Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 10.1865

Page: 317
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Aas Schreiben des Krn. Dr. August Ueichensperger,

womitderselbe die Redaction unsers Journals beehrt hat, und dessen wir bereis in unsrer vorigen Nummer erwähnten,

enthält folgende

„Auf S. 291*) steht zu lesen: „„Eine Rettung aus die-
ser Kunstinisvre, eine Wiedergeburt hält denn der
Berf. nur möglich in den — Klöstern.""

„Diesen Satz habe ich nicht aufgestellt, vielmehr
glaube ich ziemlich klar das Gegentheil gesagt zu
haben. Sollte eine verehrt. Redaktion bei aberma-
liger Durchlesung der Zeilen 15—31 aus S. 30**) sich
hiervon nicht überzeugen können, so bitte ich, diese
wenigen Zeilen gefälligst vollständig abzudruckcn,
um die Leser des Kunstblattes in den Stand zu
setzen, selbstständig zu intcrpretiren ***). Im klebrigen
thut aber auch der Gesammtinhalt nieincs Schrift-

*) (Nro. 34 und 35 der Dioskuren.)

**) Der Schrift „Die Kunst Jedermanns Sache".

***) Die Stelle lautet: „Es steht zu hoffen, daß die im Geiste
der großen Ordensstifter wieder erblühenden Klöster immer mehr
auch der großen Mission eingedenk werden, zufolge welcher nach
dem Einsturze der alten Welt mitten in der grauenhaftesten Ver-
wüstung die Künste innerhalb ihrer Mauern wieder die erste
Pflanzstätte fanden. Das Kloster bildet gewissermaßen eine Insel,
von welcher die Wogen des Weltlebens abprallen. In ihm
« kann daher auch vorzugsweise jene dem höchsten
Ideale zugewandte, von Seelenreinheil durchleuch-
tete, wahrhaft naive Kunstweisc wieder erblühen,
welche selbst unsere blasirtesten ästhetischen Fein-
schmecker in Ehrfurcht zu bewundern sich gedrungen
fühlen. Rach der jetzigen Lage der Verhältnisse wird insbesondere
die Uebung der kirchlichen Malerei und der sog. Kleinkünste ihre Auf-
gabe sein; eine ins Große und Allgemeine gehende Einwirkung würde
indeß selbst deren vollständige Regeneration nicht äußern können,
s° lange das Herz des gesammten Kunstorganismus, die, zunächst
der Pflege der Laicuwell obligende Architektur krank bleibt."
Ob hienach der Herr Vers, im Rechte ist, wenn er behauptet,
das Gegentheil von dem gesagt zu haben, was wir als Inhalt
seiner Ansichten aufgestellt, müffen wir dem unparteiischen Leser
Zu entscheiden überlassen. Es kann zugegeben werden, daß der Aus-
druck unsers Referenten, der Herr Vers, halte die Wiedergeburt der
Kunst „in, r möglich in den Klöstern" die Sache zu stark accen-
luirt und der Sinn durch die Verwandlung des Wörtchens
,,»ur" in hauptsächlich richtiger ausgedrückt wäre. Aber
dies ist doch weit vom „Gegentheil" entfernt. Sagt doch der
Berf. an einer andern Stelle (S. 18) „Wenn auch der Satz:
«Die Kunst Jedermanns Sache" in dieser Allgemeinheit nicht
Zu halten sein sollte, so kann doch darüber kaum ein Zweifel
obwalten, daß dieselbe, und zwar im eminenten Maaße,
Sache der Diener der Kirche ist." D. Red.

„Berichtigungen":

chcns aufs klarste dar, daß es mir nicht entfernt in
den Sinn gekommen ist, ausschließlich von den
Klöstern das Heil für die Zukunft der Kunst zu er-
warten.

Es ist sonderbar, daß, wie ich dies schon zum Oefte-
ren wahrgenommen habe, gerade Diejenigen, welche
am meisten Anstoß daran nehmen, daß ich niich, im
Gegensätze zur modernen Aufgeklärtheit, offen als
s. g. „Dunkelmann" bekenne, so emsig bedacht sind,
mich noch weit schwärzer anzustreichen, als ick in
Wirklichkeit bin; ein Bestreben, welches denn auch in
Ihrer Kritik meines Schriftchens unverkennbar her-
vortritt*). kkm noch einen Beleg hierfür anzuführen,
sei bemerkt, daß ich keineswegs gesagt habe, die Kunst
solle der Religion allein dienen, wie mir auf S. 281
Ihres Blattes in den Mund gelegt wird. Es wäre
interessant, zu vernehmen, wie Ihr Kritiker es mit
dieser Annahme reimt**), daß ich die mittelalter-

*) Wir müssen auch diesen Vorwurf ablehnen. Hielten wir
Herrn Dr. Reichensperger für einen so entsetzlich schwarzen „Dun-
kelmann", wie er meint, so würden wir wohl schwerlich den
Inhalt seiner kaum 30 Seiten umfassenden Brochüre sür so
gewichtig gehalten haben, um in derselben Nummer, in welcher
jene Kritik enthalten war, und zwar im Haupttheil des Journals,
„Aphorismen" aus genannter Schrift zu geben und gleich Anfangs
zu bemerken, daß dieselbe „viel Beherzigenswerthes enthält,
das, in einem energischen und nicht selten pikanten Stil vorge-
tragen, der weitesten Verbreitung würdig ist". Ja, noch in einer
folgenden Nummer haben wir bei der Betrachtung über „Nürn-
berg" eine ziemlich lange Stelle cilirt, mit deren Inhalt wir
vollständig übereinstimnien. Ilcbrigens ist die Sache mit dem
„Dunkelmann", wie der Herr Verf. sich mit feiner Ironie nennt,
während er — und theilweise mit Recht — das eigentliche Dunkel
in der Ausklärerei des verständigen, ebenso Poesie- tvie kraftlosen -
Raisonncments heutiger Zeit findet, nicht so schlimm, wie.sie
aussieht. Im Dunkeln tappen wir Alle mehr oder weniger, wenn
auch Keiner mit Absicht; herauszukommen an's Licht, sind wir
auch Alle bestrebt: der Unterschied ist nur der, ob mau das
Helle Sonnenlicht oder jenes mystische Helldunkel vorzieht, das
„durch gemalte Scheiben bricht." D. R.

**) Wenn ein solcher Widerspruch vorhanden ist, so war es
wohl nicht Sache des Kritikers, die widersprechenden Ansichten
des Verf.'s zu „reimen." Uebrigens erkennen wir hierin gar
keinen Widerspruch. Wenn im Mittelalter auch die profane
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