Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 10.1865

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spruch zum Bewußtsein und deutet außerdem auf ein Miß-
verstehen des Antiken überhaupt, ebenso wie der Aufgabe
der modernen Plastik und der eigenen des Künstlers.

Ein zweites Moment, welches Len principiellen Fehler
dieser genrehaften Behandlung als solchen bethätigt, ist
die technische Behandlung des Werkes. In Mar-
mor, jenem transparenten und dadurch gewissermaaßen
als Stoff abstrakten Material, wäre eine identische Kopie
dieser Gruppe, künstlerisch gesprochen, nicht möglich, weil
sie allen Reiz verlieren würde. Das Streben des Künst-
lers nach einer so Zusagen pastosen Fülle und Sinnlichkeit
in der Behandlung deö Fleisches, welche sich in diesem
Werke mit überraschender Unmittelbarkeit der Wirkung kund
giebt, nimmt seiner Form jenen abstrakten kühlen Schein
transparenter Leuchtkraft, der dem Marmor eigenthümlich
ist und wodurch dieser für abstrakte Motive — repräsen-
tative oder symbolische, wie man's nun nennen will —
wie geschaffen ist. Die B e g a sj'sche Richtung ist, um uns
dieses Ausdrucks zu bedienen, nur gypsfähig. Denn
nur der Gyps, und zwar nicht einmal der reine, unbefleckte
Gyps, sondernder ang etonte, hat diese Festigkeit und Fülle
in der Oberflächlichkeitswirkung, welche für die Entfaltung
des sinnlichen Reizes im Fleisch nothwendig ist. Selbst
Bronce leistete schon zu wenig für diese Genrehaftigtigkeit
der Behandlung. Am besten, glauben wir, würde die
Gruppe in Hellem Thon aussehen.

Ziehen wir aus dem Obigen ein kritisches Resultat,
so begrüßen wir zunächst die Begas'sche Richtung als
einen energischen Versuch zu einer Regeneration der moder-
nen Plastik in dem Sinne, daß sie ihrer wahren Aufgabe
der malerischen Behandlung sich bewußt werde. In
dieser Beziehung kann Begas als der „Rubens der mo-
dernen Plastik" bezeichnet werden. Aber er ist bis jetzt in
seinen Werken — da er aus Mißverständnis; leider meist
antike Motive wählte — über das Ziel hinausgegangen
bis zum Genre haften. Wir zweifeln jedoch nicht, daß
er, ein jugendlich rüstiger Kämpfer im Reiche des plastisch
Schönen, zu jener Sammlung und Ruhe, besonders aber
zu jener Klarheit über die wahre Richtung seines Strebens
gelangen werde, die ihn allein befähigen dürfte, Werke zu
schaffen, in denen Idee und Formengestaltung zu voll-
kommener Harmonie sich versöhnen. Gegenwärtig befin-
det er sich noch in einer Uebergangsepoche, d. h. in jener
Entwickelungsperiode wirklich begabter Künstlernaturen, die
ebenso viel Schmerzen wie Entzückungen in sich birgt,
ebensoviel Enthusiasmus wie Enttäuschung, und aus der,
wie ans einem Länterungsprozeß, das wahre Talent
schlakenrein zuletzt gekräftigt hervorgeht und selbstbewußt
zur vollen Kraft sich entfaltet, wenn es nicht — und da-
vor mögen ihn die Götter behüten — aus Selbstüberhe-
bung und Trotz sich dem Wahren verschließt und unter-
geh,.

Ausstellungskalender.

Den verehrlichen Krmstvereinsvorständcn

bringen wir hiermit in Erinnerung, daß wir — laut dem von uns an sie im August d. I. übersandten Cirkular
— nur diejenigen bevorstehenden Ausstellungen in dem Ausstellungskalender notiren, in Betreff deren uns
seitens der resp. Vorstände eine zustimmende Erklärung auf die im genannten Cirkular formnlirlen Propositionen
zugegangcn ist.

Sollte irgend einem Kunstvereinsvorstand das Cirkular nicht zugegangen sein, so ersuchen wir um gefällige
Nachricht darüber. Die Expedition der Dioskuren.

Deutscher Ausstellungskalender.

Für 1864/65.

Kesterreichischer Kuristverein in Wien. Wechsel der Bil-
der am Isten jedes Monats. (Siehe die Ankündigung in Nr. 65
vor. Jahrgangs.)

Kstdeiltscher Ayklns. Eröffnung am ,5. December^!864
zu Danzig. Es folgen Königsberg (2. Febr. 1865), Stet-
tin und Etbi-ng <1. April), Breslau (1. Mai), Görlitz.
Schluß Mitte August.

Süddeutscher Hyklus. Eröffnung im November 1864 zu
Regcnsburg. Es folgen Bamberg, Würzburg und Wi es-
baden. Schluß im August 1865.

Westlicher Hyklus. Eröffnung in Hannover (Ende Febr.).
Es folgen Magdeburg (2. April), Halberstadt (Mai), Halle
(Juni), Gotha (Juli), Kassel (1. September) Schluß im Ok-
tober.

Hljüringischer Kyklus. Eröffnung im April. Näheres
später. ___

Ausländische Ausstellungen.

'pariser Salon von 1865. Die Ausstellung beginnt am
1. März und schließt am 20. Juni. Werke aller Nationen;

Einsendungstermin 10. —20. März, 6 Uhr Abends. Die Be
dingungen sind die gewöhnlichen. Es müssen angegeben werden':
Vollständiger Namen, Geburtsort, Schule, Auszeichnungen und
Adresse. Prämien: Nur eine Art von Medaillen (400 Frcs.
an Werth); für die Malerei 40 Stück, für die Skulptur 15, für
Architektur 6 , für graphische Kunst 8; außerdem 2 Ehrenme-
daillen von je 4000 Frcs. Werth. Die Gesammtsumme des
Eintrittgeldes wird auf Ankauf von Werken der Ausstellung
verwandt.

cfil)0U: „Societe des Arts‘\ Eröffnung am 7. Jan. d. I.

Hordeanr. Kunstvereiusausstellung (Exposition de la
societe des Amis des Arts): Einsendungstermin von 1.—10.
Februar d. I. Bedingungen wie üblich.

Mail. Ausstellung des Vereins der Kunstfreunde. Eröff-
nung am 25. Januar, Dauer bis zum 15. Mürz. Einsendungs-
termin 20. Januar.

Glasgow. Eröffnung am 6. Februar d. I.

Dublin. Internationale Kunst- und Industrieausstellung.
Eröffnung am 9. Mai, Dauer 6 Monate. Von Antwerpen bis
Dublin trägt die Ausstellungskommission (ob blos für belgische
Kunstwerke?, die Transportkosten. Auch Photographien werden
in der für die Kunst bestimmten Abtheilung zugelassen.

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