Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

Page: 53
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1906/0061
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
nach wegen der Konsequenzen, welche eine
solche Nachgiebigkeit gegen die Studenten
für die Zukunft haben könnte; aber er
tat es doch »ne ucl Dominicanorum
puipita avolent, cfuos venari skuckiosos
6eprelren6imus« — schreibt D. Guardian
Hilarius Lechner (1771 — 74).
Ein andcresmal hatte man einen Lektor,
aber keine Zuhörer, auf die mau mit
Sicherheit rechnen konnte, und keine Ein-
nahmen zur Unterhaltung des Lektors.
Der Philosophie - Unterricht war dem
Konvent zur Last geworden. Hierüber
belehrt uns folgender interessante Eintrag
im Protokoll (November 1773):
»()uo6 atlinel. ?16l080p1ii3m 6oc 3NI10 5tu6l08i8
pr36le§6ii63m, c^uum inc1)6u8 ^I3bi8^rutu8
funcüare renuit, nu1Iu8 8tu6i'o8orum elapLO
311110 8c6ol38tico coriip3ruit, cjui pro 63c 86
comenduret, iiiIi6omIiiii8 8iidmi88U8 68d con-
ventui I^cctor ?6i1o80p6i36 6I3.P80 Oapitulo
int6rm66io, c^uiii p6tilu8 fuerit: 111166 §ran6e
§r3vamen 6t onu8 accr68cit Lonv6iitui, 6o<^uoc1
8lii6io3i8 I'6i1o8op6i3 ir>8tituencli'8 6or6iiuni pro
163 86 66cl3r3riiiit, nimi8 §rav6 3.cci66rit,
8udin 6X 1^l46,t1lOrieU. 1111118 V6l Ull6r 86 6c-
t6rmina.t 16c loci p161c>80p16u6 vacarc. 6lii66
6t, ut Oonv6ntu8 lioc c38ii I^ctorcm ^Icrc
t6netur §rutiL, cjuia Lapitulum p6r§it 8udirutt6r6
I^cctorcrn, 6t ^I3§i8trati.i8 oori surrclut, 6t 8tii6'io8i
8oIv6r6 m'I volcnt. I^t <^uo6 inuxiiiiimi. omiicm
om 111111063111 1i1)6rtat6rl'l pr36t6ii6iiiit, 6t 1i3ct6iiu8
conc6883 68t 6Ü8, 6t 81 ^u>6 66 1i3C in niiiiimo
minuitur, ad6unt 6t s.volant ^uo1id6t in iV1cn86
Hnan6o ip8i8 p1uc6t. 836118 68t, non 1i3dcr6
p6il080p6iam, (P113111 luin inor6inatain ; pru.ccipu6,
8i I^octor 86 §ruv6t, 1o§ic3m 6t 1'6^8icurn 8111111I
tra6er6 pro nd8o1uti8 1o^ici8 6t 3111116 36306163
K66torici8, cino irnpin§i 3pu6 n6§l6ctorurn
1^ur6nt68 kucilc pot68t.-
Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse
fanden auch in den folgenden Jahren
philosophische Vorlesungen statt. Indes
scheint die Zahl der Schüler meist klein
gewesen zu sein. So hatte 1777 ?. Re-
migius nur vier Zuhörer. Als der
?. Provinzial zum Zweck der Visitation
im August 1779 nach Gmünd gekommen
war, machte er einen neuen Versuch, den
Magistrat zur Fuudation des Philosophie-
Unterrichtes zu bewegen; vergebens. Der
Konvent trug die Last weiter. Im gleichen
Monat fand das philosophische Examen
mit Prämiierung statt. 1780 bemerkt
Guardian Höffer, daß die Philosophie
den Konvent »ob supernumerarioo U.U.
LIcricos plurimum« graviere. Im fol-
genden Jahre fanden zwei philosophische

Disputationen statt (Januar und Mai).
Dies ist die letzte Notiz über das philo-
sophische Studium in Gmünd, die wir dem
Protokoll entnehmen. Ob ?. Heinrich
Sib ert, welcher 1780—81 Lektor
der Philosophie war, einen Nachfolger
hatte, kann nicht gesagt werden, weil für
die nächstfolgenden Jahre die Einträge im
Protokoll sehr mangelhaft sind. Aber auch
später ist darin vom Philosophiestudium
keine Rede mehr.
In den andern Fächern nahm der
Unterricht seinen Fortgang. Die Zahl
der Klassen betrug — wenigstens
später — sechs, wie zum Jahr 1779
ausdrücklich bemerkt wird?) Damals fing
mau auch an, öffentliche Frühjahrs-
Prüfungen abzuhalten, welche in der Regel
drei Tage dauerten. Jeder der drei Pro-
fessoren erteilte in je zwei Klassen Unter-
richt, nämlich Rudimentes) und Gram-
matik, große und kleine Syntax, I. und II.
Rhetorik. Doch kam es vor, daß zwei
Klassen in eine vereinigt wurden, so 1778
die der Rhetorik wegen der geringen Zahl der
Schüler. Eine neue Aenderung wurde
1797 wegen der Kriegsunruheu getroffen?)
Die Studenten vereinigten sich auch zu
einer m ar i an i s ch en Ko n gr e g a t i o n,
die sich auf die Bürgerschaft ausdehnte
und namentlich 1773 zahlreiche Mitglieder
ft Zu vergl. den 1776 erschienenen Orclo
Uocenü! (Eubel, Geschichte der oberdeutschen
Minoritenproviuz, S. 127).
ft 1771/72 war N. Modestus Hahn Professor
der Rudiment» und Grnunuatik.
ft Im Jahr 1778 wurden in Gmünd die so-
genannten Normalschulen eiugesührt. Das
Franziskanerprotokoll erwähnt dies mit folgender
Notiz: „1778 Nov. 23. lilxamen daditum est
Zcdolarum dlorinalium gueis initium kecit ante
äuos menses 11. Ivrarer Ludcliacouus, st sammo
applausu ante et post prundium adsolutum
iisoue interluere totus ÄIuZistrutns. Decanus,
Canonici, et viri mnlieresrpie civitatis, ultimo
praemia clistriduta.» Zum 13. Dezember 1778
bemerkt das Protokoll: -l.otteria in pudlico
loro Uurantidus ldlunäinis 8. Nucias er seguen-
tidus ciiedus Valuta ad Inclito blsgistratu, <puas
constadat ex sortidus argsnteis stanneis et
cupreis, in sortein unain Uari soledant 12 I<r.
dae pecuniae ex erroridus dlumsrorum acceptae
applicadantur Itlagüstris 8cdo1arum dlormalium.»
— Bei den am 6., 7. und 8. Oktober 1788. ab-
gehnltenen Prüfungen der Normalschuleii waren
auch einige Franziskaner anwesend. Weiteres
s. Grimm, Geschichte von Gmünd, 313, Kaißer II,
316 ff.
loading ...