Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 46.1920

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Aus der Gartenstadt Margarethen-Höhe.

die Fensterläden und Haustüren, an denen er
sich schadlos hält, die ersteren auf grünem oder
blauem Grund bunt mit Blumen oder geometri-
schen Figuren ausmalend, die letzteren mit
weißgestrichenen, lustig gedrechselten Gitter-
einsätzen in immer wieder neuen Formen be-
lebend. Hier scheint der Springquell seiner
Einfälle unerschöpflich zu sein.

So ist denn Margarethen-Höhe, Wirtschaft-
lichkeit, Wohnlichkeit und künstlerische Haltung

in glücklichster Weise vereinigend, in den elf
Jahren seines Bestehens, von denen die fünf
Kriegsjahre nicht voll zählen können, groß und
stattlich geworden, im Kranz der deutschen
Gartenstädte ein reifer, voller, gesegneter Strauß.
Wie sich seine Entwicklung in Zukunft gestalten
wird, läßt sich im Augenblick nicht sagen, es
ist kaum anzunehmen, daß die nächste Zeit mit
ihrer namenlosen Verteuerung der Baukosten
dem Ausbau förderlich sein wird. gosebruch.

VOM DEUTSCHEN KÜNSTLERTAG

22. APRIL 1920.

Einen deutschen Künstlertag hat die
Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft,
die größte und älteste, sich über das ganze
Reich erstreckendeVereinigung bildenderKünst-
ler, am 22. April im ehemaligen Herrenhause
zu Berlin einberufen. Er hatte den Zweck,
einerseits einen Zusammenschluß aller Künstler-
vereine in wirtschaftlichen und Standesfragen
anzubahnen, andererseits von der Regierung
eine angemessene Standesvertretung zu fordern,
und zu verlangen, daß nicht wie seither Gesetze
und Verordnungen ergehen, Einrichtungen und
Ämter geschaffen würden, die die bildende
Kunst betreffen, ohne daß die Künstler vorher
gehört worden sind. Die Versammlung wurde
von Prof. Otto Heinr. Engel geleitet. Als erster
Redner sprach Dr. Maximilian Pfeiffer, Mitglied
der Nationalversammlung. Er konnte der Ver-
sammlung die erfreuliche Mitteilung machen,
daß ihre Bestrebungen schon zum Teil Erfolg
gehabt hätten, indem auf seine Anregung hin
die bildende Kunst im Reichswirtschaftsrat in
Zukunft vertreten sein werde. Und zwar solle
der Werkbund sowie die vereinigten Verbände
bildender Künstler Berlins und diejenigen Mün-
chens je einen Vertreter präsentieren. Professor
Heinrich Straumer, Vorsitzender des Verbandes
deutscher Architekten, sprach sodann über die
Dinge, die die Architektur berühren. Er führte
unter anderem aus: Es ist kein Geheimnis, daß
der unglückliche Ausgang des Krieges uns arm
an Rohstoffen gemacht hat, während wir über
Arbeitskräfte in reichlichem Maße verfügen.
Daraus folgert zwingend, daß es nur ein ein-
ziges Mittel gibt, die deutsche Wirtschaft auf-
recht zu erhalten, wenn nicht mit einem Hunger-
sterben oder Massenauswanderung gerechnet
werden soll, nämlich diese Arbeitskraft so hoch-
wertig wie möglich in Form von Qualitätswaren
auszuführen. Es muß Aufgabe der Regierung
sein, planmäßig auf diese Hochwertigkeit der
deutschen Arbeitskraft hinzuweisen, und hier

beginnt die ungeheuere Bedeutung der Kunst
und der Künstler für die deutsche Wirtschaft
deutlich zu werden. Dort wo die Arbeit des
deutschen Kunstgewerbes schon vor dem Kriege
erfolgreich sich bemüht hat, muß eine staatlich
mit allen Mitteln geförderte Organisation ein-
setzen, das deutsche Volk zu Qualitätsarbeit
erster Klasse zu erziehen. Die gesamte Künst-
lerschaft muß hinein in die Werkstätten! Wie
wenig die Bedeutung dieser Frage erkannt ist,
beweist das im höchsten Maße kulturfeindliche
und verderbliche Gesetz über die Luxussteuer.
Die Steuer richtet sich nämlich gegen die Qua-
litätsware, welche für die Zukunft unseres Kunst-
gewerbes, für den Export, für die Hebung der
Valuta von höchster Bedeutung ist. Wie wider-
sinnig das Gesetz auch sonst aufgestellt worden
ist, beweist der Unterschied, der zwischen
künstlerisch und schlicht gemacht wird. Künst-
lerisch und schlicht sind durchaus keine Gegen-
sätze! Es ist ganz unmöglich darnach festzu-
stellen, ob ein Möbel künstlerisch gestaltet ist
und somit der Luxussteuer verfällt, oder ob es
als „schlicht" frei bleibt. So wie man bei diesem
Gesetz die eigentliche Fachwelt, die Künstler
nicht gefragt hat, so hat man es auch mit an-
deren gemacht. Welche großen Worte sind der
Wohnungsfürsorge und der Heimstättenbeschaf-
fung gewidmet worden! Millionen hat man auf-
gewendet. Und was ist dabei herausgekommen?
Nichts! — Warum, weil der zünftige Fachmann,
der Baukünstler mit einer Geste, als den wirt-
schaftlichen Fragen fernstehend, beiseite ge-
schoben wurde. Es ist eine Tatsache, daß in
den gesamten halbamtlichen Wohnungsfürsorge-
Gesellschaften und in den dienstlichen Ämtern
für Wohnungsfürsorge kein einziger derjenigen
Fachleute sitzt, die durch jahrelange Arbeit auf
diesem Gebiete bekannt sind. Die Klubsessel-
krankheit des Krieges ist in der Revolution zur
wütenden Seuche geworden! Der Redner trat
ein für eine feste Organisation der Künstler,
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