Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

Seite: 180
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Dessen Schwester Kunigunde in reicher
Zatteltracht. Welf IV. in Harnisch und
Waffenrock, ein Fähnlein in der Linken,
worauf der sächsische Rantenkranz. Welche
Beziehung dieses Wappen zu dein Grafen
haben soll, ist unklar, doch wäre möglich,
daß diese Fahne ans die Sachsenkriege
Bezug hat, welche er im Gefolge Kaiser
Heinrichs IV. als Anführer der Bayern
mitmachte. Der Kupferstich zeigt außer-
dem noch unten den welfischen Löwen.
Seine Gemahlin Judith, die Tochter
des Grafen Balduin pon Flandern, ist
die Stiftern: des heiligen Blutes (1090),
sie trägt deshalb auf dem Bilde ein Ne-
liquiengefäß in der Rechten, während die
Linke eine Kirche trägt. Das Wappen:
gestänkert mit leerem Herzschild, ist offen-
bar Phantasie. W e lf V., der Sohn und
Nachfolger Welfs IV., Herzog von
Bayern, genannt der Dicke, ist dargestellt
in kurzem Nock mit Pelzkragen und Hänge-
ärmeln, eine starke Kette über die Schulter,
die Linke ans das Schwert gestützt, zu
Füßen das bayerische Wappen. Heinrich
der Große, auch der Schwarze ge-
nannt, des vorigen Bruder, hält einen
Falken in der Rechten, trägt Harnisch und
Kettenkragen, die Linke greift an das
Schwert. Unten das bayerische Wappen.
Wulfhilde, seine Gemahlin, eine
Tochter des Herzogs Magnus von Sachsen,
erscheint in langen Gewändern, auf dem
Kopfe die Kröße. Heinrich der Stolze,
das Schwert in beiden Händen, trägt
einen Mantel mit langen Zackeuärmel»,
über den Rücken hinab hängt eine starke
Kette, welche unten in eine Agraffe endigt.
Das Wappen ist mit Bayern und Sachsen
geviert. Gertrud, dessen Gemahlin,
Tochter Kaiser Lothars, vermählt 1127,
mit der Krone ans dem Haupt. Welf VI.,
genannt der Fromme, barhäuptig, im
Tappert und Pelzkragen, in der Rechten
ein Schwert, darunter der Löwe. Uta,
dessen Gemahlin, mit langem Zopf, ein
Hündchen tragend; derenSohn, We l f VII..
der letzte, welcher diesen Namen führte,
im Talar mit weiten Zattelärmeln, daö
Schwert in der Rechten.
Es folgen Juditha, Mutter des
Kaisers Barbarossa, im Turban und
Sophia, deren Schwester, Gemahlin
Bertolds von Zähringen, mit einem

Falken. Heinrich der Löwe, Herzog
von Sachsen, Sohn Heinrichs des Stolzen,
mit Fahne, ans welcher zwei schreitende
Löwen. Wulfild, Tochter Heinrichs
des Großen, vermählte sich mit Rudolf,
Grafen von Bregenz, trägt einen Blumen-
kranz im Haar und um die Schultern
einen Schellengürtel. Heinrich der
Schöne, Pfalzgraf, der Sohn Heinrichs
des Löwen, eine modische Figur im Tap-
pert und über den Rücken hinablaufendem
Schellengehäna. Dessen Bruder Otto,
deutscher Kaiser, mit Krone, Reichsadler
und Szepter, unten fälschlich das bayerische
Wappen. Seine Gemahlin Beatrix,
mit langen Zattelärmeln, eine Tochter
Philipps von Hohenstaufen.
Daran schließen sich noch folgende Mit-
glieder der hohenstaufischen Familie an:
Friedrich I., mir Scepter und Reichs-
apfel, ans dem Haupte die Krone, Wappen:
Doppeladler mit einem Herzschild, worin
ein Löwe (Phantasie),
H einrich VI., der Sohn Friedrichs I.,
mit Krone, Scepter und Reichsapfel und
dem gleichen Wappen,
Heinrich, römischer König, der Sohn
Friedrichs II.,
Philipp, römischer König, der spätere
Kaiser,
Friedrich II., Kaiser, im Ornat, mit
Phantastewappen, und schließlich
Konrad, dessen Sohn, Wappen: der
einköpfige Reichsadler, im Herzschild ein
Löwe.
Diese Hohenstansenbilder finden sich nun
wieder in dem schon erwähnten Haager
Geschlechterbrrch, bei Busl S. 89 be-
zeichnet mit den Nummern 35—40. Diese
Zahlen stimmen mit den von Bucelin ge-
gebenen Kupferstichen überein, welche, wie
nachträglich bemerkt wird, von dem Kupfer-
stecher S. Grimm H gestochen wurden.
Nun spricht aber auch Crusins iu seinen
0 Ein Siegmund Grimm, eigentlich der
Arzneikunst vr., aus Zwickau, besah zu Anfang
des 16. Jahrhunderts (bis 1525) eine bedeutende
durch Simpert Ruf betriebene Druckerei in Augs-
burg. Sollten etwa die Kupferstiche iu dieser
Offizin ursprünglich entstanden und danach be-
zeichnet sein? Mit größerer Wahrscheinlichkeit
wird der fragliche Kupferstecher aber wohl S i m o n
Grimm in Augsburg, ein Schüler Phil. Kilians,
aus der Zeit der zweiten Hälfte des 17. Jahr-
hunderts gewesen sein. Die Red.
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