Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 5.1899

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Octave Maus—Brüssel:

Philipp kittler—münchen. »Nürnberger Trichter*. Feuerzeug. Ausgef. von g. leykauf—nürnberg.

es unter die drei-jbis vier hervorragendsten
neuen Werke dort. Was man von dem
Reiz eines alten Antonello da Messina etwa
für unser ig. Jahrhundert unmittelbar retten
konnte, das bietet es. Die Farben, ein un-
gegliederter, blauer Hintergrund, ein stark
röthlich - braunes Carnat, das Weiss des
Sweaters, gaben einen vollen, wohlthuenden
Dreiklang; farbenkräftig und doch nicht
gleissnerisch. — Das Werk ist gediegen
und sorgfältig gemalt, doch wusste die
Hand stets dem Pinsel halt zu gebieten,
ehe die Arbeit kleinlich durchgeführt wurde.
Ueberall arbeitet er bis die Bildnissähnlich-
keit herauskommt, treibt es aber nie so
weit, dass er auch den Augenblick mit fest-
hält. So, indem er alle die kleinlichen Einzel-
heiten, alle die Zufälligkeiten, die die Ge-
schlossenheit des Ganzen zerbröckeln würden,
vermeidet, ist es Unger auch gelungen, den
Kopf psychologisch zu vertiefen, wie man
es kaum bei einem anderen Bildniss der
Ausstellung fand. Hans W. Singer—Dresden.

PAUL DU BOIS-BRÜSSEL. Gemäss
der Bestimmung unserer Zeitschrift, auch
auf ausgereifte Kunst des Auslandes hinzu-
weisen, insbesondere auch das Schaffen der
uns verwandten Niederlande vorzuführen,
veröffentlichen wir nachstehenden Aufsatz
über einen führenden Bildhauer Belgiens.
Der Verfasser, Octave Maus, dürfte vielen
unserer Leser als Kunstschriftsteller, wie als
Vorsitzender der Vereinigung »Libre Esthc-
tique«. in Brüssel bekannt sein. — Abbild-
ungen nach Paul Du Bois finden sich auf
Seite 170 u. 173 dieses Heftes. Die Red.

£

Die Wiedergeburt der belgischen Bild-
hauerei lässt sich schwerlich mehr als
30 Jahre zurückführen. Von allen Künsten
war diese die langsamste in der Befreiung
von den traditionellen Formen. Während
die Maler in geräuschvollem Zuge schon seit
lange die gebrechliche Citadelle der Aka-
demie verlassen hatten, blieben die Bildhauer
eigensinnig auf den Wällen und bevölkerten
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