Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 46.1920

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ANTON HANAK WIEN.

SKIZZE KUR PLASTIK.

UMSCHWUNG IM EXPRESSIONISMUS.

VON WILHELM MICHEL.

Auf den Geist berief sich die junge Kunst bei
k ihrem Auftreten. Wie wollte sie dieses
Wort verstanden wissen? Es schwankt zwi-
schen vielen Bedeutungen, die unter einander
verbunden sind, hier mit breiten Grenzstreifen,
dort mit dünnen Stegen. Da scheint es be-
zeichnend: Beliebter als das Wort Geist war
in expressionistischen Erörterungen das ab-
schwächende Adjektiv „geistig". Geistig ist
das Wesen der jungen Kunst in jedem Falle:
geistige Fragestellung ist ihr Anstoß, geistiges
Erleben ihr Gegenstand, geistiges Erfassen ihre
Anschauungsweise, geistiger Ausdruck ihr Ver-

fahren. „Geistig" immer im Gegensatz zu der
impressionistischen Gebundenheit an Sinne,
Empfindung, Materie, Naturvorbild. Hie und
da verdünnte sich der Begriff des Geistigen bis
zum bloß „Subjektiven". Das bezeichnet unter
anderem die Verbindungslinie, die vom Impres-
sionismus zum Expressionismus geht: der zwi-
schen beiden liegende Neo-Impressionismus ist
wesentlich und entscheidend Subjektivismus.
Aber auch Vieles in der neuesten Kunst ist
bloß subjektiv. Und dies weist auf einen
inhaltsvolleren, positiveren Begriff „Geist", der
bisher nur sehr gelegentlich in junger Kunst
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