Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 10.1865

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Deutsche Kunst-Zeitung.

der Deutschen MMstuereiue.

(i Zehnter Jahrgang. J

Hjtransgcgtbcn und rrdigirt

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Dr. Max Schasler.

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| 1863. |

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„Die Dioskuren" erscheinen wöchentlich (Sonntags) in 1—iz Bogen 4w il I. Für Deutschland sämmlliche poitanstalttn, Luch- und Anulllsandlungiu
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der DiosRurcn“ an: || Leicester-sq.

Redactiousbureau Yictoriastrasse Nro. 16.

Inhalt:

Abhandclndcr Artikel: Studien *ur Charakteristik bedeutender
Künstler der Gegenivart. Xli-VIII. Bouav. Geuelli.
Korrespondenzen: X Wien, Anfang Juli. (Juniausstellnngen
des österreichischen Kunstvereins und des älteren Kunstvereius.
— R. Paris, Ende Mai. (Der diesjährige Salon. Forts,
und Schluß.) _

Kunst-Chronik: Lokaluachrichten aus Berlin, Kiel, Wien, Tü-
bingen, Nürnberg, Zürich, Winterthur, Bern, Nom.
KuiistgcilNichtr u. Antiquitäten: Eine Fahrt nach Belgien.
(Fortsetzung.)

Kunstinstitute u. Kinistvcrcinc: Kunstvercin zu Venedig.
Ausstcllnnggkalendcr.

Studien jur Charakteristik bedeutender Künstter der Gegenwart.

xlviii. Bonav. Genelli.

onaventuraGenelli ist
ein geborner Berliner, er
erblickte das Licht der Welt
im Jahre 1801. lieber
seine erste Jugend ist
wenig bekannt gewor-
den. Schon von seinem
Vater, der des Knaben
früh sich entwickelndes Talent erkannte, zum Zeichnen an-
gehalten, besuchte er später die berliner Akademie und ging
dann, nach Vollendung des Kursus, als achtzehnjähriger
Jüngling nach dem gelobten Lande der Kunst, nach Italien.
Dort halte zuerst durch Carstens und Thorw aldsen,'

später durch Cornelius,Overbeck, Veit, Schadow
u.A. die deutsche Kunst tiefe Wurzeln geschlagen. Genelli be-
theiligte sich zwar auch an den Fresken in der Villa Massimi,
und zwar an den Kompositionen aus Dante's „göttlicher Ko-
mödie", da Cornelius die Ausführung, einem Rufe nach
Düsseldorf folgend, aufgeben mußte; allein seine ganze
Geistes- und Gefühlsrichtung zog ihn in zu entschiedener
Weise nach dem Alterthum, und so nahm er denn die
große, einfache, aber auch nicht selten abstrakte und für
Malerei ungeeignete Kompositionsweise von Carstens
zum Vorbilde. Mit richtigem Gefühl hat er sich anfangs für
vie Darstellung seiner antik-mythologischen und altbiblisch-sa-
genhaften Motive nur auf die Zeichnung, das Fresco und
höchstens das Aquarell beschränkt, weil diese technischen Mit-
tel als solche von der Wahrheit und Naturhaftigkeit der
Wirklichkeit durch den ihnen innewohnenden Mangel an kolo-
ristischer Realität sich entfernen, d. h. ihrerseits abstrakter sind
als die Oelmalerei. Später freilich hat er die natürliche
Anomalie, welche zwischen der antiken Mythe, überhaupt dem
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