Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 10.1865

Page: 189
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Deutsche Kunst-Zeitung.

anpwNM der Dmtschen KUnstVereiue.

J> Zehnter Jahrgang. I

HerrmLgrgkbrn und rrdigirt

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> 28. Mai i

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Dr. Max Schasler.

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| 1863. |

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Inb

MhlMdclndcr Artikel: Liegen in der religiösen Kunst die Keime
eines höheren Aufschwungs und einer originalen Fortbildung
der Kunst überhaupt? von M. Sr. 2. (Fortsetzung.)

Korrespondenzen: R. Köln am 15. Mai. (Wandmalereien im
städt. Museum und in Gürzenich. Schluß.) — ^ Weimar
im Mai. (Alt- und Jung-Weimar; die „Ruhmeshalle" von
Wislicenus. Schluß.)

alt:

Kunstliteratur II. Album: Ungcr: Kritische Forschungen im
Gebiete der Malerei alter und neuer Kunst (Fortsetzung). —
Bibliographische Nebersicht.

Kunstinstitutc u. Kunstvereine: Verein für die Geschichte Ber-
lins. — Zur Abwehr gegen Kunstschwindel. — K. K. Aka-
demie der bildenden Künste in Wien. Vertheilung der Schnl-
preise an Zöglinge der verschiedenen Klassen.

Liegen in der religiösen Kunst die Keime eines höheren Aufschwungs und einer originalen Fortbildung

der Kunst Überhaupt? von M. Sr. (Forschung.)

2.

ür die Plastik glauben wir in un-
serm ersten Artikel den Beweis ge-
führt zu haben, daß die in unserm
Thema aufgestellte Frage entschieden
verneint werden muß. Die religiöse
Plastik, als wesentlich malerisch-sti-
lisirte Plastik, wird nie über die
großen Vorbilder hiuauskommen,
welche uns die alten Meister des
15./16. Jahrhunderts, namentlich
Michelangelo, hinterlassen haben.

Ganz ähnlich verhält es sich nun
auch mit der Malerei, und zwar
aus denselben Gründen. Man mag
von der absoluten Berechtigung des
Christenthums, als der nothwendigen Form des religiösen

Menschenbewußtseins überhaupt, denken, wie mau will:
Dies wird man nicht leugnen können, daß diese Form,
von den ersten Anfängen an bis auf die heutige Zeit,
unter den wechselnden Einflüssen des Zeitbewußlsseins
ein fortwährend sich änderndes Gepräge zeigt. Nicht von
dem traditionellen Inhalt des christlichen Dogmas ist
dabei die Rede, obgleich auch dieser allmälig eine ganz
andere Gestalt gewonnen hat, sondern von dem Verhalten
des menschlichen Bewußtseins zu diesem Inhalt, von dem
Grade, in welchem sich das Gefühl mit diesem Inhalt
identificirt, von dem Maaß der Unmittelbarkeit, wo-
mit d i e s er I n h a l t i n d i e E m p f i n d u n g a u f g e n o m -
men wird.

Dies Verhältniß ist mit der Zunahme an geistiger Freiheit
fortwährend lockerer geworden. Heut zu Tage kann ein Geist-
licher, und wäre es ein katholischer, nicht mehr wie noch
im I6ten Jahrhundert, die scheußlichsten Verbrechen be-
gehen, ohne deshalb in den Augen der Gläubigen ent-
heiligt und entwürdigt zu werden. Es ist zum Berwun-
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