Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 46.1920

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WETTBEWERB FÜR ZIGARREN-PACKUNGEN.

VERANSTALTET VON DER FIRMA HEINRICH CONRAD DEINES—HANAU A. MAIN UNTER FRÜHEREN
UND JETZIGEN STUDIERENDEN DER KUNSTGEWERBESCHULE OFFENBACH A. MAIN.

Gleichzeitig mit dem im April-Maiheft der
„Deutschen Kunst und Dekoration" be-
handelten Wettbewerb Landmann-Mannheim
spielte sich in einem enger umrissenen Kreis
von Künstlern und solchen, die sich auf dem
Weg zur Künstlerschaft befinden in Offenbach
a. Main ein gleichartiges Ausschreiben für Zi-
garrenpackungen ab. Die rühmlichst bekannte
Firma Heinrich Conrad Deines, Lithographische
Kunstanstalt in Hanau a. Main stellte der Di-
rektion der Technischen Lehranstalten Offen-
bach den Betrag von 5250 Mk. zur Veranstaltung
eines Ausschreibens unter der jüngeren Gene-
ration früherer und den derzeitigen Studieren-
den der Kunstgewerbeschule zur Verfügung.
Gewiß eine hohe Summe, die zu Preisen führte,
die mit denen des Landmannschen Wettbe-
werbs ziemlich übereinstimmen. — 90 Arbeiten
wurden eingereicht. Das Preisgericht entschied
wie folgt: Zwei I. Preise zu je 1000 Mk. an
Georg Baus-Leipzig und Fritz Rosenthal-Berlin.
Zwei II. Preise zu je 750 Mk. an Hans Schrei-
ber-Offenbach und Hans Bohn-Frankfurt. Ein
III. Preis zu 500 Mk. an Hans Schreiber-Offen-
bach. Weiter fünf IV. Preise zu je 250 Mk. an
Georg Baus-Leipzig, Hans Schreiber-Offenbach,
Hans Bohn-Frankfurt, Frau Leni Collin-Bohn-
Frankfurt, Wilhelm Grimm-Offenbach. DieEnt-

XXIII. jull 1920. 6

würfe hielten sich mit wenigen Ausnahmen auf
einem außerordentlich guten Niveau. Was an
dem Wettbewerb besonders erfreute, war das
Vorherrschen vorzüglicher Schrift. Die strenge
Schriftschule der Offenbacher Anstalt, die der-
zeit in der Kunstgewerbebibliothek Berlin durch
die Sonderausstellung „Offenbacher Schreiber"
unter Rudolf Kochs Leitung mit großem Erfolg
ihre Arbeiten zeigt, trat in augenfälligste Er-
scheinung. Der Charakter der Zigarrenpackung
war ebenfalls durchweg gut getroffen.

Einem der Hauptpreisträger des Landmann-
schen Wettbewerbs begegnen wir auch bei
dieser internen Offenbacher Konkurrenz: H ans
Bohn, der vorzügliche Graphiker, heute Mit-
arbeiter bei Gebrüder Klingspor, stand auch
hier mit einer Reihe von gut gelungenen Ent-
würfen im Vordergrund des Interesses. Der
Entwurf Tropenglut müßte insbesondere auch
durch seine frischen und für Tabak charakte-
ristischen Farben eine außerordentlich wirkungs-
volle Zigarrenmarke abgeben. Georg Baus-
Leipzig war mit 4 flott hingeschriebenen Ar-
beiten, worunter der feinfarbige, in gold, grün,
violett gehaltene Entwurf „Brothers Jonathan"
an erste Stelle rückte, vertreten. Nur eine
Arbeit reichte Fritz Rosenthal-Berlin ein, eine
abgeklärte reife, architektonisch vorzüglich auf-
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