Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 10.1865

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Deutsche Kunst-Zeitung.

Hrrllllsgegrden und rrdigirt

Br. Max Schasler.

1. Oktober
1863.

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AusftcUunggkakcndcr.

Kunstvcrkchr.

Nürnberg.

Beiträge zur Physiognomik alter Städte.
(Schluß.)

n allen Einzelheiten, auf welche
wir in dem vorigen Artikel über
die charakteristische Eigenthüm-
lichkeit des alten nürnberger
Wohnhauses hingewiesen, spricht
sich die unverkennbare Zusam-
mengehörigkeit von Form und
Zweck aus. Denn dies unter-
scheidet die frühere Bauweise
hauptsächlich von der modernen,
daß, wie wir im Material eine
Scheinarchitektur kultiviren, wie
wir Eichengetäfel von Gyps, ge-
preßte Ledertapeten von Stein-
pappe, Säulen von Stuck und
plastische Figuren von sandstein-
oder marmorartig angestrichenen
Zink haben, so auch der prakti-

sche Zweck der einzelnen konstruktiven Theile mit der an-
gewandten Form in keiner Beziehung steht. Zur Zeit
der alten nürnberger Privatarchitektur, d. h. am Schluß
des 15. und bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts, kannte
man diese elegante architektonische Lüge noch nicht. Man
bewarf keine Fachwerkbauteu mit Kalk, um den Eindruck
hervorzubringeu, daß sie massiv seien, noch weniger ver-
wandelte man Backsteinbauten in scheinbare Qnaderstein-
bauten, indem man in den Bewurf entsprechende Fugen
zog. Dagegen aber suchte man überall dem künstlerischen
Geschmack durch Anbringung zierlicher Ornamente zu ge-
nügen, welche mit dem Baukörper in konstruktiv-organischem
Zusammenhänge standen. Zur Unterbrechung der monoto-
nen Wandflächen brachte man senkrecht aufstrebende Strei-
fen und Stäbe an, man vertiefte die Fensterfelder in die
Mauer und überspannte sie paarweise oder auch mehrfach
mit doppelten oder auch einfachen Bogen, ja versah sie
zuweilen mit einer flachen Bedeckung. Man ordnete auch
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