

Verhängnisvoll für das Kloster Langen-
argen wäre bald ein schreckliches Hoch-
gewitter im Jahre 1733 geworden. Der
Blitz hatte bereits den Stadel des Münz-
hofes in Brand gesetzt, und der Wind
trieb die Flammen gerade gegen Kloster
und Pfarrhof. Allein die Gefahr ging
glücklich vorüber (a. z. I. 1733). An-
fangs Oktober dieses Jahres wurde Bruder
Ernst von Herznach aus Bregenz ins
Kloster Langenargen versetzt (6. S. 30).

Für das gute Einvernehme», das zwischen
Kloster und Pfarrhof bestand, spricht der
Umstand, daß am 3. Mai 1734 bei Ge-
legenheit der Primiz des Herrn Johann
Michael Mößner das Mahl im Kapn-
ziiierkloster gehalten wnrde (a. z. I. 1734).

Vom Jahre 1737 meldet die Pfarr-
chronik (z, I. 1737), daß sich der zu
Langenargen am 10. Januar verstorbene
Freiherr Franz Anton Romanns von
Hallerstein in seinem Testamente be-
sonders fieigebig gegen die Kapuziner er-
wies.

Einen hohen Besuch erhielt das Kloster,
als der Bischof vou Konstanz, Kardinal
Damian Hugo Graf von Schönborn, am
24. Juli 1741 über Langenargen nach
Tettnang reiste. Er visitierte bei dieser
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