Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 10.1865

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sagenhaft-Symbolischen, und der realistischen Oelmalerei
herrscht, unbeachtet gelassen und die abstrakteste Symbolik
in der Form ganz realer Erscheinung (als Staffeleigemälde)
zur Darstellung gebracht.

Zwölf Jahre lang war er in Rom, studirend und
schaffend, als er vom Buchhändler Härtel in Leipzig
den Auftrag erhielt, in dessen Hause einen Saal niit
mythologischen Motiven in Fresco auszuschmücken. Er
reiste in Folge dessen nach Leipzig, kam jedoch nicht dazu,
die übernonimene Aufgabe zu vollenden, da das ganze
Projekt eine Aenderung erlitt. Er schwankte, ob er wieder
nach Rom zurückkehren oder nach München, wo inzwischen
durch König Ludwig ein reges Kunstleben erweckt worden

war, übersiedeln sollte. Er entschied sich für Letzteres.
Bom Jahre 1833 bis zum Jahre 1859 hat Genelli, fast
als künstlerischer Einsiedler, in München gelebt, unbethei-
ligt an den zahlreichen und großartigen Mvnumentalma-
lereicn, welche durch Cornelius, Kaulbach u. A. in
München ausgeführt wurden. Ganz für sich lebend und
arbeitend, hat er hier seine geistvollsten und bedeutendsten
Kompositionen geschaffen. Als die neue Kunstschule in
Weimar gegründet wurde, nahm er einen Ruf an die-
selbe an und lebt seit 6 Jahren daselbst, fortwährend rüstig
schaffend, und durch die Größe seiner Anschauung einen
großen Einfluß auf die dortigen Künstler ausübend.

(Fortsetzung folgt.)

Korrespondenzen.

z Wien, Anfang Juli. (Juni-Ausstellungen des
Oesterreich Ischen K u n st v e r e i n S und des A e l t e r e n
Kunstvereins.) Auch im vorigen Monat haben wieder
beide Kunstvereine Ausstellungen veranstaltet. Der ältere
Verein ist jedoch diesmal nickt sehr glücklich gewesen.
Nur Albert Zimmermanns Landschaft, „Motiv aus
dem Berner Oberlande in der Schweiz" ist ein wahrhaft
gediegenes Werk von sehr schönen Farben und meister-
hafter Durchführung. — Sturm's „Badefatalitäten" ist
zwar recht hübsch gemacht, aber sehr gesucht arrangirt. —
„Der heimgekehrte Krieger" von Till wäre ein vortreff-
liches Bild, wenn die Auffassung des Motivs mit der
Malerei darin Schritt hielt. Von Schmerz über die Vor-
gefundenen Trümmer ist wenig zu sehen, und so bleibt
es interesselos. — Endlich erwähne ich noch die kleine
„Aulandschaft" von Nowopacky, welche recht verdienstlich
in der Malerei ist, aber etwas an oftgesehene Stiche eines
großen Meisters erinnert.

Im Oesterreichischen Kunstverein sind abermals
wieder meist Bilder aus der Sammlung des Prinzen August
von Sachsen-Koburg-Gotha ausgestellt, darunter eine große
Zahl, welche offenbar nur Erinnerungsbildchen sind, welche
— wenn die Verfasser darum gefragt wären — schwerlich
ausgestellt worden wären, da sie überhaupt nicht für eine
Ausstellung passen. Andere wieder gehören noch der Aus-
stellung vom vorigen Monat an. Beide Arten von Bil-
dern glaube ich übergehen zu können, um mich sogleich
den unausgestellten zuzuwenden. — Winterhalter's
„Portrait der Herzogin von Nemours" macht einen son-
derbaren Eindruck. Es trägt so sehr das steife Gepräge
von 1840, worin Penibilität der Pinselführung mit Ge-
schmacklosigkeit in der Anordnung der Umgebung zu gleichen
Theilen mitwirkt, daß das wirkungsvolle Atlaskleid für
diese Hauptmängeh nicht entschädigen kann. — Lorau's
(Paris) „Landschaft" besitzt eine sehr schöne satte Farbe
bei reizend heller Luft, welche trotz der gewitterartigen
Wolken ungemein viel Licht zeigt. — Rosa Bonheur's
kleines „Thierbild" ist von einer so reizvollen Zartheit und
Schönheit der Farben, wie ich noch keins der Art sah. —
Da ich einmal, wie Sie bemerken, nach der Nummerfolge
des Katalogs fortschriete, so muß ich hier eines „Portraits"
von A. Grottger und einer Landschaft von A. Zim-
mermann „Am Hintersee" erwähnen, von denen das
erstere besser unausgestellt geblieben wäre, während das
zweite sich auch nicht zu der Höhe des künstlerischen Kön-
nens erhebt, über welches der Meister gebietet. — In
de Keyser's „Tod des Damian de Lacy", einer Scene
aus den „Kreuzfahrern" von W. Scott, herrscht ebensoviel
Unwahrheit im Kolorit wie Unnatur in der Äction. In
dem Inkarnat der Gesichter ist die ganze Skala der Far-
ben vom schönsten Milchweiß bis zum tiefsten Braun durch-
laufen, auch im Uebrigen ein ungeheurer Aufwand von
Farbe;, die Komposition erinnert sehr an einen effektvollen

Aktschluß auf dem Theater. — Von Gauermann ist
eine „Bärenjagd" vorhanden, worin die Landschaft sehr
gut behandelt, die Hunde prächtig gezeichnet und gemalt
sind, während die Hauptperson, Meister Petz, weniger gut
fortgekommen ist. — Die „Jstrianerin" von Portaels,
offenbar Portrait, ist ein prachtvolles und schön gemaltes
Frauenbild. — Es folgt Vöscher' s „Motiv aus deni
Engadin", welches ebenso gut gezeichnet wie geschmackvoll
(wenigstens zum Theil) gemalt ist, nur erscheinen die
Felsberge in zu spitzen und eckigen Formen gehalten, so
daß der Gesammteindruck darunter leidet. — Auch die
Landschaften von Halauska („Motiv vom Bodensee"),
A. Schäffer („Waldausgang in Ungarn"), Marak („Aus
Oberungarn"), Hennings („Am Laga di Garda") und
Valent. Ruths („Spaziergang am Sommerabeud")
haben jede ihre Vorzüge, lieber die beiden letztgenannten
will ick noch eine besondere Bemerkung machen. Das
H ennin gs'sche Bild ist zwar im Vordergründe etwas
zu vorwiegend dekorativ behandelt, aber im Ganzen von
sehr schöner und wahrer Färbung; namentlich sind die
Luft und der See von meisterhafter Wirkung und daS Ganze
geistreich behandelt. Das Bild von Ruths besitzt eben-
falls viel Wahrheit aber in dem Sinne etwas spießbürger-
licher Wirklichkeit, ein Gepräge, das auch in der Staffage
zum Vorschein kommt. — Zwengaucr hat ebenfalls eins
seiner Effektstllcke ausgestellt, aber wie mich dünkt keins
seiner besseren. Was sonst noch von Landschaften vorhan-
den ist, spielt keine besondere Rolle oder ist schon früher
besprochen, wie die Bilder von Deiters u. a. m.

Unter den kleineren Genrebildern hebe ich noch hervor den
„Ackermann" von Jacque (Paris), ein Bild, das wirklich
prachtvoll gemalt und in Stimmung wie in Komposition
gleich vortrefflich ist; besonders heranszuheben ist die schöne,
fein abgewogene Einheit zwischen Landschaft und Staffage.
Auch Chavet's „Brautwerbung" ist ein geschickt gemach-
tes Bildchen, während Vertat's „Araber" in der Wir-
kung zwar bedeutend, aber etwas absichtlich erscheint. —
Recht schwach ist Pausinger's „Fuchs auf Enten
lauernd". — Sonderbar ist der Eindruck von Zeppen-
feld's „Freud und Leid"; schon in der Idee liegt etwas
Unverständliches: ein Geiger, der seinem kranken Weibe
etwas vorspielt, während beide einander anlächeln. Auch
sonst ziemlich schwach im Machwerk. — Die beiden Ach-
ten'schen „Phantasiestücke in grauer Oelmanierst, wovon
eins „Die verlassene Brant", das andere „Resignation"
betitelt ist, machen den Eindruck von kolossalen Photogra-
phien ohne besondern kompositionellen Werth.

Unter den zahlreichen Aquarellen, Zeichnungen, Radi-
rungen u. s. f. hebe ich diesmal nur die prachtvollen
Blätter von Jacque (Radirungen) hervor, welche in der
That Meisterwerke ersten Ranges sind.

Da der österreichische Kunstverein bis zum September
Ferien hat, schließe ich bis dahin meinen Bericht.
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