Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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ARCHITEKT FRIEDRICH HU'ME BERLIN.

»VERWALTUNC.S-GEBAUDE SIEMENS & HALSKE«

ARCHITEKT FRIEDRICH BLUME-BERLIN.

Uber Wesen und Wollen des Architekten
Blume seien hier nur ein paar vorläufige
Bemerkungen gebracht. Spätere Arbeiten wer-
den uns seine Persönlichkeit voller, klarer,
tiefer zeigen. Seine Persönlichkeit, und die all-
gemeine Bedeutung seiner Kunst.

Das große Bürohaus, das sich die Siemens-
Schuckert-Gesellschaft am Nonnendamm er-
bauen ließ, hat in seinem Äußern nichts, was
auffallen könnte. Die Architektur will nicht
blenden, nicht überraschen, nur ein würdiges
Kleid sein für das Riesenunternehmen, das
hier seine Geschäfte zentralisiert hat. Die
Sache spricht allein. — Anders im Innern. Es
entwickelt sich in unsern großen Geschäfts-
und Bürohäusern immer mehr die Sitte, den
ersten Lichthof als den eigentlichen Repräsen-
tationsraum auszubilden. Die weiten Span-
nungen, die gewaltigen Höhen, die starken
Gegensätze von Hell und Dunkel geben die
Möglichkeit, Architekturen von höchster Monu-
mentalität hinzustellen. Über die prinzipielle
Berechtigung dieses Verfahrens ließe sich strei-

ten. Ich wenigstens habe bisher noch keinen
Fall getroffen, wo solche künstlich geschaffenen
Repräsentationsräume sich in den Organismus
des Hauses ohne Bruch eingefügt hätten. In
der Kirche entsprach der große, einheitliche
Kuppelraum dem Sinn und Wesen des Gebäu-
des, er eint die Massen, er erhebt die Seelen zu
Gott. Fest- und Versammlungsräume wollen
ebenfalls einen und erheben. Der Lichthof des
Bürohauses hat aber niemals eine ähnliche Be-
deutung. Die Tausende, die in den Räumen
arbeiten, tun ihre Pflicht jeder für sich, jeder an
seinem Schreibtisch, die Gänge und Hallen
haben nur für den raschen, reibungslosen Ver-
kehr zu sorgen. So bleibt der monumentale
Lichthof ein Schaustück, wie er es schon bei
Messel war. — Blume hat in seinem Siemens-
bau eine Repräsentationshalle errichtet. In
dem gegebenen Rahmen hat er aber unleugbar
ein Stück großzügiger, wirkungsvoller, edler
Architektur geschaffen. Gerade die von ihm
gewählte archaische Strenge der Formen läßt
die Wucht der Massen, die kühne Auftürmung

XIX. September 1916.
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