Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

Page: 307
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1' 1?ter Jahrgang

1; M 3S.

Herausgegeben und redigirt von

vr. Max Schasler.

Preis des Journals pro Quartal V/2 Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.

(Redaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Inhalt.

Korrespondenzen: F. K. M ünchen, den 14. Oktober. (Ausstellung im Kunst-Chronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Leipzig, Düsseldorf, München.

Kunstverein.) — T. M. Dresden, im Oktober. (Die Gobelins von Kunstkritik: Die akademische Kunstausstellung in Berlin. (Forts.) I. Malerei.

Oehme.) — X. Paris, den 5. Oktober. (Ein Ausflug nach Paris; 4. Zeit- und Kulturbilder. (Schluß.) 5. Militairische Bilder rc.

Reitlinger's Salon. Forts.) Ausstellnngskalender.

An unsere Leser.

Mehrseitig — auch von auswärtigen Lesern — ist uns der Wunsch ausgedrückt worden, unserm kritischen Bericht über
die berliner Kunstausstellung einen größeren Rauni zu gewähren. Indem wir diesem Wunsche Nachkommen, bemerken wir, daß in
Folge dessen nur die Korrespondenzen und die Chronik in ihrem bisherigen Umfange beibehalten, alle andern Rubriken, namentlich
auch die abhaudelnden Artikel, bis zum Schluß der Ausstellungsberichte auf ein Minimum beschränkt werden müssen.

Berlin, 22. Oktober 1872. Die Redaktion der Deutschen Knnstzeitung.

Korrespondenzen

ünchen, den 14. Oktober. (Ausstellung im

_ Kunstverein.) Die alte Klage der hiesigen

Künstler, daß man in München wenig oder
fast gar keine Kunstwerke auswärtiger Künst-
ler zu sehen bekommt, ist eine durchaus be-
gründete. Denn die Behauptung, welche uns
entgegen gehalten werden könnte, daß wir ja
in der Neuen Pinakothek genug neuere Bilder
besitzen, ist nicht stichhaltig, weil jene Bilder
keineswegs die moderne Richtung repräsen-
tiren; sie gehören schon einer früheren Pe-
riode unserer Zeit an und gaben nichts we-
niger als ein anschauliches Bild der heutigen
Malerei. Seit einer ganzen Reihe von Jahren sind keine neuen
Bilder angekaust worden, und wäre die alte Pinakothek nicht schon
da, man könnte aus jenem Grunde in Versuchung kommen, die Neue
Pinakothek als alte zu bezeichnen. So hoch hier die Wogen des

Kunstschaffens gehen und so wohlverdient vermöge der Leistungen
auf dem Gebiete der Malerei der Ruf Münchens als bedeutende
Kunststadt ist, so thut doch der Staat seit einer Reihe von Jahren
gar nichts, um durch Ankauf bedeutender moderner Werke, in dem
dazu bestimmten Tempel, ein lebendiges Bild von der Kunstthätig-
keit Münchens zu geben. Und das ist eine bittere Klage, die man
hier oft genug mit Recht aussprechen hört. Man halte uns nicht
entgegen, daß es in der Neuen Pinakothek am Platz fehle. Da giebt
es eine ganze Anzahl von Bildern, welche vermöge ihrer Mittel-
mäßigkeit und ihrer dilettantischen Ausführung gar nicht hinein-
gehören und bei deren Besichtigung dem Fremden unwillkürlich der
Gedanke kommt, sie seien nur aufgehängt, um die Wände damit zu
bedecken. Ich spreche hier nicht von den Hauptsälen, in denen Werke
Piloty's, Rottmann's u. a. renommirter Künstler vertreten sind, aber
in den Seitensälen gäbe es genug aufzuräumen!

Die letzte Woche brachte uns eine Anzahl Gäste aus Paris,
die sich im Kunstverein vorstellten. Den Künstlern, denen seit der
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